Sauft, Ihr Autos!

Sauft, Ihr Autos!

Autokauf in der heutigen Zeit ist vor allem eine Mutprobe. Man braucht Mut zur Hässlichkeit. Mut zur Emotionslosigkeit. Toyota Yaris zum Beispiel. Oder Ford Ka. Obwohl, der ist ja schon von gestern, aber trotzdem nicht sammelnswert. Es sei denn, Ford vergibt wieder Verschrottungsprämien, wie in den Mittneunzigern, als einer „Umwelt“-Aktion tausende Granada, Taunus, R4, BMW 5er und Mercedes 123 zum Opfer fielen, weil die ja so umweltschädlich waren. Und viel verbrauchten.

Leider ist vielen Menschen, die Letztbesitzter der genannten Delinquenten eingeschlossen, nicht bewusst, dass einem solcherart Autos auch viel geben können. Freude am Fahren, Lust beim Betrachten, Spaß beim Pflegen. Aber mal abgesehen davon: Selbst an der Tankstelle unterscheidet sie nichts von ihren Nachfahren des Baujahres 2008. Denn eine S-Klasse von heute verbraucht noch immer so viel, wie eine S-Klasse von 1980. Und ein Golf V nicht weniger, als ein Golf I. Das ist empörend? Ein Armutszeugnis der aktuellen Autoindustrie?

Nein. Das ist schlau. Und mutig. Denn in Wahrheit treiben die grün durchdrungenen Vorstände der Großkonzerne ein kalkuliertes Spiel mit den ahnungslosen Mineralölgesellschaften. Je mehr Cayenne, Touareg, 7er BMW, S-Klasse, Golf, Astra & Co. verbrauchen, desto eher sind die Ölreserven erschöpft. Und desto eher müssen die Autokonzerne erklären, dass sie leider gezwungen seien, nunmehr auf alternative Antriebe umzusteigen. Innovation lässt sich halt nur über vorgegebenen Druck realisieren.

Also: Kauft! Sauft! Verbraucht! Lassen Sie Ihren E-Type an jedem geschlossenen Bahnübergang mit rhytmischen Gasstößen um die 3.000 Touren röhren! Probieren Sie, ob der Motor Ihres 500 SEL auch in der aktivierten Waschstraße sauber dreht! Reißen Sie Ihrem Corsa den Drehzahlbegrenzer aus dem Steuergerät und treiben Sie ihn im ersten Gang zum vier Kilometer entfernten Supermarkt! Jagen Sie Ihren Drei-Liter-Lupo mit 160 über die Bahn – so kommen Sie immerhin auf 4,5 Liter Verbrauch, ich habe es selbst getestet!

Denn wer, wenn nicht wir Autofahrer, halten die Macht in den Händen – beziehungsweise Gasfüßen? Also: Rasen Sie! Für ein sauberes 2053!