Ruhe, verdammt noch mal!

Ruhe, verdammt noch mal!

Die ganze Welt ist verrückt geworden. Alle Länder sind bankrott, Männer benehmen sich merkwürdig, Frauen reden ohne Unterlass. Wiebke Brauer weiß nur einen Rat – ab ins Auto.

Griechenland ist pleite. Irland ist pleite. Italien ist pleite, die USA sowieso. Ich auch. Und der Rest? Benimmt sich eigentümlich. Terminatoren schwängern Hausangestellte, Wetterfrösche fallen Blondinen an, geschäftsführende Direktoren von Internationalen Währungsfonds belästigen Zimmermädchen. Oder anders herum, man weiß es nicht genau. In jedem Fall steht es um die Finanzen der westlichen Welt nicht gut, und um die Genitalbereiche der westlichen Herren auch nicht. Oder zu gut, wie man es nimmt.

Nun könnte man vermuten, dass es hilft, sich der Nachrichtenlandschaft einfach zu verweigern, frei nach dem Motto: Wenn man nicht viel liest, passiert auch nicht so viel. Der Fernseher bleibt dunkel, die Zeitungen unaufgeschlagen, Nachrichtenseiten im Netz ungeklickt. Kleines Problem: Die Menschen, die einen umgeben. Wer eh ins Misanthropische lappt, kann in diesen Zeiten vollends zum Schopenhauer mutieren. Der sagte schon über die Menschen, dass... „ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler…“ sie wieder voneinander abstoßen würden. Nun, ganz so grässlich muss man es vielleicht nicht formulieren. Aber ehrlich? Frauen finden alles „süß“ oder gar „nice“, andere Frauen spielen Fußball, und wenn man das nicht toll, sondern diffus bescheuert findet, wird man als Macho und unemanzipiert beschimpft. Männer schreiben wiederum in Blogs, die Lösung aller Probleme wäre, wenn Frauen nicht mehr Auto fahren dürften, weil das Arbeitsplätze schaffe und den CO2-Ausstoß senke – und der Herbst ist der neue Sommer.

Was also tun? Ganz einfach. Man kauft sich eine Packung Camel ohne. Dazu ein Bier, vielleicht sechs Flaschen in einer praktischen Papphalterung. Stellt sein Telefon auf Flugmodus und wirft es im hohen Bogen in die Ecke. Dann schlägt man die Haustür hinter sich zu und geht in Richtung Garage. Man öffnet das Garagentor. Hello darkness, my old friend. Da steht’s in der Ecke, ganz still und stumm, es hat vor lauter Schmutzangst ein Mäntlein um. Man deckt die Plane ab, steigt in den Wagen, die Tür fällt mit einem satten „Karsschmakk“ ins Schloss. Plötzlicher Weltfrieden. Man dreht den Schlüssel, der Motor springt mit einem tuberkulösen Röhren an, tief in der Lunge zündet der Funke, die Maschine läuft. Öl erwärmt sich, Ventile öffnen sich, Benzin fließt und verbrennt zu Asche. Es gibt nichts zu sagen in diesem Moment. Sollen sie alle Pleite gehen, Fussi spielen und es süß finden. Ich habe meine Karre.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 18.07.2011