Historisches Renngeschehen: Internationales Jochpass-Oldtimer-Memorial 2009

Historisches Renngeschehen: Internationales Jochpass-Oldtimer-Memorial 2009

Das unter Federführung von Marlene Brutscher bereits zum 11. Mal organisierte Internationale Jochpass-Oldtimer-Memorial ist inzwischen ein Mythos.

So standen auch in diesem Jahr wieder – genau genommen am 10. und 11. Oktober 2009 – 39 Motorräder und 143 Oldtimer und Rennfahrzeuge in Bad Hindelang am Vorstart, um dreimal täglich die gut ausgebauten 107 Kurven unter die Räder zu nehmen. Bereits am Freitag starteten 28 Teams zur Oberallgäu-Historic-Rallye.

Dieser enorme Zulauf, besonders auf die Bergprüfung, ist seit Jahren ungebrochen. Sogar zwischen 20 und 30 Vorkriegsfahrzeuge nehmen jährlich diese Herausforderung an – bei Wind und Wetter. Aber auch im Nachkriegsbereich glänzt das Internationale Jochpass-Oldtimer-Memorial durch eine enorme Marken- und Typenvielfalt. Unter BMW, Porsche, Mercedes und Jaguar mischen sich Exoten wie die kleinen Abarth und die flinken Stanguellini. Eine Sonderklasse, auch in diesem Jahr angeführt von Herbert Stenger in dem 500 PS starken Zakspeed Turbo Capri, markiert die Leistungsspitze. Diese Boliden benötigen für die Kurvenhatz unter vier Minuten. Zur Orientierung: Für Zeiten um die fünf Minuten müssen die Fahrer in Seriensportwagen schon beherzt zulangen. Die derzeit noch bestehende Bestzeit am Joch steht bei sagenhaften 3:08,26 Minuten (Schnitt 107,45 km/h) und wurde am 12. Oktober 1986 von dem aus Ammerswil stammenden Schweizer Traktorbauer Fredy Amweg auf einem Martini-Rennsportwagen aufgestellt.


Eine ähnliche Vielfalt wie bei den Fahrzeugen gibt es in Bad Hindelang bei dem Wetter. Während zum 10. Jubiläum des Revivals im letzten Jahr am ganzen Wochenende die Sonne schien, waren in diesem Jahr nicht nur die Prognosen düster. Es regnete am Samstag immer wieder, blieb aber am Sonntag trocken. Als dann gegen Mittag sogar die ersten Sonnenstrahlen die fröstelnden Fahrer wärmten, strömten auch die Zuschauer nach Bad Hindelang - es entstand diese einmalige Atmosphäre, die die Teilnehmer jedes Jahr auf´s Neue zum Oberjoch lockt. Die Zuschauer jubelten den Fahrern zu, Kuhglocken wurden zum Gruß der vorbeifahrenden Teams geläutet und die Hügel entlang der Kurven waren von stimmungsvollen Fans besetzt. Die ganze Szenerie war in diese herbstliche Farbenpracht getaucht, welche alles so geschmeidig und warm erscheinen lässt. Deshalb gab es auch kaum ein Murren unter den Fahrern, als die Wartezeiten zwischen den Bergfahrten durch Unfälle und Stürze von Motorradfahrern immer länger wurden.

Weniger genießen konnten die gute Stimmung am Streckenrand Fuzzy Kofler und Andy Chiusole. Das Team konzentrierte sich so sehr auf die ihm gestellten Aufgaben, dass die Porsche 356 A-Besatzung mit nur 0,30 Strafpunkten den Gesamtsieg am Berg und mit nur 1,74 Sekunden Strafzeit den Sieg bei der Rallye einheimste.
Übrigens: Von der Wirtschaftskrise war im Allgäu an diesem Wochenende nichts zu spüren. Das war bei dem historischen Vorbild anders. Das Jochrennen wurde am 16. September 1923, nämlich mitten in der Inflationszeit, aus der Taufe gehoben – weitgehend zunächst für Motorräder und auf ungeteerter Straße. Bis zum September 1930 liefen acht Joch-Rennen ab, dann gab’s die erste längere Pause wegen der Wirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg. 1954 organisierte der Veranstalter nach 24 Jahren Pause das 9. Rennen. 30.000 Zuschauer waren an der überholten Strecke gezählt worden. Doch es folgte wieder eine längere Unterbrechung, die 28 Jahre andauerte, ehe 1982 das 10. Rennen anstand. Im Jahresrhythmus ging es weiter bis 1987. Jetzt griffen die Naturschützer vehement ein, es wurde zunächst ein Zwei-Jahres-Turnus eingeführt. Schließlich kam am 21. und 22. Oktober 1989 zum letzten Rennen am Joch. Nähere Informationen finden Sie unter www.jochpass.com.

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