Schlag den Saab!

Schlag den Saab!

Um ein neues Auto zu reparieren, braucht man einen Laptop samt Computerkurs. Um ein altes Auto zu reparieren, braucht man keinen Meister – manchmal reicht auch ein Tritt. Wiebke Brauer über den masochistischen Zug von Oldtimern.

Kinder haut man nicht. Tiere haut man nicht. Aber meine Autos wollten es immer. Meist war es der Scheinwerfer, der es nötig hatte. Der fiel mal aus, je nach Belieben, so ganz ohne Grund. Und was half? Ein beherzter Klaps auf das Glas oder die Einfassung, mit der flachen Hand einmal drauf, ein satter Sound. Und was passiert? Der Wagen strahlt. Also, der Scheinwerfer jetzt. Das nennt man Liebe durch Hiebe.
Mein Motorrad wiederum brauchte eine Zeitlang einen kleinen Stupser gegen den Vergaser – okay, mit dem Hammer, ich gebe es zu. Da klemmte der Schwimmer, und so ein kleiner zärtlicher Schlag gegen das Metall wirkte jedes Mal Wunder. Seitdem liegt im Auto bei meinem – zugegeben selten benutztem Werkzeugkoffer – auch ein Hammer. (Ebenso wie die volle Wasserflasche, aber das ist eine andere Geschichte.)
Vielleicht muss ich mir Sorgen über die sexuelle Ausrichtung meiner Kraftfahrzeuge machen. Sie brauchen Schläge auf die Armaturen, manchmal betrifft es die Beleuchtung der Instrumente – manchmal braucht die Klappe vom Handschuhfach eine strenge Hand, um sich mir ganz zu öffnen. Fahre ich devote Autos? So nach dem Motto: Ein eiserner Fuß steht auf dem dienstbaren Gaspedal, eine stählerner Griff umfasst das untertänige Lenkrad? Träumen sie des Nachts in ihren dunklen Garagen von Unterwerfung und Demut? Von nachgiebigem Gummi, ächzendem Leder und kalt glänzenden Metall? Muss ich immer erst böse werden? Offenbar, denn schließlich hören sie nur auf schlagkräftige Argumente und harte Worte. Mein Ford sprang eine Weile lang nur an, nachdem ich wirklich ungehalten wurde. Der Wagen wollte beschimpft werden! Es war zum Verrückt werden. Wenn ich nicht ohnehin so eine herzlose Natur wäre, die Spaß daran hat, wehrloses Metall zu quälen – wir wären niemals glücklich miteinander geworden.
Was wäre nur gewesen, wenn ich eher so ein säuselnder Typ wäre? Eine Frau, die ihren Wagen Hasi nennt und zart über den Schaltknüppel streicht, damit er schneller fährt. Aber – Entschuldigung – wer glaubt denn, 960 Kilo dazu zu bringen, sich zu bewegen,  indem man wispert: „Hase, würdest Du bitte mal vielleicht anspringen?“ So wird das nichts. Konjunktive und Kraftfahrzeuge passen nicht zusammen. Bei meinen Autos gilt der Imperativ – und sonst nichts. So reagierte meine Kiste nur auf: „Zünde durch, Du Stück.“ Gut, wenn er dann ansprang, gab es zur Belohnung auch jedes Mal einen Kuss auf das Lenkrad. Und er zündete immer.
Meine Fahrzeuge haben echt einen Hau.

Autor: Wiebke Brauer