Hockenheimring 2009

Hockenheimring 2009

Den ersten Ausflug an den berühmten Ring in der rheinischen Tiefebene verdanken wir einem Gewinnspiel. Ob uns das Glück bis nach Hockenheim folgt?

Und die Gewinner sind...

Im April 2009 gewinnen wir, Susi und Detlef, zwei Freikarten für das Jim Clark Revival am Hockenheimring von Carsablanca. Die Freude ist groß, sind wir doch beide Fans des historischen Rennsports, die selten einmal eine Veranstaltung im Norden der Republik verpassen, doch bis nach Hockenheim hat es uns bisher noch nicht verschlagen. Wir holen also flux die Bestätigung für die gewonnenen Karten ab und buchen ein Hotel in der Nähe, bald sind wir schon voller Erwartung auf der Strasse gen Süden. Bis zum Darmstädter Kreuz schwimmen wir im rege fliessenden Verkehr dahin, doch hier geraten wir in den hessischen Feierabendstau. Das stösst unserem neuen Familienmitglied, einem vor einer Woche angeschafften BMW, Übel auf und der Kühler beginnt zu kochen! Wir schaffen ihm Erleichterung in dem wir ihm die Last der Klimaanlage abnehmen und die Heizung voll aufreissen, jeden Meter den es vorwärts geht, sehnen wir schwitzend herbei.

Ernüchternde Erfahrung

Bis wir endlich am Hotel ankommen ist es schon stockduster, sehr spät und wir sind völlig erschöpft. Für die Strecke von Darmstadt bis hierher haben wir länger gebraucht, als für den Weg von Hamburg nach Darmstadt! Hoffnung auf eine erfrischende Dusche nach der rollenden Sauna und die wohligen Ruhe eines netten Hotelzimmers keimt in uns auf, die Rezeption ist noch besetzt! Doch unsere Hoffnungen schwinden, unser Zimmer hat einen knarrenden Holzboden, der jeden Schritt mit lautstarkem Protest quittiert und die Dusche hat kein heisses Wasser für uns. Das zum Schutz aufgesuchte Bett konkurriert mit dem Fussboden um die lauteste Aussprache und zu Trinken gibt es ebenfalls nichts mehr. Wir fliehen aus dem Hotel und finden gegenüber eine gemütliche Pizzeria mit Biergarten. Nach dem Genuss von Speisen und Getränken kehren unsere Lebensgeister langsam zurück, in die gemütlichen Stühle gekuschelt, klingt der Abend doch noch versöhnlich aus.

Break-Fast!

Das Frühstück des Hotels bringt uns aber wieder zurück auf den harten Boden der Realität. Abgepacktes Brot, abgezählte Wurst, rationierter Käse und eine Orange pro Kopf, natürlich ungeschält. Viel Kaffee und ein hartgekochtes Ei helfen uns bei der Bewältigung dieser Prüfung, aber der Grund unserer Anwesenheit ist ja schliesslich der Hockenheimring und nicht die kulinarischen Höhepunkte der einheimischen Hotelküche.  

Der erste Tag am Hockenheimring

Endlich treffen wir beim Hockenheimring ein. Doch sind wir wohl mit dem falschen Bein aufgestanden, am Schalter werden wir zunächst zurechtgewiesen und dann darüber aufgeklärt, dass wir unsere Karten hätten vorbestellen müssen! Unser Einwand, wir seien die glücklichen Gewinner einer Verlosung, die nur eben mal ihren Gewinn abholen möchten, zeigt zunächst nicht die gewünschte Wirkung. Nach langem Hin und Her finden sich unsere Karten aber doch noch und endlich treten wir an den Ort des Geschehens. Sofort umfängt uns die unbeschreibliche Atmosphäre einer Rennstrecke mit atemberaubender Wucht. Mit der Kamera bewaffnet gehen wir durch die Boxengasse und treffen auf unseren persönlichen Favoriten, den BMW M1 Pilot Hans Wagner, dessen Team gerade das Auto für das Training präpariert. Wir können ein paar Worte mit ihm wechseln und ihm alles Gute wünschen, bevor er seinen Boliden auf der Rennstrecke bewegt.

Alte Autos, Schnelle Kurven

Wir suchen uns Plätze auf der Tribüne und beobachten die engagierten Rennwagenlenker, die auf dem Parcours Alles geben und ihre wertvollen Oldtimer keineswegs schonen. Der Geruch von Benzin und verbranntem Gummi steigt uns in die Nase und unsere Ohren klingeln von den lautstarken Motoren. Wir sind glücklich, dafür besuchen wir immer wieder gerne Oldtimer-Rennen. Nach dem Ende des ersten Tages kehren wir in unser knarrendes Hotel zurück und machen noch einen Abstecher zum lieb gewonnenen Italiener gegenüber, denn eine Abwechslung von der aufgezwungenen Curry-Wurst-Diät am Ring tut Not.

In Memoriam of Jim Clark

Das beständige Knarren des Bettes beschert uns eine unruhige Nacht und auch das Frühstück hat leider nicht an Qualität zugelegt, weshalb wir uns zügig zum Ring begeben. Dort haben die Vorläufe schon begonnen und es herrscht emsiges Treiben und der gewohnte Lärmpegel. Wir nutzen die Zeit, das Gelände um die Strecke zu erkunden. Anders als am Nürburgring finden wir hier keine Orte zum Ausruhen. Doch am Hockenheimring gibt es dafür viele Aussichtspunkte, von denen das Renngeschehen aus einer anderen Perspektive erlebt werden kann. Den ganze Tag sind wir auf den Beinen und unsere Füsse tun schon weh, aber daran darf sich ein echter Enthusiast nicht stören. Wir wollten noch die Gedenkfeier zu Ehren Jim Clarks besuchen, aber wir schaffen es nicht rechtzeitig. Dafür haben wir dann genügend Muse, uns die Gedenkstätte des grossen, viel zu früh verstorbenen Rennfahrertalents anzuschauen und lesen aufmerksam die Aufschriften auf den Gedenktafeln. Sein Schicksal macht uns ergriffen und wir trauern still um diesen Helden des Sports.

Die Macht der Erfahrung

Die Hast nach dem Shuttle-Bus zurück zum Ort des Geschehens reisst uns aus unserer Schwermut und wir stürzen uns wieder voll in die dichte Atmosphäre der brüllenden Motoren und quietschenden Reifen. Gerade bekommen wir noch mit, wie Hans Wagner mit vollem Einsatz einem Porsche davonfahren und den zweiten Startplatz erringen kann, eine tolle Leistung! Für uns ist erstaunlich, mit welcher Energie und welchem Einsatz hier auch gesetztere Herrschaften ihr Bestes geben und mit deutlich jüngeren Fahrern konkurrieren können. Es zeigt sich eben doch, dass neben körperlicher Fitness auch Erfahrung einen guten Piloten ausmacht Die rocken wirklich die Rennbahn! Mt diesen benzingetränkten Eindrücken verlassen wir den Ring und fahren in unser ungeliebtes Hotel.

Der Tag des Finales

Diese Nacht schlafen wir sehr gut (ob das wohl an den Schnäpsen beim Italiener lag?) und lassen einmal noch das Hotelfrühstück über uns hereinbrechen. Schnell noch Ausgecheckt und das Gepäck verstaut und dann nichts wie weg von diesem ungastlichen Ort. Am Ring ist heute Finaltag und wir haben einen Bärenhunger, dem wir eine Curry-Wurst entgegen werfen. Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Hans Wagners M1 und dem Porsche verfolgen wir von der Tribüne. Über mehrere Runden zieht sich der Zweikampf zwischen dem bayrischen und dem schwäbischen Sportwagen, Wagner hält sich den Zuffenhausener bis zur letzten Runde vom Leibe. Die Zuschauer fiebern mit und drücken dem M1 die Daumen und als der Porsche gefährlich nah kommt, stehen sie auf den Rängen.

Am Ende siegt Porsche?

Und tatsächlich, in der letzten Runde gelingt dem Porsche ein Überholmanöver und er geht vor dem BMW durchs Ziel. Ein Raunen geht durch die Menge, auch wir sind enttäuscht! Was wir da noch nicht wussten ist, dass der Porsche in einer anderen Hubraumklasse unterwegs war und gar nicht mit Hans Wagner in direkter Konkurrenz stand! Der hatte in seiner Klasse sogar gewonnen! Seitdem ist uns das Team um Hans Wagner und sein M1 noch enger ans Herz gewachsen und wir drücken ihm bei jedem Rennen die Daumen.

Der Hockenheimring war die Reise wert

Die Heimreise verlief im Vergleich zur Hinfahrt sehr viel angenehmer, kein Stau machte unserem BMW zu schaffen und der Fahrtwind sorgte für ausreichend Motorkühlung, so dass wir auch die Klimaanlage nutzen konnten. Trotz des miserablen Hotels und unserer Problem, Zugang zum Hockenheimring zu gelangen, sind uns doch genügend schöne Eindrücke von diesem Wochenende geblieben. Ach, war das schön am Hockenheimring! 

Autor: Susanna Schneider (6er-Susi)

Bildquelle: Detlef Schneider