Rennen fahren wie die Großen

Rennen fahren wie die Großen


Event

Ende der fünfziger Jahre knatterten ein paar Verrückte mit Kleinstwagen in nur dreineinhalb Tagen von Belgien quer über die Alpen nach Italien und zurück. Liège-Brescia-Liège war der Name dieser Irrsinnsrally. Dieses Jahr feiert sie eine Neuauflage

Es war schon etwas ganz besonderes, was sich die altehrwürdige Royal Motor Union of Liège da ausgedacht hatte. Ende der Fünfziger, die Automobilindustrie war gezeichnet von der Suez-Krise. Kleinstwagen waren auf dem Vormarsch , Fiat 500, Zündapp Janus, BMW Isetta – Hubraum irgenwo unter 500ccm als Antwort auf steigende Rohölpreise.

Tja, und dann kam die Royal Motor Union of Liège, Veranstalter der beinharten Liège-Rome-Liège Rallys und sagte sich: "Was die Großen können, das können die Kleinen auch". Und so machten sich vor exakt 50 Jahren 36 Kleinstwagen zu einer Rally auf, die es in sich hatte.

Am Donnerstag Abend starteten die rasenden Rasenmäher in Liège in Belgien und fuhren die Nacht durch Deutschland. Dann nach Österreich, die Alpen überqueren und weiter ostwärts, vielfach auf Schotterpisten, durch die Dolomiten in Richtung Jugoslawien. In Ljubljana, Slowenien, dann ein kurzer Schwenk, um anschließend den härtesten Alpenpass überhaupt in Angriff zu nehmen, den Selvio, von dem aus es dann Abwärt ging in Richtung Brescia.

Keine einzige Pause auf der ganzen Strecke 

Dort angekommen, durften die Teams zum ersten Mal rasten. Vorher hatte es jeweils nur Tankstopps gegeben, ansonsten wurde durchgefahren. 5 Stunden wurden Fahrern und Beifahrern in Brescia gegönnt, ein rechtzeitiges Ankommen vorrausgesetzt – was niemand schaffte. Dann ging es sofort wieder zurück über die Alpen, bis zum Sonntag Abend sollten alle wieder zurück in Belgien sein.

Von den 36 gestarteten Teams schafften es nur 13 ins Ziel, auf den ersten Plätzen lagen die Fiat 500. Alle 13 Autos im Ziel zusammen hatten weniger Hubraum als eine durchschnittliche amerikanische Familienkutsche allein – die Liège-Bescia-Liège beanpruchte schon vor 50 Jahren für sich, die "einzige umweltfreundliche Rally" zu sein.

Ein toller Claim, vor allem hochaktuell. Da wundert es nicht, dass zum 50. Jahrestag der Liège-Brescia-Liège der Klassiker neu aufgelegt wird. Allerdings, und an dieser Stelle sei an ganz deutliches "leider" eingeschoben, in einer stark weich gespülten Fassung. Ganze zehn Tage geht die Liège-Brescia-Liège im Jahre 2008, gerade mal 200 Kilometer stehen pro Tag auf dem Programm, aufgelockert mit ein paar  Geschicklichkeitstest auf privaten Rennstrecken, die an der Route liegen.

Damit bekommt die Veranstaltung natürlich eher den Charakter einer Kaffefahrt denn eines beinharten Wettbewerbs für echte Kerle, aber, nun ja, es sind eben heute nicht nur die Vehikel, sondern vermutlich auch deren Fahrer ins hohe Alter vorgerückt.

Eine Wahnsinnstour ist es immer noch allemal: mit lauter Mopeds auf vier Rädern die berüchtigsten Alpenpässe hochzuknattern, was für eine Ansage.

Mehr Infos zur Liège-Brescia-Liège gibt es hier.