Siebzehn Jahr, feuchtes Haar

Siebzehn Jahr, feuchtes Haar

Wiebke Brauer freut sich sehr. Endlich kommt wieder ein Produkt aus der Abteilung „Dinge, die die Welt nicht braucht“ auf den Markt. Diesmal handelt es sich um einen Haartrockner von Ferrari. Der hat uns gerade noch gefehlt.

Er ist schnell, er ist heiß, er ist rot. Sein Name: „Volare V1“. Seine Mission: Trockenes Haar, lässige Locken in Sekundenschnelle, die absolute Formel 1-Frise. Oder anders gesagt: In Zusammenarbeit mit der französischen Firma Babyliss Pro kommt ein Fön von Ferrari auf den Markt. Der „weltweit erste Fön in Ferrari-Rot und zugleich das erste Produkt, das von einem Ferrari-Elektromotor angetrieben wird“, wie die Firma verlauten lässt. (Zwischenbemerkung: Ein elektrischer Ferrari. Sexy. Hüstel.) Der Haartrockner sei der absolute Knaller, weil er eine maximale Luftströmung bei geringstem Gewicht erzeugt – bei minimalen Vibrationen. (Minimale Vibration. Gähn. Hüstelhüstel.) Er verfügt über einen 2200-Watt-Motor, wiegt 530 Gramm und kann Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h produzieren.

Ja, da zuckt der geneigte Leser mit den Schultern und kalauert noch ein bisschen vor sich hin. Haha, da kriegst Du einen Fön. In klassischer Manier setzt die ungeneigte Autorin dann eine sexistische wie sinnlose Überschrift hinzu und als Showdown noch den Preis darunter, 315 Tacken. Leser und Schreiber schnaufen aus unterschiedlichen Gründen entrüstet und wenden sich wieder interessanten Dingen zu. Käsebroten zum Beispiel.

Doch halt! Frisuren sind ein interessantes Thema, diese Gelegenheit sollte man nicht verstreichen lassen! Zumindest, wenn es in der Kombination Frise-Fahrzeug bedacht wird. Natürlich handelt es sich bei dem Diskurs Männerhaar um ein delikates Terrain, zumal man bei einem Kerl immer zwei Gesetze beachten muss:

Erstens: Mache nie Witze über seine Mutter. Macht er selbst einen, lache japanisch. Also hinter vorgehaltener Hand in falscher Tonlage.
Zweitens: Mache niemals Witze über seine Haare. Aber das nur am Rande. Wer nicht um sein seidiges Deckhaar fürchtet, schlägt sich mit ganz anderen Problemen herum: Schon einmal mit nassem und offenem Haar in ein Cabriolet gesetzt? Das ist keine Freude. Auf einmal wünscht man sich das gepunktete Tuch von Grace Kelly her, weil sich in Windeseile Rastalocken bilden. Und jeder, der – so wie gewisse Autorinnen – nicht mehr alle Latten am Zaun hat, überlegte schon einmal, wie es wäre, sich vor dem Auspuff die Haare zu trocknen. Mit welchem Auto würde man welche Effekte erzielen? Macht ein E-Type eine andere Frisur als ein Scirocco? Welche Rolle spielt der Hubraum? Würde ein Kenner den Unterschied zwischen einer Diesel- und einer Benziner-Frisur erschnuppern? Und wozu ein Lockenstab, wenn man ein Motorrad besitzt? Und zu guter Letzt: Welches Auto benutzt Mireille Mathieu? Das sind die wirklich großen Fragen, die es nun bei einem Käsebrot zu überdenken gilt.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 13.09.2010