Wenn ich ein Auto wär’...

Wenn ich ein Auto wär’...

...und auch vier Räder hätt’, führ’ ich zu Dir. Oder so. Wiebke Brauer macht sich Gedanken darüber, in welches Kraftfahrzeug man sich am liebsten verwandeln würde.

Neulich lernte ich jemanden kennen, der gerne Augen wie ein Peugeot hätte. Der Mann fuhr ein 504 Coupé, zeichnete sich durch einen Markentick aus und war schwer verknallt in die nach außen ausgestellten Scheinwerfer. Konnte ich verstehen. Wobei ich nicht weiß, ob ich mir persönlich jetzt eine Doppelpupille verpassen würde, weil der SL in der US-Version solche Scheinwerfer hat. Ach ja, jetzt kommt wieder der Witz über die ausladenden amerikanischen Stoßstangen des SL und die Tellerlippen der Mursi. Dieser Gag ermüdete mich schon beim erstmaligen Hören, aber das nur am Rande. Wenn man schon Scherze über meine Fahrzeuge machen möchte, dann könnte man behaupten, ich müsse nur noch mit dem Hintern wackeln und wäre sofort als BMW, bzw. Gummikuh identifizierbar. Das lasse ich gelten.
Die Frage ist allerdings, welches Auto man wäre – charakterlich gesehen. Fährt man die Karre, die dem eigenen Wesen entspricht? Oder dem Wesen, das man gern wäre? Wäre ich tatsächlich ein Sportwagen, ein Klassiker gar, oder nicht doch ein Pontiac Aztek? Und warum wollen Frauen immer – Allgemeinplätze sind doch etwas Feines – kleine süße Autos? Und wie soll ich den weiblichen Wunsch nach maximalem Stauraum verstehen?
Gut, Männer sind nicht besser, sie träumen von flachen roten Dingern mit dicken Auspuffrohren und einem stolz- und überhaupt geschwellten Kühler.
Doch zu den inneren Werten: Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umsehe und das Humanoide ins Automobile übertrage, kann ich auf jeden Fall einige VW Bullis entdecken, Menschen mit Familiensinn und Fernweh, sie halten viel aus und laufen unermüdlich, sie dürfen nicht in Schräglage gebracht werden – und haben schon viel von der Welt gesehen.
Ich habe Freunde, die eine Kickdown-Funktion haben und sehr schnell auf 180 und ein bisschen zu laut sind, wenn man sie antickt. Ich habe welche, die nicht ganz dicht sind und bei denen der Lack schon ein bisschen ab ist. Zuverlässige mit klaren Linien, die man mit seinem ganzen Kram beladen kann und die schon oft schlecht behandelt wurden und Unzuverlässige, die immer dann ausfallen, wenn man sie braucht. Ich habe Freunde mit Allerweltsgesichtern, kurvige Exemplare, schwere Schlucker und grüne Modelle mit einer Bionade in der Hand, ein bisschen spaßbefreit – aber die muss es ja auch geben.
Eine gute Sammlung. Möge sie noch lange halten.

Übrigens: Seit dem 20. Dezember erscheinen Wiebkes Artikel alle zwei Wochen neu im Carsablanca Magazin.