Retro Classics 2009 – auf der Überholspur?

Retro Classics 2009 – auf der Überholspur?

In diesem Jahr ist die Retro Classics noch einmal größer geworden – mehr Hallen, mehr Fläche, mehr Aussteller. Gibt es auch wirklich mehr zu sehen? Wir haben uns auf der Messe umgeschaut.

Rezession hin oder her: Die Retro Classics schickt sich an, zu einer ernsthaften Konkurrenz der Techno Classica – der weltgrößten Oldtimermesse – zu werden. Die Messe in Stuttgart jedenfalls wuchs in diesem Jahr beträchtlich: Im Vergleich zum Vorjahr vergrößerte sich die Ausstellungsfläche von 75.000 auf 100.000 Quadratmetern, womit sie zum Platzhirsch in Essen aufgeschlossen hat.

Auch in diesem Jahr war die Messe nach verschiedenen Themenschwerpunkten geordnet. In den Hallen 1 bis 3 fanden sich die „Neo Classics“: Aktuelle Luxuslimousinen, Manufakturfahrzeuge und Sportwagen, die aufgrund ihrer Seltenheit schon als Klassiker gelten – wie etwa der nur zwölf Mal gebaute Maserati MC12 Corsa. Auch die großen Autohersteller und Restauratoren hatten hier ihre Stände.

Bilderstrecke: Retro Classics – Die Highlights

Ein echtes Highlight war die Halle 4, in der sich alles um den Motorsport drehte. Hier gab es 15 Abarth-Fahrzeuge aus der Sammlung von Leo Aumüller zu sehen, der eine der größten Abarth-Sammlungen weltweit besitzt. Neben den Fahrzeugen, die direkt von Fiat Modellen abgeleitet wurden, wie der Abarth 595 auf Basis des Fiat 500, gab es eine Reihe von besonderen Preziosen zu bewundern. Wer einmal die Leistungsdaten der ausgestellten Fahrzeuge studierte, den wundert nicht mehr, woher Carlo Abarths sagenhafter Ruf als Tuner stammt. Eines der vielen Highlights war etwa der Fiat Abarth 1300 OT, der mit 147PS aus 1,3 Litern Hubraum im Jahr 1965 ein echtes Kraftpaket darstellte.

Ebenfalls in Halle 4 widmete sich eine weitere Sonderausstellung der Marke mit dem springenden Pferd im Logo. Zehn Sammler zeigten hier ihre schönsten Ferrari – teilweise erstmals der Öffentlichkeit. Wenig spannend war dagegen, was die Fahrzeughändler in Stuttgart boten. Zu sehen gab es haufenweise fein aufgereihte Porsche 911, Mercedes 300SL und Pagoden zu gesalzenen Preisen.
Einige interessante Stücke fanden sich dann aber doch noch. So etwa stellte die Firma Kienle gleich am Messeeingang Ost einen Mercedes-Benz G3a aus, den man wohl kaum sonst zu Gesicht bekommen würde. Bei dem Ungetüm mit Doppelachse handelt es sich um einen offenen Tourenwagen von 1933. Den Angaben des Verkäufers war zu entnehmen, dass er im Zweiten Weltkrieg unter General Lindemann beim Vormarsch an die Ostfront mit dabei. Die Fragmente des Fahrzeugs seien später nach Deutschland verbracht worden, wo der Wagen komplett restauriert wurde. Ein schönes und seltenes Stück war bei „The Gallery“ aus den Niederlanden zu sehen: Ein unrestauriertes Corvette Stingray-Modell in Split-window-Ausführung. Das feuerrote Spaßmobil sucht für 75.000,- EUR einen neuen Besitzer.

Umlagert war der Stand der Firma Mechatronik. Ob das eher auf Begeisterung, Verwunderung oder Befremden zurückzuführen war, ließ sich kaum beurteilen. Hier jedenfalls wurde das Thema Oldtimer ad absurdum geführt. Haben Sie schon einmal eine Pagode mit einem Amg-Motor der neuesten Generation gesehen? Und braucht es in einem Oldtimer die ganze Parade neuzeitlichen Zubehörs wie ABS, beheizbare orthopädische Sitze...? Bodenständiger ging es in der Halle 6 zu, in der auch Privatleute ihre Fahrzeuge feilboten. Mit 450 angebotenen Fahrzeugen war das Angebot beträchtlich, wenngleich die Markenvielfalt etwas zu wünschen übrig ließ. So war nicht ein einziger Saab zu finden, auch Lancias waren äußerst rar gesät.
Unter den vielen Mercedes-Modellen stach ein Fahrzeug besonders heraus: Ein fast „fabrikneuer“ Mercedes Strichacht 240D mit gerade einmal 3.461 Kilometern auf dem Tacho. Ob der aufgerufene Kaufpreis von 40.000,- EUR am Ende tatsächlich im Portmonee des Verkäufers landen wird, mag man dennoch bezweifeln. In realeren Regionen bewegte sich ein Golf I GTI von 1979 für 9.900,- EUR.
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Wer etwas Oldtimerluft schnuppern wollte, der hatte schon auf dem Oldtimerparkplatz vor der Messe Gelegenheit dazu. Hier waren einige Fahrzeuge zu sehen, die es vermutlich nie in die Messe selbst geschafft hätten, aber dennoch spannender als so manches Exponat waren. So etwas ein Karmann-Ghia der offenbar als „rolling restauration“ zur Messe gerollt war. Oder ein Porsche 356 dem man den Rallye-Einsatz, von dem die Aufkleber auf dem Blech kündeten, wirklich ansah. Fazit: Die Retro Classics hat sich seit unserem letzten Besuch vergangenes Jahr gemausert. Um nicht nur größenmäßig zur Techno Classica aufzuschließen, fehlt noch etwas internationales Flair und ein wenig mehr Vielfalt.

Noch mehr Bilder und Infos zur Retro Classics 2009 finden Sie im Terminkalender.