Berümte Rennfahrer: Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) (Frankreich)

Berümte Rennfahrer: Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) (Frankreich)

Ihre Talente hätten auch für zwei Leben gereicht. Die Zahl ihrer Liebhaber ist beim besten Willen nicht zu schätzen. Und doch war Hellé Nice in ihrem Bugatti weit mehr als nur die süßeste Versuchung des Rennsports zwischen den Kriegen.

Karrieren beginnen in Paris

Hélène Delangle kam als Tochter eines Postbeamten südwestlich von Paris zur Welt. Ihren Vater verlor sie früh, der Stiefvater trieb sie gegen Ende des  Ersten Weltkrieges in die Hauptstadt. Dort schlug sie sich zunächst als Foto- und Aktmodell durch, ehe sie mit Ballett und Tanz erste Berühmtheit erlangte. Mitte der Zwanziger wurde aus Hélène Delangle Hellé Nice, eine der Attraktionen in den freizügigen Revuen des Casino de Paris.
Mit dem Rennsport kam sie über ihre erste große Liebe, den Rennfahrer Henri de Courcelles, in Berührung. Von da an war bei ihr die Faszination für Gefahr und Geschwindigkeit erwacht. Hélène trat als Hochseilartistin auf und verbrachte ihre Freizeit beim Skifahren und Bergsteigen. Mehrmals bezwang sie den Mont Blanc. Ein Skiunfall beim Ausweichen vor einer Lawine beendete 1929 ihre Karriere als Tänzerin.  Berümte Rennfahrer: Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) (Frankreich)

Die schnellste Frau der Welt

So begann sie mit dem Rennfahren. Ihr erster Auftritt war 1929 der Grand Prix für Damen in Montlhéry, den sie auf einem Oméga Six gewann. Doch sie wollte mehr, und es war Ettore Bugatti, der ihr die Chance dazu gab. Er ließ einen Typ 35C präparieren, mit dem sie im Dezember 1929 in Montlhéry mit 197,7 km/h den Geschwindigkeitsweltrekord für Frauen aufstellte – zum Dank erlaubte ihr der Patron, den Wagen zu kaufen.
Dass sie sich auch gegen Männer durchsetzen konnte, bewies sie beim Bugatti-Grand Prix in Le Mans 1930, den sie als Dritte beendete. Inzwischen war Hellé Nice das Werbegesicht von Lucky Strike und leistete sich privat einen Hispano-Suiza und eine 22-Meter-Segeljacht. Es lockte die große weite Welt. 1930 trat Hélène im Rahmenprogramm einiger Dirt Track-Rennen in den USA auf. Berümte Rennfahrer: Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) (Frankreich)

Eine Frau am Steuer: Sensationell!

Zurück in Europa, bestritt sie bis 1936 zahlreiche Grand Prix, zunächst auf Bugatti, später auf einem Alfa Monza. Die größten Erfolge hatte sie bei Bergrennen wie in La Turbie oder am Mont Ventoux, wo sie mehrere Podestplätze einfuhr.
Ihr charmantes Lächeln und die Fähigkeit, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, machten sie nicht nur bei den Veranstaltern von Rennen begehrt, sondern auch in der Männerwelt. So war sie mit Philippe de Rothschild liiert und man sagte ihr Liebschaften mit Jean Bugatti, Marcel Lehoux, Maurice Chevalier sowie Huschke von Hanstein nach. Berümte Rennfahrer: Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) (Frankreich)

Eine Heldin in Brasilien

Ein Ausflug nach Brasilien im Sommer 1936 endete im Desaster. Beim Grand Prix von São Paulo musste sie fanatischen Zuschauern ausweichen. Sie verlor die Kontrolle über ihr Fahrzeug und raste in die Menge. Nur mit viel Glück überlebte sie. Für die Brasilianer war sie damit zu einer Heldin gworden, der Präsident besuchte sie im Krankenhaus, und so manches Mädchen des Jahrgangs 1937 wurde Elenice getauft.
1938 war sie Teil des Yacco-Frauenteams, das in Montlhéry auf Matford 10 Weltrekorde und 15 internationale Klassenrekorde aufstellte. Einige von diesen bestehen bis heute.

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Eine Verräterin in Frankreich?

Im Krieg gab Hellé Nice ihre Villa an der Côte d'Azur auf und zog nach Paris, kehrte jedoch 1943 in das von Deutschen okkupierte Nizza zurück. Wie ihr Verhältnis zu den Besatzern dabei war, bleibt im Dunkeln. Ein Vorwurf ihres Intimfeindes Louis Chiron bei der Rallye Monte Carlo von 1949, sie sei eine Gestapo-Agentin gewesen, ließ sich nie belegen. Der Verdacht beendete jedoch ihre Karriere und zerstörte ihren Ruf. Als dann Ende der Fünfziger ihr langjähriger Liebhaber Arnaldo Binelli mit ihrem Ersparten verschwand, war die ehemalige Reine de Vitesse völlig mittellos. Von ihrer Mutter enterbt, lebte sie ihre letzten Jahre auf Kosten einer Künstlerstiftung und starb 1984 von allen vergessen. Sogar der Familiengrabstein verschwieg ihren Namen...

Mariette Hélène Delangle (Hellé Nice) *15.12.1900 – †01.10.1984

Bildquellen: Bugatti, Alfa Romeo

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