Rückblick: Die Techno Classica 2012

Rückblick: Die Techno Classica 2012

Die Techno Classica ist die weltgrößte Oldtimer-Messe – das hat Vor- und Nachteile. Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem so viele hochkarätige Klassiker zum Verkauf oder zum Versteigern versammelt sind, keine Messe mit so vielen unterschiedlichen Produkten: Zubehör, Ersatzteile, Automobilia, Bücher, Kleidung, Services aller Art. Umgekehrt ist die Fülle der Exponate erdrückend, die Räumlichkeiten sind unübersichtlich und oft sehr beengt. Und für uns Normalverdiener ist jenseits von Modellautos gar nichts mehr dabei. Die als »Schnäppchenmärkte« ausgewiesenen Freiflächen werden mittlerweile zu 80% von Händlern beschickt, private Verkäufe wie noch vor einigen Jahren gibt es kaum noch. Von echten Schnäppchen müssen wir gar nicht reden, denn entweder sind die Preise astronomisch oder vor dir steht ein Haufen notdürftig zusammengehaltener Schrott.

Große Limousinen

Ein Trend in diesem Jahr waren die vielen großen Mercedes-Limousinen Typ 300 »Adenauer« und 600. Sie gelten mittlerweile als Alternative zum klassischen Bentley, Jaguar und Rolls Royce. Während das Überangebot an Aston Martins verschwunden war (der  Markt scheint gesättigt oder nicht mehr ausbaufähig), boomen die großen MB-Limousinen und ziehen die Heckflossen- und Flachkühler-Modelle der 1960er Jahre mit. Garagengold als Anlageoption für die vielen Millionäre treibt nicht nur die Preise nach oben, sondern heißt auch Jagen nach dem nächsten Renditeobjekt. Dazu entwickeln sich auch die Mercedes-Benz 190 SL (bis zu 100.000,- € teuer), nachdem den Flügeltürer kaum noch jemand bezahlen kann.

TECHNO CLASSICA 2012 Mercedes Benz 300d: Einer der vielen angebotenen »Adenauer«, hier in weiß

Markenwelten und aufregende Einzelstücke

Die Techno Classica ist eine Mischung aus Verkaufsmesse und Showroom, der für viele Hersteller immer wichtiger wird, wenn es darum geht, die Marken-Heritage zu betonen. Deshalb werden die Museumstore geöffnet und ein paar Schätzchen herausgeholt, die man sonst nur in Goodwood, Pebble Beach und anderen exklusiv-elitären Shows zu sehen bekommt – oder eben auf der Techno Classica. Alfa Romeo hatte z. B. eine traumschöne Bertone-Studie für den von 1965 mitgebracht. Vermutlich wird man in den nächsten Jahren nicht noch einmal die Gelegenheit haben, so viele Pegaso Sport- und Rennwagen auf einem Fleck zu sehen wie in Essen. Manchmal kommen aber auch Händler mit echten Preziosen um die Ecke, wie E. Thiesen mit der Karosseriestudie für ein großes Mercedes-Benz Cabriolet von 1948, Axel Schuette mit dem Fiat 8V Vignale oder der F1-Rennwagen (Pilot Chris Amon) bei Art&Revs. Preis jenseits von Gut&Böse, versteht sich.

TECHNO CLASSICA 2012 FIAT 8V Vignale: Schöne Version des Fiat-Flagschiffs, von Michelotti gezeichnet, von Alfredo Vignale gebaut

Wunschzettel

Wäre Monopoly-Spielgeld etwas wert, hätte ich gerne den kleinen im Pininfarina-Design von 1963 mitgenommen, Kostenpunkt knappe 30 Riesen; außerdem den bei Schiemenz für knappe 40.000,- und, wenn man für einen Moment so tut, als würde Geld wirklich überhaupt keine Rolle spielen, einen 911 R von 1968 für – Achtung: jetzt besser hinsetzen – Ehrfurcht erregende 178.000,- Euro.

TECHNO CLASSICA 2012 OSCA_1600: Selten und schön: Der nach bravem Fiat aussehende, aber im Inneren heiße OSCA für € 18.000,-

Wie gesagt, wer einen günstigen Oldie sucht, muss nicht nach Essen fahren, sondern sollte mal in den Niederlanden und Belgien schauen, dort ist das Angebot an Alltagsklassikern groß und im Schnitt günstiger als bei uns. Wer aufregende Einzelstücke sehen, museumsreife Markeninszenierung und einen Hauch der großen weiten Welt erleben will, wer Einzelteile sucht oder automobiles Beiwerk, der sollte jedoch auch 2013 auf jeden Fall wieder nach Essen fahren.