Berühmte Rennfahrer: John Richard Beattie Seaman (Great Britain)

Berühmte Rennfahrer: John Richard Beattie Seaman (Great Britain)

Man schrieb den 24. Juli 1938, als 300.000 begeisterte Zuschauer am Nürburgring dem Sieger des Großen Preises von Deutschland zujubelten. Doch der Mann, der dem schwäbischen Siegerwagen mit der Nummer 16 entstieg und auf dem Podium den Gruß der Deutschen erwiderte, war … Richard „Dick“ Seaman, ein englischer Aristokrat.

Der junge Dick sollte nach dem Willen seiner Eltern Karriere als Diplomat oder zumindest in der Londoner City machen und wurde entsprechend an den besten Schulen bis hin zum Trinity College in Cambridge unterrichtet. Doch der Zufall wollte es, dass der Autonarr Seaman in seinem Kommilitonen, dem Amerikaner Whitney Straight, einen Gleichgesinnten fand und in dessen Rennstall eintrat. Ein passender MG Magna war auch schnell erworben, und so half es nichts, dass Dicks Eltern gegen sein Engagement im Rennsport waren und ihm gar ein Flugzeug kauften, damit er auf andere Gedanken käme.

Berühmte Rennfahrer: John Richard Beattie Seaman (Great Britain)

Dick warf das Studium hin und konzentrierte sich auf den Rennsport, was ihm bereits 1934 Erfolge beim Prix de Berne und am Mont Ventoux einbrachte. Auch die nächsten beiden Jahre feierte er seine Siege in der Voiturette-Klasse, 1936 (meist auf einem zehn Jahre alten Delage) in Donington, auf der Isle of Man, in Pescara und Bern. Das brachte ihm im November 1936 eine Einladung zu Testfahrten für Mercedes-Benz, die er als Bester der 20 angetretenen Fahrer absolvierte und sich damit einen Vertrag als Nachwuchsfahrer für 1937 sicherte.
Die erste Saison verlief eher durchwachsen, ein siebter Platz beim Debüt in Tripolis und ein zweiter Platz beim Vanderbilt Cup waren vielversprechend, aber  drei schwere Unfälle trübten das Bild. Für die Saison 1938 war zunächst kein Cockpit für den jungen Briten frei. Doch die Enttäuschung darüber ließ nach, als Dick im Juni 1938 seine spätere Frau Erika, die Tochter des BMW-Vorstandschefs Franz Josef Popp, kennenlernte. Die Hochzeit mit der viel jüngeren Deutschen führte zum Bruch mit der inzwischen verwitweten Mutter. 

Berühmte Rennfahrer: John Richard Beattie Seaman (Great Britain)

Beim ersten Renn-Einsatz 1938 anlässlich des Großen Preises von Deutschland erwies sich der so frisch Verliebte als der beste von den sieben Mercedes-Benz-Fahrern. Und in diesem Jahr feierte er den größten Triumph seiner Karriere sowie nach einem zweiten Platz in Bern auch seine erfolgreichste Saison. Trotz der inzwischen angespannten politischen Lage erhielt er mit Zustimmung Hitlers einen neuen Vertrag für 1939, doch die Saison verlief nicht wie gewünscht. Beim Großen Preis von Belgien in Spa sah Seaman seine Chance gekommen. Diesmal wollte er sich auch beim „Regenmeister“ Caracciola für die Niederlage in Bern revanchieren und lag im strömenden Regen bald 30 Sekunden vor dem Rest des Feldes. Doch er übertrieb es und nahm auch dann kein Tempo heraus, als der Regen immer stärker wurde.


Als sich der Wagen in La Source aus der Bahn geriet und um einen Baum wickelte, fing dieser sofort Feuer und Dick Seaman konnte nur mit schwersten Verbrennungen aus dem Wrack befreit werden. Er verstarb noch in der selben Nacht und sollte der einzige Fahrer bleiben, den Mercedes-Benz in der Silberpfeil-Ära vor dem Krieg verlor. Hitler ließ einen mächtigen Trauerkranz schicken...

John Richard Beattie Seaman (*04.02.1913 – †25.06.1939) 

Bildquelle: Daimler AG 

Hier gibt es mehr Rennsport auf Carsablanca:

Berühmte Rennstrecken

Berühmte Rennfahrer

Berühmte Rennwagen 

Historisches Renngeschehen

Im Schalensitz