Putz Blitz!

Putz Blitz!

Wir lieben sie, wir fahren und reparieren die Wagen auch. Aber oft genug tun wir nur eine einzige Sache – und zwar mit absoluter Hingabe: Putzen. Wiebke Brauer stellte fest, dass sie in dieser Disziplin noch viel lernen muss.

„Nein, bist Du wahnsinnig, da sind Schleifpartikel drin!“ Entgeistert schaute ich auf den blauen Papierlappen in meiner Hand. Mir war bis dato nicht bewusst gewesen, dass Papierservietten beim Auto zu ähnlichen Schäden führen wie eine Flex. Dabei hatte ich nur ein paar Polierreste entfernen wollen. „Du darfst nie eine Serviette nehmen, damit zerkratzt Du den Lack. Und meintest Du nicht, Du hättest Deinen Wagen geputzt? Hast Du mal die Felgen angesehen?“
Mein geschätzter Autokumpan hatte nicht ganz unrecht. Neben seinem wunderschönen blitzenden BMW 635 CSi sah meine Kiste aus, als wäre ich sie gerade durch die matschige Marsch gejagt. Da waren überall schlotzige kleine verotterte und verusellte Unsauberkeiten!
Bis zu dieser Sekunde hatte ich mich für so reinlich wie einen putzigen kleinen Goldhamster gehalten. Jetzt kam ich mir vor wie die Frau aus der Werbung, deren Kaffee wie Schimmelpilz schmeckt, weil sie keine Krönung gekauft hat. Wie eine Frau, unter deren Klobrille filzige und haarige und gar braungrüngraumelierte Bakterien wohnen. Und die Kinder werden nicht satt, der Mann hat Eigelb auf dem Schlips. Ich hatte versagt!
Nein, ruhig bleiben. Ich musste mein Leben neu überdenken. Vielleicht wäre ich ein besserer Mensch, wenn ich den Original California Jelly Blade Wasserabzieher besitzen würde. Und dann würde ich das 60-seitige Pflegehandbuch von Swizöl auswendig lernen. Danach könnte ich mir die „Entry Collection mit Concorso-Wachs“ zulegen. Die kostet zwar – schnell mal umgerechnet – 277 Euro, aber es würde meiner Existenz endlich zu der Reinheit verhelfen, die mir immer gefehlt hatte. Natürlich hatte ich geahnt, dass mit meinem Karma etwas nicht stimmte. Aber irgendwie nahm ich immer an, dass es an meinen miesen Charakterzügen läge. Weit gefehlt!
Unter uns: Eigentlich war ich froh. Denn bisher hatte ich immer scheele Blicke geerntet, weil in meinem Wagen nicht gekrümelt werden darf. Coffee to go in meinem SL? Eher ungern. Rauchen? Unter Schmerzen. Ich hatte Sätze gesagt wie: „Nicht da anfassen, das gibt Fingerabdrücke!“ Oft genug war ich mir vorgekommen wie ein Meister Proper mit leicht bizarren Ansichten.
Aber seit der Nummer mit der Papierserviette bin ich entzückt. Es gibt immer einen, der noch verrückter ist als man selbst. Außerdem hat er mir ein Mikrofasertuch geschenkt.
Es ist super.
Danke.

Autor: Wiebke Brauer