Jochen Mass: Die Wiedereröffnung des alten Fahrerlagers auf dem Nürburgring war einmalig

Jochen Mass: Die Wiedereröffnung des alten Fahrerlagers auf dem Nürburgring war einmalig

Am 30. April und am 1. Mai 2011 wurde das alte Fahrerlager auf dem Nürburgring nach der Rückrüstung in die Optik der Eröffnung von 1927 eröffnet – mit vielen Legenden. So nahm sich der ehemalige Formel 1-Pilot Jochen Mass das ganze Wochenende Zeit, um die Highlights der Veranstaltung zu genießen.

Im Schalensitz Nr. 62

Zu einem der Höhepunkte, so Mass, gehörte freilich ein Duell der besonderen Art. Eine Boeing Stearman, also ein Doppeldecker von 1927 startete zu einem Kräftemessen mit einem Alfa Romeo P 3, gesteuert von Motorsport-Enthusiast Willi Balz. Der Chef der Windreich AG musste nach eigenen Aussagen die Döttinger Höhe mit über 210 Stundenkilometer hoch preschen, um den gelben „Vogel“ passieren zu können.

Auch für im schalensitz-Herausgeber Tobias Aichele war dieses Wochenende ein absolutes Highlight. Erst am Vorabend wurde sein Brixner-Spyder mit Spiess-Motor fertig und hielt bestens durch. Dass der kleine Sportprototyp aus Stuttgart-Weilimdorf sich im Kreise der McLaren, Lola und Porsche so souverän behaupten konnte, überraschte auch Mass, der ja wirklich fast alle Rennwagen-Kategorien fuhr.

Jochen Mass: Die Wiedereröffnung des alten Fahrerlagers auf dem Nürburgring war einmalig Doppeldecker von 1927 startete zu einem Kräftemessen mit einem Alfa Romeo P 3

Der gelernte Seemann Mass wechselte nach Erfolgen mit Ford-Tourenwagen in der Deutschen Rennsportmeisterschaft der frühen siebziger Jahre, 1972 in die Formel 2. Im Jahr 1973 wurde er in dieser Kategorie auf einem Surtees TS15 Vize-Europameister hinter dem Franzosen Jean-Pierre Jarier. Mit zwei Siegen im schwedischen Kinnekulle und auf dem Hockenheimring und drei zweiten Plätzen zeigte er seinem Teamchef John Surtees, dass er die Voraussetzungen für die Formel 1 mitbrachte.

Noch im selben Jahr debütierte Mass im englischen Silverstone beim Grand Prix von Großbritannien auf einem Surtees-Ford in der Formel 1. Bereits in der ersten Runde kam für ihn − wie für viele seiner Kollegen – nach einer Massenkollision das Aus. In seinem zweiten Rennen beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring wurde Mass nach einem soliden Rennen von Startplatz 15 Siebter. In Watkins Glen kam er schließlich zu seinem dritten Grand Prix; er fiel jedoch erneut aus.

1974 bekam Mass einen Stammplatz im Surtees-Team. Die Saison verlief jedoch weitgehend enttäuschend und es kam zum Zerwürfnis. Der Deutsche wechselte zu McLaren, wo er die beiden letzten Grand Prix der Saison 1974 bestritt. In den Jahren 1975 bis 1977 gehörte Mass bei McLaren zu den Stammfahrern, stand jedoch stets im Schatten seiner Teamkollegen, der beiden Weltmeister Emerson Fittipaldi (1975) und James Hunt (1976 und 1977). Nachdem Mass seine Chance in einem Topteam wie McLaren nicht nutzen konnte, musste er sich für 1978 nach Alternativen umsehen. Er heuerte zunächst beim neu gegründeten ATS-Team des deutschen Felgenherstellers Günter Schmid an und wechselte anschließend zu Arrows, wo er von 1979 bis 1980 blieb. Nach einem Jahr Auszeit von der Formel 1 kehrte Mass 1982 nochmal für das Team RAM Racing in die Startaufstellung zurück, das aber offiziell unter dem Namen March Grand Prix antrat.

Jochen Mass: Die Wiedereröffnung des alten Fahrerlagers auf dem Nürburgring war einmalig

Insgesamt bestritt Mass in seiner Formel-1-Karriere 105 Grand Prix und erzielte dabei 71 Weltmeisterschaftspunkte. Er war damit bis zur Ära Michael Schumacher neben Wolfgang von Trips der erfolgreichste deutsche Formel-1-Pilot.

In den 1980er Jahren fuhr Mass Sportwagen von Porsche und Sauber-Mercedes. 1985 fuhr er für das Porsche-Werksteam einen der drei Porsche 959 bei der Rallye Dakar. 1989 schließlich gewann Jochen Mass zusammen mit Manuel Reuter und Stanley Dickens auf einem Sauber-Mercedes das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Vor zwei Jahren wählte der „Club der ehemaligen Grand-Prix-Piloten der Formel 1“ Jochen Mass zu ihrem Präsidenten. Das Historische Fahrerlager am Nürburgring ist Motorsport-Kultur-Erbe: Im Jahr 1927 wurde das Fahrerlager zur Eröffnung des Nürburgrings fertiggestellt. Seine Anordnung von mehr als 50 Fahrzeugboxen in rechtwinkliger Ausrichtung wurde zum Synonym für eine Paddock-Anlage.

Das Historische Fahrerlager Nürburgring - damals noch das "alte Fahrerlager" genannt, wurde bis ins Jahr 1983 aktiv im Renngeschehen genutzt. Ein neues Grand-Prix-Fahrerlager an der für mehr Sicherheit umgebauten Grand-Prix-Strecke löste das Paddock ab. Das Historische Fahrerlager wurde damit zum bewahrten und gepflegten Herzstück des historischen Nürburgrings.


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