Richard Thorne: Ein Projekt mit Stefan Scieszka und dem Segen von Charles Morgan

Richard Thorne: Ein Projekt mit Stefan Scieszka und dem Segen von Charles Morgan

Ein derartig individuelles Projekt lässt sich heute nur noch mit der Morgan Motor Company Limited realisieren. Zwei Enthusiasten - in diesem Fall der Engländer Richard Thorne und Stefan Scieszka aus Deutschland - konzipieren ein Sportgerät und Charles Morgan gibt dafür nicht nur einen Traditionsnamen frei, sondern lässt es in seiner Fabrik bauen. Am 25. Februar 2010 wurde der „Morgan 4/4 Competition“ in Silverstone präsentiert. „im Schalensitz“ war exklusiv dabei.

Im Schalensitz Nr. 22

Richard Thorne ist ein Morgan-Urgestein. Mit 16 Jahren preschte er bereits in einem Morgan über das private Grundstück seiner Eltern. Vor 29 Jahren hat er die „Richard Thorne Classic Cars“ im Reading, östlich von London, gegründet. Mit diesem Unternehmen ist der 59-jährige der zweitgrößte Morgan-Händler weltweit (der größte Händler kommt aus Frankreich) und eine der Adressen überhaupt für historische Lancia.

Seine Kompetenz wird bei der Morgan Motor Company Limited sehr geschätzt und wenn er und Charles Morgan zusammenkommen, entstehen interessante Sportgeräte - erstmals im Jahr 2004, nämlich ein extrem sportlicher und leichter Sechszylinder-Morgan mit Straßenzulassung, der „V6 Roadster Lightweight“. Das Fachblatt „sport auto“ (siehe im Schalensitz Nummer 15) Macht höchste Individualität möglich: Charles Morgan. attestierte dem rund 225 PS starken Sportwagen im Januar 2006 auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings 1:17,4 Minuten. Eine kleine Sensation. Erstaunlicherweise wurden in Deutschland lediglich sechs Fahrzeuge verkauft, obwohl die Rundenzeiten dieser Sport-Morgan auf den Rennpisten durch den von der Solitude-Rennen GmbH organisierten und dem Importeur Merz & Pabst lancierten „Morgan Gentlemen Drivers Cup“ weiterhin für Aufmerksamkeit sorgten.

Immer gut für schnelle Runden: Richard Thorne. Im letzten Jahr hat Richard Thorne zusammen mit Stefan Scieszka, dem ersten Käufer eines Lightweight in Deutschland und dem frischgebackenen Präsidenten des Morgan Sports Car Club Deutschland e. V. (MSCCD) den schlechten Abverkauf in Deutschland (Engländer orderten 35 Exemplare) ein neues Rennwagenprojekt konzipiert, mit weitaus höherem Nutzwert. Pate stand ein Morgan 4/4 Competition (die Bezeichnung aus den dreißiger Jahren als Morgan noch vorwiegend dreirädrige Fahrzeuge baute, steht für vier Räder und vier Zylinder) von 1964. „Pearl“, wie der betagte Zweisitzer aufgrund seiner perlmuttfarbenen Lackierung liebevoll genannt wird, gehörte noch zu der Gattung Rennwagen, mit denen der Fahrer zur Veranstaltung anreiste und vor Ort lediglich die große Frontscheibe demontierte und den Fahrtwind durch eine kleine Scheibe (Brooklands) einschränkte. Ansonsten punktete der Wagen durch das Kampfgewicht von lediglich 820 Kilogramm, so dass der 1.5 Liter Ford-Motor aus der Lotus Cortina mit 83 PS wenig Mühe hatte.

Der neue in voller Fahrt: Morgan 4/4 Competition Nach diesem Strickmuster wurde der Neuzeit 4/4 Competition konzipiert. Dieser wiegt sogar nur 790 Kilogramm, wird ebenfalls von einem Ford-Triebwerk befeuert, welches allerdings satte 152 PS leistet und durch eine mögliche Trennung von Auspuff und Katalysator weitere zehn PS möglich macht. Darüber hinaus kommt der Morgan wie sein Vorgänger auf den schmalen 5 Zoll-Felgen mit 185/70 Pneus daher. „Für authentisches Fahrvergnügen in den Kurven“, schmunzelt Thorne. Den Driftfaktor erhöht eine Sperre, ein Sportauspuff unterstreicht das Rennsport-Feeling und die kürzere Hinterachse (4.1 : 1) sorgt für den perfekten Anschluss zwischen den Gängen. Während die aufgezählten Attribute wie selbstverständlich zu Morgan gehören, überrascht ein weiterer Aspekt sehr, welchen Richard Thorne herausstellt. Der 4/4 Competition gehört zu den umweltfreundlichsten Fahrzeugen überhaupt. Dies wurde dem Renner nicht nur über den geringen CO2-Ausstoß von 140 Gramm bescheinigt. Vielmehr punktete der Engländer durch den geringen Schadstoffausstoß bei der Produktion und die enorme Nachhaltigkeit durch die verwendeten Materialien wie Holz, Aluminium und Leder.

Trackday in Silverstone mit Morgan-Rennfahrzeugen. Der Tracktest bei typisch englischem Wetter, also leichter Regen und etwa zehn Grad, bestätigte die theoretischen Werte in der Praxis eindrucksvoll. Der schmale Morgan gefiel in jeder Fahrsituation, pflügte im Feld wesentlich modernerer Lotus mit und machte in einigen engen Passagen selbst einem Porsche GT3 das Leben schwer. Nach den Testrunden stellte sich diese Begehrlichkeit für einen Wagen ein, der ein Journalist nur durch viel Disziplin widerstehen kann Denn Richard Thorne (www.rtcc.co.uk) kann noch dieses Jahr acht Fahrzeuge in Malvern Link bestellen, für rund 40.000 Euro. „Normalerweise haben wir im Werk derzeit 18 Monate Lieferzeit“, betont der Spezialist. „Nach dieser ersten Testserie sollen die 4/4 Competition über das deutsche Händlernetz erhältlich sein“, ergänzt Stefan Scieszka, der sich möglichst viele der kleinen Rennen in der offenen Clubmeisterschaft wünscht. Thorne räumt weiter ein: „Es ist auch ein Sportkit geplant, um bestehende Vierzylinder-Morgan auf noch sportlicher zu trimmen.“

Diese Ausgabe von im Schalensitz erschien am 01. März 2010

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