What Women Want

What Women Want

Die Frau und der Oldtimer, eine seit ewigen Zeiten bestehende Fehde, ein Kampf bis auf’s Benzin. Wiebke Brauer wirft einen Blick auf den Konflikt zwischen Blech und Busen

„Ich will einfach mal zu Ikea fahren und ein Billy-Regal kaufen.“ Ein so einfacher Satz. Und doch liegt eine ganze Armada von Schuld, Sehnsucht und elementaren Wünschen darin. Die Hauptdarsteller in diesem Drama: Eine Frau, ein Möbelhaus und ein Mann ohne Transportmittel. Denn der Mann hat keinen Kombi. Er besitzt auch keinen Passat oder Hänger. Der Mann fährt einen Oldtimer, der gefühlt 40 Liter säuft, eigentlich ständig im Dutt ist und den er mehr liebt als seinen Beruf. Nein, nicht mehr als seine Frau. Oder sagen wir – er liebt den Oldtimer dann inniger als seine Frau, wenn sie diese Sätze von sich gibt.
Und ganz ehrlich? Manchmal kann ich diese Frau auch gut verstehen. Heute schneit es. Also kann ich nicht Auto fahren. Es könnte nass werden. Der Wagen liebt die Sonne, ich liebe meinen Wagen. So einfach ist das.
Morgen will ich vielleicht zu Ikea. Aber das einzige, was in die Kiste passt, ist ein Paket Lubla oder Görgel. Okay, vielleicht auch noch ein halbes Billy, aber das kommt mir nicht in meinen Wagen. Erstens aus stilistischen Gründen – und zweitens  könnte es ja KRATZER geben. Bleibt also noch das Lasttaxi. Ach ne, das kann man sich nicht leisten, erstens habe ich gerade getankt und zweitens kam gerade die Steuer vorbei und machte ein kurzes wie lautes Sauggeräusch auf meinem Konto. Hhhhhppp. Kein Billy, kein Lasttaxi. Kein Görgel.
Und dann sind da ja noch die Ersatzteile. Wir wissen, dass sich Ersatzteile wie Plastiktüten vermehren. Außerdem kann man sie niemals niemals niemals wegschmeißen. Man könnte sie brauchen. Irgendwann wird es in ferner oder naher Zukunft diesen Moment geben, in dem du sie brauchst, diese Zierleiste, diesen Bremsbeleg aus der anderen Baureihe, das Sechstel der Stoßstange, die Kofferraumklappe, den Auspuff und die dreihundert anderen Dinge, von denen du gar nicht mehr weißt, wozu sie alle gut sind. Doch! Gut! Brauchen! Dein Partner hasst dich dafür, er will getöpferte Enten und die Leuchtgans in den Keller bringen, doch da liegt noch ein Satz Reifen für den 123er. Oder vielleicht mal die Wintergarderobe auf den Boden verfrachten. Ach ne, da sind noch die zwei alten Motorrad-Batterien und das Gestänge für die BMW-Koffer, das Ladegerät, die Spachteltüte und die Reste des Taunus. Und ja, man braucht die alten Lackdosen noch, nein, die können nicht weg. Und was heißt hier überhaupt „Sondermüll“? Sondermüll fährt auf der Straße und trägt den Namen Fiat Multipla, Ford Scorpio und Renault Modus. „Aber in die kann man einsteigen und losfahren“, sagt die Frau anklagend und breitet mit Leidensmiene die Hände aus. „Man kann den halbvollen Becher mit der Pepsi hinter sich werfen, die Heizung funktioniert und alle Freunde passen hinein.“ Ja, die Frau hat Recht, kann man. Will man aber nicht.
Also gibt darauf nur eine Antwort: Meine Freunde haben alle Autos, in die keine Freunde passen. Und Pepsi geht gar nicht.