Von Bäumen und Busen

Von Bäumen und Busen

Es war einmal ein Wunderbäumchen. Und wer hat’s erfunden? Die Schweizer. Nun, fast. Wiebke Brauer machte sich auf die Suche nach den Wurzeln des Wunderbaums. Und entdeckte Erstaunliches.

Julius Sämann ist Schuld, der alte Alchimist. Bis heute stinken Autos nach seiner Erfindung, dem Wunderbaum. Will man ein Auto so richtig versauen, kann man entweder mit einem Schlüssel ein Gedicht von Rilke oder Eichendorff in den Lack kratzen – oder einen Wunderbaum der Duftrichtung „Karma“ reinhängen. (Das gibt es wirklich.) Die nächsten Besitzer werden alle als Guido Westerwelle wieder geboren. Oder als Klärwerk.
Wobei sich der Wunderbaum korrekterweise Wunder-Baum schreibt, eingetragene Schutzmarke, bliblablo. Und der Julius ist gar kein Schweizer. Der war nämlich Apotheker in Kanada, aber mit Schweizer Wurzeln, immerhin. Und 1952 gründete er seine Firma Car-Freshener in Watertown im Staat New York. Hatte ich alles nicht gewusst. Aber jetzt surfte ich auf der Wunderbaumseite herum und bin viel klüger. Nachdem erste Rechercheversuche zu folgendem Ergebnis führten: „Der Wunderbaum (Ricinus communis) ist die einzige Pflanzenart der monotypischen Gattung Ricinus.“ Nein, da musste es sich um eine Verwechslung handeln, die kesse Fichte am Rückspiegel ist mit Sicherheit kein Wolfsmilchgewächs, sondern entstammt der Gattung der polyperversen Olfaktoren.
Und dann entdeckte ich auf der Internetseite der Wunder-Baum-Holding eine semientblößte Frau aus der Abteilung Pin-up. Ich hatte die Verbindung zwischen Tanne und Titte durchaus erwartet, da war sie also. Bei der duften Dame in knapper Korsage handelt es sich um Betty, wie ich lesen durfte: „Sie prägt den Auftritt von WUNDER-BAUM® seit Anfang der 60er.“ Gut, dachte ich, Sex sells, das wurde ja nicht erst mit der Lätta erfunden, die man ja auch immer auf unbekleidete Menschen legen muss. Aber wenn es um Sexismus und Werbung geht, könnte ich jetzt wieder mit dem Werbespot für den Kinder-Maxi-King anfangen. Aber das ist ein anderes Thema.
Zurück zur Wunderbaum-Seit. Dort las ich: „Betty steht für Nostalgie und Frische pur.“ Ach so.
Da bin ich aber froh, dass ich diese Verknüpfung zwischen Blöße und Wohlgeruch endlich erfasst habe. Dildos und Duftkerzen. Hustler und Hustenbonbons. Porno und Pfefferminz. Und allein das Lutschen von Fisherman’s Friends. Das ist ja total pervers.
Und ich habe immer gedacht, der Wunderbaum an sich wäre abartig. Weit gefehlt.