Polier Deinen Popo!

Polier Deinen Popo!

Frauen putzen die Küche und schminken sich, Männer gehen arbeiten und waschen ihr Auto. Oder so. Wiebke Brauer hatte eine Geschäftsidee, mit der beide zusammen glücklich werden

Frauen haben Geheimnisse. Beauty-Geheimnisse. Wir verschanzen uns stundenlang in Badezimmern, wühlen uns durch die alchimistischen Mysterien des Regals über dem Waschbecken, stecken unsere Finger in die Töpfe und Tiegel, wir salben und betupfen uns auf höchst umständliche wie unverständliche Weise. Wir kleben uns Wimpern und Fingernägel an, stopfen unsere Hintern in enge Strumpfhosen, schieben unsere Äppel hoch, damit sie größer wirken.
Und was machen die Kerle am liebsten? Autowaschen. Waschstraße, Saugen und ausklopfen, während die Ehefrauen mit leicht enerviertem Gesichtsausdruck mithelfen.
Und was macht Wiebke? Erst die Äppel hochbinden und dann Autowaschen. Ich also schön zu Mr. Wash, um bei dem Braunen Grund reinzubekommen, der wie eine Wildsau aussah. Dann wurde er geschrubbt und besprüht, betufft, geschäumt, gespült und schlussendlich gefönt. Also Krönung ließ ich ihn dann noch polieren – ja, einmal im Jahr lasse ich auch einen Fremden an den Lack, und jetzt mal keine Diskussion über alte und empfindliche Lacke und böse Waschstraßen.
Und in dieser Sekunde fiel es mir wieder ein. Filippa, meine Schönheits-Beraterin und Kosmetik-Queen hatte es mir neulich ein Beauty-Geheimnis verraten. Gegen Cellulite helfe nur eins, flüsterte sie mir ins Ohr, während sie hier und da an mir herumzupfte: „Diese komischen Polierpilze für’s Auto, weißt du? Damit kann man Cellulite einfach wegpolieren. Echt wahr. Kein Witz.“ Für den einen oder anderen Herren hier: Cellulite sind diese Dellen im Po, die 80 Prozent der Frauen so zur Verzweiflung bringen, dass sie vor lauter Unglück gleich ein großes Stück Schokolade essen müssen. Ja, und diese Orangenhaut ließe sich mit dem Polierkissen wegschubbeln, meinte Filippa.
Ich sah den jungen Mann bei Mr. Wash an, ich imaginierte den Durchschnitts-Allerwertesten… ZÄNK! Da war die Geschäftsidee: Während die Männer den Wagen in die Polierstation bringen und dort auf Hochglanz wienern lassen, wandert die dazugehörige Madame in das Séparée daneben und lässt sich den Hintern glätten. Welch genialer Plan! Viel Geld für mich, glückliche Paare, glänzende Augen und Lacke. Ich sah den Schriftzug „Polish your Popo“ vor mir, den Flyer mit dem Aufdruck „Holen Sie sich jetzt: Hochglanz für Ihr Heck“, die unglaublich sexistische Fernsehwerbung, in der halbnackte Frauen ihre ausgedellten Kehrseiten schwingen. Entzückt fuhr ich wieder vom Hof. Inzwischen ist aber wieder eingefallen, warum ich meine brilliante Geschäftsidee doch nicht umsetzen werde. Ich schreibe zu gern. Dann eben nicht.

Autor: Wiebke Brauer