Opel Rekord A: Vom Fahren in Würde

Opel Rekord A: Vom Fahren in Würde


Portrait

Schon mal Auto gefahren? Bisher irgendwie nicht, fand Cord Althaus, als er die ersten Runden in seinem Opel A-Rekord drehte

Vom ganz schnellen Fahrzeug stieg Cord Althaus um ins ganz langsame. Vor ein paar Jahren noch hatte er es es gern sehr schnell, sehr direkt. Dann kam der Tag, an dem ihn das Motorrad abwarf, bevor es an einem Baum zerschellte. Danach hatte Cord genug vom Schnellfahren und konnte etwas völlig Neues entdecken: das Fahren in Würde.

Der Umstieg hätte kaum krasser ausfallen können: vom 150 PS/Liter-dohc-Donnerbolzen zum 40 Jahre alten ohv-Grauguss-Coupé. Doch bevor er den weißen A-Rekord auf dem Hof eines Händler entdeckte, hatte er von Opel im Allgemeinen und vom Rekord im Besonderen wenig Ahnung. Das Auto gefiel ihm und, was noch wichtiger ist, seiner Ehefrau Christiane. Der Preis stimmte, und so eröffnete sich Cord Althaus (Bluenote) eine neue Welt.

Das Auto ist wunderbar erhalten, besonders die rote Innenausstattung im Airport-1960-Stil ist so überraschend, dass man gar nicht mehr aussteigen will. Dazu die Lenkradschaltung, der behäbig muffelnde 1700er unter der Haube, die starre Hinterachse: Hier lernt man das Fahren neu.

Antiquierte Dinge wie Zurückhaltung und Höflichkeit 

Die Sitzbank ist nicht nur einladend, sie ist zugleich Fahrdynamometer und Warninstrument: Wenn du ins Rutschen kommst, gehst du zu schnell um die Kurve. Noch einen Hauch schneller und die Hinterachse überholt dich.
Aber was soll's auch? Das Fahren gewinnt eine völlig neue Qualität, wenn sein Rhythmus ruhiger wird. Seltsamerweise kommt man im A-Rekord gar nicht auf die Idee, sich um Meter und Sekunden zu balgen. Im Gegenteil, solch antiquierte Dinge wie Zurückhaltung oder gar Höflichkeit stellen sich wieder ein.

Das fanden Christiane und Cord ziemlich bemerkenswert. Und so dauerte es nicht lange, bis sie einen zweiten A-Rekord fanden - der sogar noch sensationeller ist als das Coupé. Ein Handwerker hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen 1500er Caravan fast 40 Jahre lang zu fahren. Als er 2003 in Ruhestand ging, gab er sein treues Auto weiter und wusste, es hat ein Heim gefunden bei jemandem, der es schätzt wie es ist: Dreigangschaltung, Minimalausstattung, 55 PS.

Beide Autos haben ein paar Macken, aber die Jahrzehnte haben sie erstaunlich gesund überlebt. Darum wollen Christiane und Cord sie nicht für eine Restaurierung auseinanderreißen, denn auch Patina ist Teil der Würde eines Autos. Man schickt ja auch seine Eltern nicht zum Chirurgen, weil sie ein bisschen humpeln oder Falten haben.

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