Pin-up your 2009!

Pin-up your 2009!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ein neuer Kalender muss ins Haus. Wiebke Brauer ringt mit sich: Hängt man sich einen erotischen Landmaschinen-Kalender auf – oder fotografiert man lieber zwölf Mal das eigene Auto?

Miss Dezember hängt einsam an der Wand. Noch ein paar Tage, dann wird auch sie den Weg in die Tonne finden. Und dann? Dann gähnt die Leere von der Tapete. Und fix muss ein neuer Kalender her, sofern man denn der Meinung ist, der Mensch bräuchte einen. Wenn dem so ist, locken zahllose Themen – vom Katzenkind bis zur Knarre. Für den Motorenliebhaber ist die Auswahl besonders groß. Ich könnte mich zum Beispiel für den erotischen Landmaschinenkalender 2009 entscheiden, auf dem sich Landmädels ihrer Arbeitskleidung entledigt haben und sich auf einem Mähdrescher winden. Sex meets Agrartechnik, auf so eine Idee muss man erstmal kommen. Ich könnte mich natürlich für die klassische Variante „Hot Girls and Hot Wheels“ entscheiden. Die Nummer mit dem Autowaschen im Bikini, Äppel an die Scheibe des Mustang Fastback gepresst und so.
Ja, ich könnte monatlich mein eigenes Geschlecht verraten und die Emanzipation von Januar bis Dezember den Bach heruntergehen lassen. Doch bevor es jetzt ins Politische lappt – ich werde mir einfach meinen eigenen Kalender basteln! Und um der Gleichberechtigung Genüge zu tun, müsste ich erst sechs Mädels auf mein Auto hindekorieren – und danach noch sechs halbnackte Kerle. Aber ich sehe mich schon mit der Kamera vor der semi-entblätterten Mieze stehen und die Contenance verlieren: „Pfoten weg vom Lack! Du hast Handcreme benutzt, das sind doch Fettflecken da hinter dir. Und komm bloß nicht auf die Idee, mit den High Heels auch nur in die NÄHE des roten Leders zu kommen. Das gibt Kratzer! Autowaschen mit Schaum? Vergiss es. Den poliere ich selbst!“ Haut also auch nicht hin.
Und die Kerle? Wickel ich dann Mister Januar in meine dunkelblaue Schutzplane für das Auto ein, damit er noch ein bisschen erotischer wirkt? Ich weiß nicht recht. Vielleicht lasse ich ihn lieber komplett blank ziehen – und dann muss er sich die voll verchromte Radkappe vor sein Gemächt halten. Oder eine Stoßstange vor dieselbe. Oder die Mittelarmlehne aus dem Strichachter, die noch bei uns herumfliegt. Die hat auch so etwas Phallisches. Oder das Modell des Gran Torino, das leuchtet dann so schön rot. Aber er müsste ihn schon seitlich in die Kamera halten, damit man ihn besser sieht. Den Torino jetzt.
Hintern auf der Motorhaube des SL ist aber nicht, das gibt nur Dellen. Also müsste er sich vor meinem Lieblingsauto auf dem Garagenboden räkeln. Und dann beschmiere ich den durchtrainierten Knilch ein bisschen mit Motoröl und dekoriere ihn mit meinen alten Mercedes-Sternen, Citroën-Emblemen und Ford-Aufnähern. Oder er muss sich auf den Bauch legen, und ich lasse meine Sammlung von Wiking-Autos so landschaftsmäßig über seinen Knackarsch fahren. Bloß atmen darf er dann nicht, sonst kullern die runter.
Der wird sich bedanken.
War ja auch nur so eine Idee.
Frohes neues Jahr.