Berühmte Rennfahrer: Rudolf Caracciola

Berühmte Rennfahrer: Rudolf Caracciola

Rudolf Caracciola wird am 30. Januar 1901 in Remagen geboren. Der Junge ist von Autos fasziniert, macht im Ersten Weltkrieg erste Erfahrungen am Steuer eines „betagten 16/45er Mercedes“ und entschließt sich Rennfahrer zu werden.

Als Volontär der Fafnir-Automobilwerke in Aachen startet er 1922 beim Avus-Rennen in Berlin (Platz 4 der Gesamtwertung und Klassensieg) und beim Opelbahn-Rennen in Rüsselsheim (Sieg). Nach einem Gerangel mit einem belgischen Besatzungsoffizier verlässt Carraciola Aachen und wird in Dresden Fafnir-Vertreter. 1923 gewinnt er das Berliner ADAC-Rennen auf einem Ego.

Die Daimler-Motoren-Gesellschaft stellt Caracciola 1923 als Autoverkäufer für die Niederlassung Dresden an. Mit dem aktuellen Mercedes 6/25/40-PS-Rennwagen darf er bei Rennen starten, unter anderem holt er 1923 bei der ADAC-Reichsfahrt den Klassensieg für Tourenwagen. 1924 wird er mehrfach Klassensieger und erringt den Gesamtsieg beim Rennen im Teutoburger Wald. In diesem Jahr lernt er auch seine künftige Frau Charlotte, genannt „Charly“, kennen.

1925 gewinnt Caracciola auf dem Mercedes 24/100/140 PS acht Rennen. 1926 gewinnt er den Großen Preis von Deutschland auf einem Mercedes-Achtzylinder-Rennwagen. In dem Rennen macht er erstmals auf seine überragende Fahrkunst unter widrigen Wetterbedingungen aufmerksam, der Sieg ist eine erste Fingerübung des späteren „Regenmeisters“. Das Preisgeld sichert Caracciolas wirtschaftliche Situation. Er heiratet Charly und eröffnet im Januar 1927 in Berlin eine Mercedes-Benz Vertretung, fährt aber weiterhin Rennen.

  Doppelsieg beim Eröffnungsrennen, links Rudolf Caracciola (Quelle: Daimler)

1927 siegt Caracciola mit dem neuen Mercedes-Benz 26/170/225 PS Typ S
Rennsport-Tourenwagen bei dessen Premiere auf dem Nürburgring. Elf Gesamt- und Klassensiege holt er außerdem in diesem Jahr. 1928 gewinnt Caracciola fünf Rennen auf dem Nachfolger Mercedes-Benz Typ SS, dann siegt er weiter auf dem neuen Rennsport-Tourenwagen 27/180/250 PS Typ SSK. Mit dem SSK eröffnet er auch 1929 im Großen Preis von Monaco die Rennsaison für Mercedes-Benz (Platz 3). Die International Tourist Trophy in Irland gewinnt Caracciola auf Mercedes-Benz SSK bei strömendem Regen mit einem Durchschnitt von 117,2 km/h.

Sieger in Italien

1930 kommt Caracciola als Klassensieger der Mille Miglia ins Ziel. Im nächsten Jahr gewinnt er das Rennen als erster ausländischer Starter auf dem Mercedes-Benz 27/240/300 PS Typ SSKL Rennsportwagen. Nach 16 Stunden Fahrt von Brescia nach Rom und zurück rollt er am 13. April 1931 mit Beifahrer Wilhelm Sebastian als Sieger über die Ziellinie, Durchschnittstempo 101,1 km/h. Caracciola gewinnt 1931 auch den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring – ein Regenrennen – und wird wieder Europa-Bergmeister für Sportwagen.

Als sich Mercedes-Benz vom Rennsport zurückzieht, wechselt Caracciola zu Alfa Romeo. Auf dem 2,6-Liter-Monoposto gewinnt er 1932 die Großen Preise von Deutschland und Monza sowie das Eifelrennen. Er wird Europa-Bergmeister für Rennwagen und internationaler Alpenmeister. Caracciola gründet 1933 zusammen mit Louis Chiron die unabhängige „Scuderia C.C.“, verunglückt aber beim Training für den Großen Preis von Monaco schwer. Er fällt für das ganze Jahr aus. Im Winter stirbt seine Frau bei einem Lawinenunglück.

Daimler-Benz nimmt Caracciola für die Saison 1934 wieder unter Vertrag. In der neuen 750-Kilogramm-Formel starten die Stuttgarter mit dem Rennwagen W 25, dem ersten Silberpfeil. Beim Grand Prix von Italien am 9. April laboriert Caracciola noch an den Folgen seiner Unfallverletzungen und lässt sich, an erster Position liegend, in der 59. Runde von Luigi Fagioli am Lenkrad ablösen, der den Sieg nach Hause fährt. Beim Großen Preis von Spanien am 23. September gelangt Caracciola auf Platz 2. Eine neue Konkurrenz für Mercedes-Benz ist die Auto Union. Beide Rennabteilungen werden in den kommenden Jahren die Meisterschaft dominieren.

Start zum Großen Preis von Tripolis, Mellaha, 12. Mai 1935. (Quelle: Daimler AG)

1935 gewinnt Caracciola in einem langen Hitzerennen den Grand Prix von Tripolis. Weitere Siege folgen beim Eifelrennen (16. Juni) und den Grand Prix von Frankreich (23. Juni), Belgien (14. Juli), der Schweiz (25. August) und Spanien (22. September). Dazu kommen der 2. Platz beim Großen Preis von Barcelona (30. Juni) und Platz 3 des Grand Prix von Deutschland (28. Juli). Er wird 1935 Europameister und Deutscher Meister der Rennwagen. Mercedes-Benz gewinnt neun von 14 Grand Prix der Saison, davon gehen sechs Siege auf Caracciolas Konto.

Seine Erfolgsserie reißt 1936 ab. Caracciola eröffnet die Saison zwar mit einem Sieg in Monaco (13. April). Bei schlechtem Wetter beweist der Pilot wieder einmal, dass sein Ruf als „Regenmeister“ berechtigt ist. Doch der überarbeitete W 25 mit kurzem Radstand bereitet immer wieder Probleme. „Caratschs“ beste Ergebnisse nach Monaco sind die Großen Preise von Tunis (17. Mai, Sieger), Barcelona (7. Juni, Zweiter) und Tripolis (10. Mai, Vierter). Beim Grand Prix von Deutschland kommt Carraciola gemeinsam mit Luigi Fagioli nur auf Platz 5. Star dieser Saison ist Bernd Rosemeyer, der für Auto Union Europameister wird.

Kurz nach dem Start zum Großen Preis der Schweiz, Bremgarten, 22. August 1937. (Quelle: Daimler AG)

1937 kehrt Caracciola zurück an die Spitze des europäischen Motorsports. Die
750-Kilogramm-Formel ist für ein Jahr verlängert worden, Daimler-Benz entwickelt eigens für diese Saison den neuen Rennwagen W 125. Mit dem Monoposto holt Caracciola seinen zweiten Europameister-Titel. Zu den Rennerfolgen der Saison gehören Siege bei den Großen Preisen von Deutschland (25. Juli), der Schweiz (22. August), Italien (12. September) und beim Großen Masaryk-Preis von Brünn (26. September). Daneben erringt Caracciola Erfolge beim internationalen Eifelrennen (13. Juni, Zweiter), beim Großen Bergpreis von Deutschland (1. August, Dritter), in Monaco (8. August, Zweiter) und beim Großen Donington-Preis (2. Oktober, Zweiter). Neben dem Rang des Europameisters sichert er sich auch den Titel des Deutschen Straßenmeisters.

Beim formelfreien Avus-Rennen in Berlin am 30. Mai tritt Mercedes-Benz mit verschiedenen Fahrzeugkonzepten an, unter anderem mit drei aerodynamisch verkleideten W 25. Caracciola gewinnt mit einem solchen Stromlinienwagen den ersten Lauf des Wettbewerbs. In diesem Jahr heiratet er Alice Hoffmann.

Auf Rekordfahrten in neue Geschwindigkeitsregionen

Rekordfahrt auf der Reichsautobahn Dessau - Bitterfeld. (Quelle: Daimler AG)

Im Januar 1938 stehen wieder Rekordfahrten an. Auf Autobahnen und Rundstrecken hat Caracciola in den vergangenen Jahren mehrere Rekorde aufgestellt. Diesmal erzielt er auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt das Tempo 432,7 km/h. Das ist bis heute die höchste auf einer öffentlichen Straße erzielte Geschwindigkeit. Tragisch bleibt dieser Rekord, weil sein Konkurrent und Freund Bernd Rosemeyer beim Versuch, Caracciolas Bestmarke auf einem Wagen der Auto Union zu überbieten, stirbt.

Bei den Rennen greift 1938 erstmals eine neue Formel, die den Hubraum ohne Aufladung auf 4,5 Liter, mit Kompressor auf 3 Liter beschränkt. Daimler-Benz setzt in dieser „Dreiliter-Formel“ den neuen Rennwagen W 154 ein, der aus seinem V12-Motor maximal 453 PS schöpft. 1938 gewinnt Caracciola die Coppa Acerbo (14. August) und siegt im Grand Prix der Schweiz (21. August). Platzierungen erreicht er bei den Großen Preisen von Pau (10. April, mit Hermann Lang, Zweiter), Tripolis (15. Mai, Dritter), Frankreich (3. Juli, Zweiter), Deutschland (24. Juli, mit Hermann Lang, Zweiter) sowie Italien (11. September, mit Manfred von Brauchitsch, Dritter). Der mittlerweile 37 Jahre alte Rennfahrer wird zum dritten Mal Europameister und festigt seinen Ruf als erfolgreichster Rennfahrer der Epoche.

Im Grand Prix von Tripolis, für den Daimler-Benz eigens die 1,5-Liter-Voiturette W 165 entwickelt, kommt Caracciola auf Platz 2 ins Ziel, hinter Hermann Lang: Doppelsieg für die Silberpfeile. Eigentlicher Rennwagen der Saison ist allerdings der überarbeitete W 154, mit dem Caracciola am 23. Juli den Großen Preis von Deutschland gewinnt. 1939 wird er Deutscher Straßenmeister, den Europatitel holt in diesem Jahr aber Nachwuchstalent Lang.

Deutschland GP im Juli 1939: (von links) Hermann Lang, Alfred Neubauer und Rudolf Caracciola (Quelle: Daimler AG)

Den Zweiten Weltkrieg verbringen Alice und Rudolf Caracciola in ihrer Schweizer Wahlheimat. Caracciola will nach Kriegsende in Amerika Rennen fahren. 1946 verunglückt er jedoch beim Training zum 500-Meilen-Rennen von Indianapolis. 1952 nimmt er den aktiven Rennsport wieder auf und kommt bei der Mille Miglia in einem Mercedes-Benz 300 SL auf Platz 4. Doch seine Karriere endet endgültig mit einem schweren Unfall beim Großen Preis von Bern 1952. Caracciola ist danach lange auf Rollstuhl und Krücken angewiesen.

1956 übernimmt er für Daimler-Benz den Verkauf von Fahrzeugen an die in Europa stationierten Amerikaner und Engländer. Im Alter von nur 58 Jahren stirbt Rudolf Caracciola am 28. September 1959 in Kassel. Zu seinem 100. Geburtstag wird 2001 ein Denkmal in Remagen enthüllt und die Karussell-Kurve des Nürburgrings nach ihm benannt.

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Quelle: (c) Daimler AG