Rekord-Ford wieder aufgetaucht

Rekord-Ford wieder aufgetaucht

108 Weltrekorde gehen auf sein Konto, dann verschwand der Ford 12M P4 für 45 Jahre spurlos. Jetzt ist der Rekordwagen wieder aufgetaucht und der staunenden Öffentlichkeit auf der Veterama präsentiert worden.

Auf der diesjährigen Veterama in Mannheim (10.-12. Oktober) präsentierte sich ein Fahrzeug, das so gar nicht ins Bild der schmucken, hochglanzpolierten Oldtimer passen wollte. Es fiel schon schwer zu identifizieren, um was es sich bei dem arg lädierten Wagen überhaupt handelte.
Dabei war es eine Sensation, dass dieses Auto überhaupt noch existierte. Denn eigentlich galt der Ford 12 M P4, den die Alt-Ford-Freunde auf ihrem Stand der Öffentlichkeit präsentierten, als verschollen – gut 45 Jahre lang.

Die Geschichte des Ford begann Anfang der 60er Jahre: Der Käfer fuhr auf der Erfolgsspur und die Kölner suchten eine Möglichkeit, dem Wolfsburger Krabbeltier Paroli zu bieten. Diese Rolle sollte der Ford 12 M P4 spielen, der in einer Kooperation zwischen dem Ford-Konzern in den USA und seiner deutschen Tochter entwickelt worden war. Das Auto läutete eine neue Epoche bei den Kölnern ein, brach es doch mit der Ford-Tradition: Der neue Taunus brachte seine Kraft nun über die Vorderräder auf die Straße. Unter der Haube saß ein neu entwickelter, unkonventioneller V4-Motor. Würde dieses Konzept aufgehen und den Wolfsburgern Kunden abspenstig machen?
Um die Zuverlässigkeit des 12 M P4 unter Beweis zu stellen, riefen die Kölner das Projekt „Mistral“ ins Leben. Das Ziel: Der neue Ford sollte 300.000 Kilometer in Rekordzeit fahren. Wartung und Reparaturen, so sahen es die Regeln vor, durften ausschließlich mit Bordwerkzeugen durchgeführt werden. Am 10. Juli 1963 fiel dann der Startschuss für die Rekordjagd: Auf der stillgelegten Rennstrecke von Miramas in Frankreich drehte der Ford seine Runden, gesteuert von sechs Fahrern und unter Aufsicht der Motorsportbehörde FIA, die mit strengem Auge wachte, dass alles mit rechten Dingen zu gehen würde.
So drehte der Ford seine Runden – bis in der 111. Nacht ein Unglück geschah: Einer der Fahrer war offenbar am Steuer eingenickt, der Wagen kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Dennoch gelang es, in 11 Stunden den Ford mit Bordmitteln wieder so herzurichten, dass Rekordhatz weitergehen konnte.
Die 300.000 Kilometer schaffte der Ford mit einem Durchschnitt von 106 km/h – Weltrekord! Die Kölner ließen es sich natürlich nicht nehmen, diesen Rekord später werbewirksam anzupreisen. So hieß es in einer zeitgenössischen Anzeige: "Benzinverbrauch unter 8,3 l/100 km. Nach 280.150 km erst der 16. Ölwechsel – im Schnitt also nur alle 19.000 km neues Öl! Wenn das so weitergeht...“.
Es sollte tatsächlich weitergehen. Denn nachdem der Ford die 300.000 Kilometer gefahren war, hatten die Ford-Mannen Blut geleckt. Nun sollte der Ford bis zum Mond fahren. Und auch diese Prüfung, die Strecke von 358.273 Kilometern, schaffte der Ford. Am Ende waren insgesamt 108 Weltrekorde aufgestellt worden. „Wenn Sie diesen Wagen fahren, sitzen Sie in einem Auto von echtem Weltrekord-Format“, brüstete sich Ford in einer Werbeanzeige. Mondsucht: Sechs Jahre bevor Neil Armstrong einen Fuß auf den Mond setzte, hatte der Planet eine magische Anziehungskraft, die auch Ford für seine Werbung nutzte

Der ramponierte Ford selbst wurde nach der Rekordjagd noch von einem zum anderen Ford-Händler weitergereicht und ausgestellt. Dann verschwand er spurlos. Eines der Mitglieder der Alt-Ford-Freunde hatte nun die Gelegenheit, den Rekordwagen zu erwerben – und wir die Chance dieses wichtige Stück Ford-Geschichte einmal mit eigenen Augen zu sehen.


Wir danken den Alt-Ford-Freunden für die freundliche Unterstützung.