Schau mal, ein zutraulicher Autokrat!

Schau mal, ein zutraulicher Autokrat!

Manche Menschen sammeln Bonus-Punkte oder angeleckte Briefmarken, andere klöppeln sich in Rage oder knüpfen Wandbehänge in frischen Ockertönen. Und wir? Wir machen in Kraftwagen. Und warum? Man weiß es nicht. Doch! Wiebke Brauer machte sich im Internet auf die Sinnsuche und fand tatsächlich eine Antwort auf alle offenen Fragen unseres automobilen Daseins.

Dieser Artikel beschreibt die Spezies Autokrat, für weitere Bedeutungen siehe Fahrzeughalter.

Als Autokraten bezeichnet man mehrere Gattungen und Arten aus der Familie der Metaller (Metallae). Die Autokraten sind allerdings keine systematische Gruppe (Taxon), denn es werden neben dem Antiquus- und Iuvencusautokraten noch einige andere nicht nahe verwandte Arten als Autokraten bezeichnet, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen.

Der Autokrat ist ursprünglich ein in europäischen Steppen beheimateter Primat, welcher seinen Namen durch die typische eigenständige Vorwärtsbewegung seiner harten und metallischen Außenhülle erhielt. Der Autokrat hat oft einen außerordentlich kräftigen Antrieb, der meist mithilfe von Vergaserkraftstoffen funktioniert und das etwa 50 bis 100 Kilo schwere Tier über große Distanzen hinweg bewegen kann. Darüber hinaus ist seine Begeisterung für technische Details und die Vorliebe für Putzmittel und Wischlappen aller Art bemerkenswert. Autokraten können bei hoher Geschwindigkeit und unter Einfluss von Rauschmitteln sehr zutraulich werden, was vielen in der Vergangenheit zum Verhängnis wurde. Zu unterstreichen ist auch seine Gefährdung durch die moderne Entwicklung zum Konformismus, die dazu führte, dass Autokraten inzwischen fast vom Aussterben bedroht sind. Daher ist zu wünschen, dass sie in naher Zukunft unter Artenschutz gestellt werden oder man ihnen artgerecht geteerte Lebensräume mit trockenen und warmen Garagenplätzen sowie mit Bier gefüllte Kühlschränke zur Verfügung stellt, um der völligen Ausrottung entgegen zu wirken.

Übrigens kommunizieren Autokraten Untersuchungen zufolge in verschiedenen Sprachen und Dialekten. Beobachtet wurden Autokraten, die des Fordisch mächtig waren, beim Ferrarisch aber wiederum große Verständnisprobleme aufzeigten und jegliche Eloquenz missen ließen. Viele von ihnen finden sich deswegen gern in sprachspezifischen Rudeln zusammen, um so ihre Gattungszugehörigkeit zu bestärken und sich emsig auszutauschen.
Der Autokrat paart sich gern und eifrig. Er findet aber selten passende Partner, bzw. Partnerinnen, der, bzw. die seine doch mitunter stark ausgeprägten metallurgischen und charakterlichen Eigenheiten ein Leben lang teilen. Aus diesem Grunde ist der Autokrat der seriellen Monogamie zugetan. Gern streift er auf der Suche nach einem Gespielen, bzw. einer Gespielin in asphaltreichen und verkehrschilderarmen Gegenden umher. Ist die Jagd erfolglos, bleibt der Autokrat mit sich selbst zufrieden und putzt insbesondere im Frühjahr eifrig und auf recht possierliche Weise seine schimmernde Außenhülle.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich der Autokrat durch einen großen Bewegungsdrang auszeichnet und man ihn deswegen auch gut fernab seiner Behausung beobachten kann. Man erkennt ihn leicht daran, dass er sich in fremder Umgebung gegen jede Metallanhäufung stellt, die auch nur im Entferntesten seiner eigenen Außenhülle oder einer ihm geläufigen gleicht. Er strahlt dann sofort eine große Fröhlichkeit aus und deutet mit seinem Zeigefinger auf das Gefundene. Der Sinn dieser Geste ist Forschern noch immer unklar.

Sollten Sie in freier Wildbahn einen antriebslosen und geschwächten Autokraten finden, empfiehlt es sich, ihn leicht gegen eine nicht-konforme Metallanhäufung zu lehnen, einen Kanister mit Naphtha oder Eurosuper hinzustellen und sich leise zu entfernen. Er wird sich rasch wieder erholen und Ihnen für immer dankbar sein. Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 09.05.2011

Mit besonderem Dank für das Foto an Robert Wunsch, www.robertwunsch.com