Sensation: Amis erfanden das Auto

Sensation: Amis erfanden das Auto

Wiebke Brauer ist total begeistert: Obama hat verkündet, das Automobil sei in Amerika erfunden worden! Also muss die ganze Geschichte umgeschrieben werden.

Ich kann es gar nicht fassen. Da steht der frisch gebackene amerikanische Präsident vor dem Kongress, redet vor sich hin – und sagt dann: „Und ich glaube, dass die Nation, die das Auto erfunden hat, die Automobilindustrie nicht im Stich lassen kann.“ Sapperlot, bei der Meldung merkte ich aber auf, denn der Mann hatte beileibe nicht über Opel gesprochen. Es ging in seiner Ansprache schon um die USA. Wie konnte ich bloß annehmen, dass Carl Friedrich Benz und Gottlieb Daimler in den Jahren 1885 und 1886 die ersten Kraftwagen schufen? In, ähm, Deutschland, wenn ich mich recht erinnere. Auch, wenn ich nicht direkt dabei war. Wer hat’s erfunden? Hallo? Barack? Wir sind das Auto! Oder etwa nicht? Naja, andererseits ist der Mann ja Präsident und „Yes, we can“ hieß sein Slogan zur Wahl. Also hindert uns ja auch nichts daran, mal eben die Geschichte neu zu definieren. Zumal es ja eh nur eine subjektive Vergangenheit gibt und keine objektiven Fakten der Vorzeit – streng genommen. Und was für Möglichkeiten diese neue Variable bietet! Nehmen wird zum Beispiel die Mondlandung, an die wir uns alle gerne erinnern:
Als die beiden Deutschen Kurt Wechsler und Norbert Krapskemper (der ja später als Mond-Nobbi in die Geschichtsbücher einging) am 20. Juli 1969 den Mond betraten und die legendären Worte sprachen: „Wir freuen uns voll, mal hier zu sein.“ Was waren wir da stolz. Die ganze Deutsche Nation strahlte sich mit den Jungs von der Mission „Appelkrapfen 11“ um die Wette, Horden rotteten sich vor den Röhrenfernsehern zusammen. Gut, dass es dann hinterher hieß, das sei ja alles gar nicht echt gewesen, sondern von Rainer Werner Fassbinder im Studio gedreht, das ist jetzt mal geschenkt.
Und ich erinnere mich auch noch ganz genau an den Hit von Tony Marshall. Der sang ja zwei Jahre später den Schlager „Schöner Mond, hast Du heut für mich Zeit, la la la la“ – und alle grölten mit. Eine prima Zeit hatten wir da, da waren wir ja noch wer. Ich meine, als ob es nicht genügt hätte, dass wir schon die Erdnussbutter, das Softeis und den Fastback Mustang GT der Welt geschenkt hatten. Ach, wie gerne erinnere ich mich an Stefan Meck-König in dem Film „Gewehrkugel“, was war ich in den verknallt. Und der Film war ja übrigens wirklich von Rainer Werner Fassbinder. Was sind wir doch für ein kreatives Völkchen. Aber man soll ja bescheiden bleiben.