Oldtimer & Parkplatzsuche: Hämoglobin auf der Haube

Oldtimer & Parkplatzsuche: Hämoglobin auf der Haube

Steht eine Frau auf einem Parkplatz und hält ihn frei. Sieht auf den ersten Blick wie ein Witz aus, kann auf deutschen Straßen aber zu blutigen Konfrontationen führen. Eine ernste Auseinandersetzung mit dem Thema von Wiebke Brauer.

Parkplatzsuche, das bedeutet Leben am Limit. Aggression, Amok, Soziopathie, Roadrage, alles drin. Man nehme allein die Frage, ob es erlaubt ist, einen freien Parkplatz zu besetzen. Zumeist weibliche Platzhalter hüpfen auf die leeren Flächen, verschränken erst die Arme und dann das Gesicht zum Klappmesser, bis Vati mit dem Wagen kommt. Darf man das? Darf man nicht. Nicht wissen tut das eine Kolumnistin einer gewissen großen deutschen Frauenzeitschrift. Die lässt sich in der aktuellen Ausgabe länglich darüber aus, wie sie bei dem Versuch, einen Parkplatz zu blockieren, fast von einem schwarzen SUV umgenietet wurde. Sie will mit ihrem Mann ins Theater, (Bildungsbürger), stellen sich erst ins absolute Halteverbot, entdecken dann vor dem Spielhaus einen super Parkplatz, er läuft los, um den Wagen zu holen, sie steht ihren Mann, bis der große böse schwarze Wagen kommt. Die Frau verteidigt erfolgreich den Platz. Hinterher macht sie darüber lustig, dass sie eine Straftat beging, die man Nötigung nennt, schreibt alles auf und bekommt Geld dafür. Das Übliche eben.

Ich stolperte beim Lesen über zwei Dinge. Erstens: Warum muss es immer ein schwarzer SUV sein? Ganz einfach: Weil die bösen Cowboys immer die schwarzen Pferde reiten. Zweitens: Warum versuchen immer Frauen, den Parkplatz zu besetzen? Noch einfacher: Weil jeder vernunftbegabte Mann seiner Maus einen Vogel zeigen würde, wenn sie ihn darum bäte, mal eben rauszuhopsen. Soweit kommt es noch. Dann kann man auch gleich anfangen, Handtuch und Frauenzeitschrift auf dem Liegestuhl am Pool zu deponieren.
Wie dem auch sei. Ich für meinen Teil war neulich sehr versucht, eine Frau auf einem leeren Parkplatz mit Schmackes zu überfahren. (Nein, es war nicht vor einem Theater…) Ich kurbelte zunächst zivilisiert das Fenster herunter und fragte lauernd: „Was machen Sie da?“ Und was antwortet sie? „Mein Mann kommt gleich.“ Das ist natürlich eine abendfüllende Beschäftigung.

Ausgeglichene Menschen hätten sie zu ihrer wundervollen Lebensaufgabe beglückwünscht und wären weitergefahren. Ich überlegte hingegen, wie dekorativ sich Hämoglobin auf meiner Stoßstange macht. Die Ader auf meiner Stirn zeichnete sich blau ab und pulsierte, ein Rauschen legte sich auf meine Ohren, Augen traten aus den Höhlen, Zähne knirschten, mein Fuß zitterte über dem stählernen Pedal. Vor meinem inneren Auge liefen martialische Kampfszenen ab, Handkanten trafen auf Schläfen, Messer bohrten sich in Reifen, Finger in Augen, Blut spritzte auf den Asphalt, dunkelrot dampfend auf schwarzem Teer.

In diesem Moment legte sich eine große Hand auf meinen Arm und meine reizende Begleitung raunte mir ins Ohr: „Dies ist kein Krieg. Dies ist nur eine Frau auf einem Parkplatz.“
Hatte er auch wieder Recht.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 31.01.2011