Sachsen Classic II – Von Schneeräumern und Kaffeetanten

Sachsen Classic II – Von Schneeräumern und Kaffeetanten


Von Schneeräumern und Kaffeetanten

Exakt 196 Fahrzeuge befinden sich am Start der Sachsen Classic 2008 – und ein Schneeräumer, ein Lumpensammler und eine Kaffetante. Wie bitte?

Lange, lange bevor frühmorgens um acht Uhr die 196 Motoren im Fahrerlager der Sachsen Classic sprotzend und bellend erwachen, ist der Schneeräumer mit Pablo Rother am Steuer aufgebrochen. Über Handy hält er Funkkontakt mit Tanja Busmann in der Kaffetante und mit Jörn Schwieger im Lumpensammler. Ohne diese drei würden TheDriver und ich und unser SP 2 ziemlich auf dem Trockenen liegen.

Es war einmal: SP 2 von 1973 vor einer mindestens zehn Jahre älteren Tanke. 

Als Pablo aufbricht, haben Carina Hildebrandt und Thomas Schützendorf vom Team Volkswagen bereits jeweils -zig Telefonate geführt. Haben Schneeräumer und Lumpensammler genug gefüllte Benzinkanister an Bord? Wird die Kaffeetante pünktlich am Streckenposten sein, um die Teilnehmer zu versorgen? Alles gut. Pablo Rother im Schneeräumer, einem weißen VW Tiguan, stellt sicher, dass über Nacht nicht plötzlich eine Umleitung entstanden ist, die die Teilnehmer in die Irre führen würde. „Sowas wird ausgeräumt, daher auch der Name des Vorausfahrzeuges“, erklärt er schmunzelnd. Wenig Schlaf haben Pablo und seine Kollegen vom Service- und Technikteam diese Nacht bekommen, es war also eine Nacht wie immer. Nur ein Fahrzeug hat Jörn Schwieger mit seinem VW Touareg, dem Lumpensammler, bisher am Ende des Feldes abschleppen müssen. Ein Vorkriegs-Skoda hatte vor dem bergigen Gelände kapitulieren müssen, ausgerechnet auf der Etappe von Zwickau nach Böhmen, seiner alten Heimat.

Spass trotz Stress: Thomas Schützendorf (links) und Frank Hasenfuss von VW.

Im Hof von Schloss Augustusburg wartet bereits Tanja Busmann im – Nomen est Omen – VW T2-Bus. Er ist eines der letzten luftgekühlten Exemplare, die 2005 vom brasilianischen Band liefen – irgendwie also ein ziemlich naher Verwandter unseres SP 2. Während Tanja die Markise der Kaffeetante herauskurbelt, gurgelt durch die geöffnete Schiebetür bereits die Jura-Kaffeemaschine, und der Duft des ersten frisch gebrühten Lebenselixiers dringt aus dem T2-Innern.

Wenn eine Dame Busmann heißt, muss auch das adäquate Automobil her!

Uns droht auf offener Strecke das Benzin auszugehen. Ein kurzer Anruf, und Jörn bringt seinen Lumpensammler zum Stehen und befüllt den SP 2-Tank am Rande der Veranstaltung mit aromatischem Superbenzin. Als wir eine defekte Rücklichtlampe melden, greift Jörn routiniert in eine von 23 im Touareg verstauten Kunststoffboxe. „SP 2“ steht auf einer, wir erblicken Lampen, Keilriemen, Gas- und Kupplungsbowdenzüge und vieles mehr. Jedes der teilnehmenden Fahrzeuge aus VW-Bestand hat sein individuell bestücktes Kästchen.

Jörn Schwieger tankt auf. Im Hintergrund seine weiße Schrankwand. 

Als wir um 17 Uhr unser Etappenziel Bad Schandau erreichen, sind Lumpensammler, Kaffeetante und Schneeräumer längst in der Hoteltiefgarage geparkt, Pablo, Tanja, Jörn (der sich als Carsablanca-User Marsrot83 zu erkennen gibt) und der Rest des Teams übernehmen die VW-Veteranen von den Fahrern. Feierabend! Für uns, aber nicht für die „Autoflüsterer“, denn nach Waschen und Tanken beginnt die allabendliche Inspektion: Stimmen die Flüssigkeitsstände? Sind Schäden zu beheben? Ist genügend Proviant für den nächsten Rallyetag an Bord? Sind die Scheiben wirklich sauber?

"Da muss doch noch Staub zu finden sein!" Pablo Rother am Werk.

Thomas Schützendorf: Alles korrekt in Sachen Roadbook für den nächsten Tag? 

Tanja bestückt unseren SP 2 mit frischen Getränken, Pablo wienert den SP 2-Lack, an dem es aus unserer Sicht eigentlich nichts zu pflegen gäbe, während Axel Schwelenberg vom Technikteam unter dem aufgebockten Wagen liegt und Getriebeöl nachfüllt. Auch Thomas Schützendorf ist da, fragt, ob uns etwas am SP 2 aufgefallen sei, was es zu beheben gäbe, dann ist er auch schon wieder verschwunden in dem Gewimmel und Gewirr helfender Hände, schraubender Arme, rufender Stimmen, die in der Tiefgarage hin und her fliegen. 

"Fertig!" Axel Schwelenberg am Rometsch Lawrence ...

... und gleich darauf unter dem Maschinenraum des SP 2. 

Wir packen mit an, nehmen noch an der anschließenden Planungsrunde für den nächsten Rallyetag teil und sind dann doch froh, gegen Mitternacht mit dem Team Feierabend machen zu dürfen. Ach, nee. Erst müssen wir ja noch das hier schreiben. Gerne.


Wie wir am ersten Tag unsere Liebe zum SP2 entdeckten, lesen Sie hier.

...und wie wir am letzten Tag umstiegen auf einen VW Golf GTI, lesen Sie hier.