Oldtimer HU: Die Nummer mit dem TÜV

Oldtimer HU: Die Nummer mit dem TÜV

„HU-Untersuchungsergebnis: Erhebliche Mängel – Prüfplakette wurde nicht zugeteilt.“ Wer diese Worte noch niemals hörte, hat einiges im Leben verpasst. Wiebke Brauer über einen der kuriosen Momente mit dem Technischen Überwachungs-Verein

Heute möchte ich etwas über die ordentliche Vergabe der TÜV-Plakette durch amtlich anerkannte Prüforganisationen schreiben. Schon mal ein sperriger Satz, und bereits im Vorfeld zu diesem Text war klar: Das Thema ist ein weites Feld. Schreibt man darüber, dass die „HU ... eine zerlegungsfreie Sicht-, Funktions- und Wirkungsprüfung bestimmter Bauteile sowie eine Überprüfung des Fahrzeugs auf Vorschriftsmäßigkeit gemäß StVZO“ ist? Das würde bedeuten, sich die Szenen in Erinnerung zu rufen, als der eisäugige Prüfer mit einem Schraubenzieher in tragende Teile piekte und so lange darin herumprokelte, bis sich der Rost in Kaskaden über ihn erkrümelte und ich ihm mit einem lauten Quieken in den Arm fiel. Lässt man lieber bleiben. Schreibt man über eine jüngst veröffentlichte Studie, die besagt, dass sich der Zustand der Autos in Deutschland verschlechtert, weil wir kein Geld haben und immer öfter erhebliche Mängel an der Beleuchtung festgestellt werden? Kann ich persönlich nichts zu berichten. Oder etwas über die zahllosen Male, die man durchfiel? Bloß nicht. Begnügen wir uns also mit folgendem Dialog, der so oder ähnlich hätte stattfinden können:

Das Telefon klingelt, die Geprüfte hebt ab.
Werkstatt: „Hallo, ist die Werkstatt, Sie haben ja gestern Ihr Fahrzeug bei uns zur Hauptuntersuchung abgegeben.“
Geprüfte (seufzt und ahnt Böses): „Jo, ist richtig.“
Werkstatt: „Es ist nämlich so, dass wir die Fahrzeug-Identifizierungsnummer nicht finden können.“
Geprüfte: „Häm...?“
Werkstatt: „Die sitzt normalerweise am Rahmen schräg unter dem Lenker. Da ist sie aber nicht. Der Prüfer kann sie nicht finden.“
Geprüfte: „Also, ich kann Ihnen versichern, dass ich sie in den letzten zwei Jahren nicht weggeflext habe.“
Werkstatt: „Wo könnte sie denn sein?“
Geprüfte: „Keine Ahnung. Sie wissen aber schon, dass das besagte Fahrzeug schon seit etwa fünfzehn Jahren bei Ihnen in die Inspektion geht, oder?“
Werkstatt: „Wir haben aber einen neuen Prüfer.“
Geprüfte fühlt sich immens geprüft und blickt zur Zimmerdecke. „Ja, und nu?“
Werkstatt: „Dann müssen wir jetzt eine neue Nummer stanzen – an die richtige Stelle.“
Geprüfte: „Tun Sie, was Sie nicht lassen können.“
Werkstatt: „Alles klar.“

Werkstatt und Geprüfte verabschieden sich und legen auf. Geprüfte gibt Unflätiges von sich. Zwei Stunden später klingelt das Telefon erneut. Es ist wieder die Werkstatt.

Werkstatt: „Wir haben die Nummer jetzt gefunden.“
Geprüfte gibt ein gedämpftes „Toll“ von sich. „Wo war sie denn?“
Werkstatt: „Ein Stück weiter unten.“
Geprüfte: „Sieh mal an. Sonst alles gefunden?“
Werkstatt: „Ja, ne, alles in Ordnung. Allerdings wurde die Befestigung der Sitzbank beanstandet, handelt sich aber nur um einen geringen Mangel.“
Geprüfte (leicht enerviert): „Weiß ich, steht schon in den letzten sieben Berichten. Kann ich das Fahrzeug jetzt abholen?“
Werkstatt: „Klar.“

Werkstatt und Geprüfte verabschieden sich. Im Prüfbericht steht später zu lesen: „Fahrzeugausstattung: ...die FIN befindet sich an anderer Stelle???“ Und der Nachsatz: „TÜV – Mehr Sicherheit. Mehr Wert“ So ist das nämlich mit der Technischen Hauptuntersuchung.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 20.06.2011