Als Privatfahrer so schnell wie ein Profi

Als Privatfahrer so schnell wie ein Profi

Heute, am 19. April 2010, wird Kurt Ahrens 70 Jahre alt und hat am vergangenen Wochenede im Rahmen der Hockenheim Historic – in memory of Jim Clark hineingefeiert.

Im Schalensitz Nr. 28

Die Hockenheim-Ring GmbH und Tobias Aichele, Geschäftsführer der Solitude GmbH, bereiteten dem sympathischen Braunschweiger ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Eine Parade im Rahmen der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ vom 16.-18. April 2010 auf dem Hockenheimring, mit den Fahrzeugen, welche Ahrens in seiner aktiven Laufbahn gefahren ist. Ahrens selbst führt das Feld in einem Porsche 908 an, jenem Sportprototypen, mit dem er für den Sportwagenhersteller im Jahr 1969 sein erstes Rennen als Werksfahrer bestritt.

Ehrenparade für Kurt Ahrens

Zu Ehren des sympathischen Braunschweigers kamen darüber hinaus rund 40 hochkarätige Porsche-Fahrzeuge aus der Region seiner Heimatstadt – um Ihren Kurt zu feiern. Ahrens ist nämlich Ehrenmitglied in der dort ansässigen Interessengemeinschaft. So bot sich den zahlreichen Zuschauern am vergangenen Sonntag, den 18. April 2010 um 13.00 Uhr, ein imposanter Anblick, als insgesamt rund 60 Fahrzeuge zu dieser Ehrenparade auf der Rennstrecke fuhren. Insider haben dieses Aufgebot mit der Geburtstagsparade zum achtzigsten Geburtstag von Sir Stirling Moss im letzten Jahr beim Goodwood Revival verglichen.

Nach einem Marathon an Presseterminen war selbst „Dauerläufer“ Kurt Ahrens so gerührt, dass ihm bei der abschließenden Feier mit Freunden die Worte fehlten. „Ich sage einfach nur vielen Dank“, flüsterte Ahrens ins Mikrofon von Moderator Siegfied Schlüter“, und tauchte wieder in der Menge der Autogrammjäger unter. Insgesamt strömten zur Hockenheim Historic – in memory of Jim Clark 24.700 Zuschauer.

Hockenheim Historic - in Memory of Jim Clark vom 16. bis 18. April 2010:

Ein Rückblick

Der Name Ahrens tauchte im Formel-Rennsport der 60er-Jahre in nahezu allen Starterlisten auf, und zwar gleich zweimal. Vater und Sohn fuhren damals gegeneinander, vor allem in der Formel Junior. Kurt, der Junior, wurde in Folge zum deutschen Qualitätsbegriff. In der Monoposto-Liga ließ er nichts aus und stieg von der Formel Junior und der Formel 3 in die Formel 2 und sogar kurz in die Formel 1 auf. Dreimal (1961, 1963 und 1965) wurde Kurt Ahrens Deutscher Rennwagen-Meister und 1967 Formel-3-Nationencup-Sieger. Unvergessen die Formel-2-Duelle, in denen er Gegner vom Kaliber eines Rindt, Clark, Mitter oder Siffert bezwang. Jack Brabham vertraute ihm 1968 einen seiner Wagen für den Deutschland-Grand-Prix an. 1969 holte Porsche den „Eisenfuss“ für zwei Jahre ins Werksteam. Dort gelangen Ahrens im Porsche 917 und 908 mit Jo Siffert und Vic Elford als Partner grandiose Erfolge in der Sportwagen-WM.

Rund 300 Rennen, an die 150 Siege – und im Rennbetrieb nie ein Auto verschrottet, nie ein ernster Unfall. Nur einmal hat es richtig gekracht, beim Testen auf dem VW-Testgelände in Ehra-Lessien, wo wegen Aquaplanings sein Porsche 917 zu Bruch ging.

Kurt Ahrens heute

Kurt Ahrens heute

Kurt Ahrens erfreut sich bester Gesundheit und ist mit seiner Frau Reni seit fast 50 Jahren verheiratet. Sie haben vier Kinder. Das Containergeschäft und den Schrotthandel hat der Sympathieträger an seine Nachkommen übertragen. Aber noch immer ist er bestens informiert über alles im Rennsport, versäumt im Fernsehen keinen Formel-1-Lauf und fährt traditionell einmal im Jahr zum F1-Grand-Prix nach Monaco. Darüber hinaus ist er dem historischen Motorsport sehr verbunden und reist gerne zu verschiedenen Oldtimer-Veranstaltungen, um gelegentlich auch einmal selbst wieder hinter dem Steuer Platz zu nehmen.

Warum hörte ein so erfolgreicher Pilot wie Ahrens dann mit 32 Jahren auf? „Weil ich Angst vor einem schweren Unfall hatte. Ich war schockiert über den Verlust guter Freunde“, antwortet Kurt Ahrens spontan. Tatsächlich fiel die Ahrens-Ära in die schlimmsten Jahre des Rennsports, das Sicherheitsdenken steckte noch in den Kinderschuhen. Fast ein ganzes Startfeld verunglückte damals tödlich: Bandini, Mitter, Clark, Siffert, Spence, Schlesser, Rindt, Hawinks, Scarfiotti, Courage und Rodriguez.

40 Jahre Grand-Prix auf dem Hockenheimring „Die meisten waren Gegner in der Formel 2, mit vielen war ich befreundet. Meiner Familie und mir gegenüber konnte ich das nicht mehr verantworten. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich überlebt habe“, so der Braunschweiger. Anlässlich der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg wurden diese Erinnerungen wieder wach. Das Formel 2-Training vor 42 Jahren hat tiefe Spuren hinterlassen. Jim Clark verunglückte am 7. April 1968 in der fünften Runde um den Martini Gold Cup (Formel 2 Europameisterschaft) tödlich. Ahrens war Trainingsschnellster und war mit dem Schotten noch am Abend zuvor Gast im aktuellen ZDF-Sportstudio.

Diese Ausgabe von im Schalensitz erschien am 19. April 2010

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