Sachsen Classic III – Umsteigen, bitte!

Sachsen Classic III – Umsteigen, bitte!


Der böse Golf

Bad Schandau an der Elbe ist eine Reise wert. Nicht nur wegen des eleganten Hotels Elbresidenz und dem dazu gehörigen Terrassenpanorama auf weiße Raddampfer und Gründerzeitfassaden. Vor allem an diesem Tag sollte man hier an diesem Ort sein, denn die Uferpromendade ist ein Spalier technischen Kulturguts.


Vom 300 SL Roadster über Ford Capri I bis hin zum Vorkriegs-Bentley Blower, ein grünes Drachentier auf Speichenungetümen, reicht das Spektrum der Autoklassiker.

Gediegener gehts nimmer: 300 SL vor ebenso klassischer Fassade. 

Olio Minerale für italienischen Klassiker. 

Sehr sechsi: Renault 16 und Triumph TR 6. 


Treffen der Sternenkreuzer.

Auch wir fahren heute wieder einen, jedoch steigen wir um: Adieu, Gasolina SP 2, mit dem Wechsel in unseren neuen Etappenwagen wechseln wir auch das Jahrzehnt. Wir rutschen in die rot-schwarz gestreiften Sportsitze eines weiteren Klassikers: Golf I GTI. Lass' die Zylinder jubeln!

Ein perfektes Ausflugsmotiv aus den 80er Jahren. 

Ein Dreh am klassischen Zündschlüssel mit dem VW-Emblem, und der GTI erwacht zum Leben. Der unverkennbare, unverfälschte und nie wieder erreichte Sound der 1,8-Liter-Maschine hallt von den Tiefgaragenwänden wieder, als wir die Kante auf Stahlfelgen ins sächsische Morgenlicht fahren. Der Tourenzähler schnellt hoch, der GTI hängt willig und gierig am Gas – 25 Jahre ist dieses Auto alt, und kein bißchen von gestern. Bellend jagen wir den Einser durch den Nationalpark Sächsische Schweiz, der fünfte Gang ist selten drin. Was für ein Auspuff-Crescendo.

Kann jemand, der so lieb guckt, derart böse beschleunigen? Er kann: GTI. 

Mit der Präzision eines schweizer Uhrwerks lässt sich der GTI auch um die engsten Kehren zirkeln, das dünne Dreispeichen-Sportlenkrad, der legendäre "Spucknapf", liegt griffig in den Händen. Das Roadbook ignorieren wir heute, am letzten Tag der Sachsen Classic fahren wir außerhalb der Wertung, mal vor, mal hinter, mal mitten im Feld der Teilnehmer.

Die Dienste des VW-Technik-Teams benötigen wir nicht, auch, wenn der GTI schweigend an den unzählig am Asphaltband aufgereihten Zuschauern entlangrast: Der Hupkontakt ist abgerissen, ein altes Spucknapf-Problem, halb so wild. Wir entschärfen das Kabelproblem in bester Pioniertradition durch beherztes Einklemmen des blanken Kupfers außerhalb der Gefahrenzone.

GTI: Nicht nur Gas-, sondern auch Stromstöße entzückten und entrückten uns. 

Das Interieur des GTI ist komplett schwarz, inklusive des extrem selten verbauten Formhimmels – so sehen Kompaktsportler aus! Nicht das verweichlichte, von Psycholgen und Marktforschern diktierte Lichtgrau heutiger Großserienautomobile, hier hockst Du einfach in einem schwarzen Loch, das zeitlos durch den Raum beschleunigt.

Wir sind dankbar über jede Ortsausfahrt, die sich schnurgerade bis zum Horizont erstreckt: Dritter Gang und Feuer! Wenn der Golf auch neben Ferrari und Lagonda nicht unbedingt seiner Form wegen auffällt: Kraftentfaltung und das "Braaaa!" der 112 PS zaubern ein Grinsen in viele Zuschauergesichter. Unseres wird man wohl wegoperieren müssen, denn wir tragen es noch immer, als der GTI mit knackenden Krümmerrohren im VW-Fahrerlager zum Stillstand kommt. Und Trinken am Steuer darf man in diesem Auto auch – wenigstens den Schluck Sekt, der am Zieleinlauf in Dresden durchs Fenster gereicht wird. Eigentlich, ja, eigentlich hätten wir uns Super verbleit gewünscht. Bis bald in Sachsen, 2009. 

Adieu, Gasolina, hier in den Hochnebeln des Fichtelgebirges aufgenommen.

Gasolina, flüchtige Bekanntschaft: Teil I der Sachsen Classic 2008

Von Schneeräumern und Kaffeetanten: Sachsen Classic, Teil II