Gerhard Mitter: Siegfried C. Strasser schrieb das Buch über meinen Vater

Gerhard Mitter: Siegfried C. Strasser schrieb das Buch über meinen Vater

Es gibt unzählige Bücher, trotzdem aber müssen Motorsport-Fans auf Biografien herausragender Rennfahrer-Persönlichkeiten etwas länger warten, wie im Fall Gerhard Mitter. Siegfried C. Strasser hat dieses Stück deutsche Rennfahrergeschichte jetzt aufgearbeitet und mit Schneider Media einen aufgeschlossenen Verlag gefunden. Am 15. Oktober 2010 wurde das 272 starke Werk im Boxenstop-Museum, Tübingen, vorgestellt; im Beisein zahlreicher Rennfahrer-Prominenz.

Im Schalensitz Nr. 45

Gerhard Mitter war einer der herausragenden Rennfahrer-Persönlichkeiten der fünfziger und sechziger Jahre. Als Teamkollege, Co-Pilot oder Konkurrent ging er mit Fahrern wie Vic Elford, Hubert Hahne, Herbert Linge, Jochen Rindt, Ludovico Scarfiotti oder Udo Schütz an den Start.  Er gehörte, so Autor Siegfried C. Strasser anlässlich der Präsentation, „in die fünf Sterne-Klasse des Motorsports.“ In einem Buch über die Formel Junior und Formel 3-Rennwagen wird er sogar als einer der drei erfolgreichsten Piloten dieser Kategorien genannt, zusammen mit Michael Schumacher und Louis Hamilton.

Ludwig „Luc“ Lehner, einer der anwesenden Gäste und damaligen Porsche-Rennmechaniker, erinnerte sich noch sehr genau an die Begabung von Gerhard Mitter und erklärte: „Rennfahrer, die von der Technik kommen, sind meist keine Draufgänger und nähern sich einem Fahrzeug mit Sachverstand an.“ Zur Erinnerung: Gerhard Mitter bekann seine Formel-Karriere als Konstrukteur und Fahrer. Er fertigte Monoposti für die im Jahr 1959 in Deutschland neu eingeführte Formel Junior-Klasse und fuhr diese selbst von Sieg zu Sieg. Die Mitter-Rennwagen wurden von DKW-Dreizylinder-Zweitaktmotoren befeuert. Im Jahr 1960 gab es rund acht Mitter-Monoposti (die genaue Anzahl ist nicht überliefert) von denen noch zwei fahrfertige Exemplare existieren. Einer ist im Besitz von Museums-Chef Rainer Klink, der andere gehört im schalensitz-Herausgeber Tobias Aichele.

Nach einem respektablen vierten Platz auf einem unterlegenen Porsche 718 beim Grand-Prix von Deutschland auf dem Nürburgring bekam er einen Vertrag als Porsche-Werksfahrer angeboten. 1966, 1967 und 1968 wurde er mit den Sportgeräten aus Stuttgart-Zuffenhausen dreimal hintereinander Berg-Europameister. Sein größter Sieg war im Jahr 1969 zusammen mit Udo Schütz der Sieg bei der Targa Florio auf Sizilien.

„Gerhard Mitter musste uns viel zu früh verlassen“, resümierte Motorsport-Journalist Adriano Cimarosti in Tübingen. Beim Training zum Grand Prix in Deutschland am 1. August 1969 kam Gerhard Mitter in einem BMW Formel 2 bei Tempo 250 km/h von der Strecke ab und verunglückte tödlich. Helmut Bross, ebenfalls zu Gast bei der Präsentation, war der Letzte, der mit Mitter kurz vor diesem Lauf gesprochen hatte. Selbst Ferdinand Piech ließ die Einladung zur Buchpräsentation nicht unbeachtet. Er konnte zwar auf Grund anderer Verpflichtungen nicht kommen, antwortete aber sehr persönlich und in bester Erinnerung an einen seiner großen Fahrer bei Porsche. Alle Gäste, zu denen auch der ehemalige Renn-Ingenieur Walter Näher (im schalensitz Nummer 0), Motoren-Legende Siegfried Spiess (im Schalensitz Nummer 33), Rennfahrer-Legende Eberhard Mahle (im schalensitz Nummer 12) und Vater und Sohn der Kolben-Dynastie Wahl gehörten waren sich einig: Gerhard Mitter war ein Pfundskerl.

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