Der Benz 200 PS, genannt „Blitzen-Benz“

Der Benz 200 PS, genannt „Blitzen-Benz“

Der „Blitzen-Benz“ durchbricht 1909 dank seines gewaltigen Motors mit 147 kW aus 21,5 Liter Hubraum erstmals die damals magische200-km/h-Marke. Damit ist er schneller als jedes Flugzeug und die Eisenbahn und setzt einen Rekord für Landfahrzeuge, der acht Jahre ungeschlagen bleiben wird.

Zu Beginn des Jahres 1909 gibt der Vorstand der Benz & Cie die Order, ein Auto zu konstruieren, das mühelos die damals magische Marke von 200 km/h überschreiten kann. Basis ist der Motor des Grand-Prix Benz 150 PS, doch diese Leistung reicht für das ehrgeizige Vorhaben nicht aus. Zwecks Steigerung greift man zu einer wirksamen Methode: Der Hubraum wird auf 21,5 Liter vergrößert – mehr wird nie mehr ein Renn- oder Rekordwagen von Benz & Cie., der Daimler-Motoren-Gesellschaft oder der Daimler-Benz AG haben.

In der ersten Ausführung leistet der Motor 135 kW bei 1500/min, was durch sorgfältige Feinarbeit schließlich auf 147 kW bei 1600/min gesteigert wird. Das Gewicht des auch in seiner physischen Erscheinung gewaltigen Motors beträgt 407 Kilogramm.

Der Motor mit der Nummer 5100 kommt in ein modifiziertes Chassis des Benz
Grand-Prix-Wagens. Das Fahrzeug erhält – der üblichen Namenslogik mit einer Leistungsangabe in PS folgend – die Bezeichnung Benz 200 PS. Fritz Erle, Konstrukteur bei Benz und später Leiter der Versuchs- und der Rennabteilung, nimmt am 22. August 1909 am Kilometerrennen in Frankfurt/Main teil und siegt prompt mit einem Spitzenwert: Er legt die Distanz nach fliegendem Start in 22,6 Sekunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 159,3 km/h zurück und erhält den Preis der Großherzogin von Hessen.

Ein Rekordwagen ist geboren

Werksfahrer Victor Hémery nutzt den Wagen zum ersten Mal am 17. Oktober 1909 bei einem Sprintrennen in Brüssel/Belgien und deklassiert die Konkurrenz deutlich. Am 8. November 1909 präsentiert er den Wagen in England auf der gerade erst eröffneten Rennstrecke von Brooklands und stellt einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord auf: Mit fliegendem Start erreicht er über eine halbe Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 205,666 km/h und über einen Kilometer von 202,648 km/h, durchbricht damit erstmals in Europa die magische Marke und zeigt vor allem, dass das Fahrzeug das kann, wozu es auf die Räder gestellt wurde. Ein Rekordwagen ist geboren. Er erreicht noch weitere Bestwerte, so den Kilometer mit stehendem Start in 31,326 Sekunden, die halbe Meile in 25,566 Sekunden und die Meile mit 41,268 Sekunden, womit die bestehenden, bis dahin von Darracq gehaltenen Rekorde eingestellt werden.

Insgesamt entstehen sechs Blitzen-Benz, die in Europa und den USA eingesetzt werden. Heute existieren noch vier Wagen: Das Mercedes-Benz Museum hat einen Wagen in seinem Bestand, ein weiteres Originalfahrzeug und die einzige viersitzige Version ist in Händen eines Sammlers in den USA. Dort hat im Jahr 2004 auch ein anderer Enthusiast der Marke einen Nachbau mit verschiedenen Originalteilen fertig gestellt. Dieses Projekt, wurde in enger Zusammenarbeit mit der Sammlung des Mercedes-Benz Museums und mit dem Mercedes-Benz Classic Center durchgeführt. Schließlich wurde in England eine Replika des blauen Hémery-Wagens erstellt.

Technische Daten des Blitzen Benz (Benz 200 PS)

Radstand: 2800 mm (Fahrzeug Nr. 6: 3200 Millimeter)
Maße L x B x H: 4820 x 1600 x 1280 mm
Wagengewicht: 1450 kg
Gewicht des Motors: 407 kg
Höchstgeschwindigkeit: 228,1 km/h
Motor: Benz Rennwagenmotor, Viertakt-Otto, 4 Zylinder / Reihe
Hubraum: 21 500 cm3
Leistung: 147 kW bei 1600/min
Drehmoment: 36 mkg bei 1000/min
Höchstdrehzahl: 1650/min
Bremsen: vorne keine; hinten Innenbackenbremsen auf die Hinterräder und Außenbandbremsen auf die Zwischenwelle; Handbremse auf Hinterräder wirkend
Lenkung: Schraubenspindellenkung
Räder: Drahtspeichenräder oder Holzspeichenräder
Reifen: 820 x 120 Ballon Continental

Weitere Informationen:

Mercedes-Benz Oldtimer