Ob blond, ob braun, ich liebe alle – Autos

Ob blond, ob braun, ich liebe alle – Autos

Moos auf dem Rücksitz, Risse im Softtop, Alfa statt Benz? Egal! Wiebke Brauer hat ein kleines Problem: Eigentlich will sie jeden Oldtimer kaufen, den sie Probe fährt

Es hätte so einfach sein können. Einfach was Schnelles, dachte ich mir, ein Coupé, auf keinen Fall Silber oder Distelgrün-metallic. Und gut in Schuss sollte er sein, nicht noch so ein Sorgenkind! Dunkelblau ging auch nicht, darin bin ich aufgewachsen. Und bloß kein Automatik, das ist was für Rentner und Mädchen.
Und was passiert? Der erste Wagen, den ich Probe fuhr, war dunkelblau, Automatik, eine Hütte. „Kauf ihn“, säuselte der kleine Oldtimer-Teufel in meinem Kopf. „Dunkelblau ist eine total schöne Farbe.“ Und ich? Ich war becirct. Soooo schlimm ist Automatik ja auch wieder nicht, eigentlich ganz bequem, gerade in der Innenstadt. Und man kann ja noch ein bisschen was in den Wagen reinstecken. Mein Problem: Sitze ich erst einmal in der Kiste drin, benehme ich mich wie frisch verliebt. Alle Vorsätze dahin, alle Pläne umsonst gemacht. Von einer Sekunde auf die andere muss es DIESER Wagen sein – und kein anderer. Ein Leben ohne diesen 280 ohne TÜV und Profil auf den Reifen? Möglich, aber sinnlos. Zum Glück hält dieser Zustand nur 24 Stunden an – aber einfacher macht es das Leben auch nicht. Plötzlich fand ich, das Astralsilber die schönste aller Autolackierungen sei. Stoffsitze waren der Knaller („Leder? Wer braucht schon Leder?“), und ich meinte auch, wenn ein Auto schon 300.000 Meilen runter hätte, sei das doch schließlich ein gutes Zeichen. Der hält doch noch mal so lange! Ja, sicher.

Ich gebe es zu, ich bin willenlos. Oldtimer machen mich schwach, und das Hirn setzt erst ab Baujahr 87 wieder ein. Natürlich denkt jeder Verkäufer, ich hätte nicht mehr alle Latten am Zaun, weil ich völlig kritiklos wieder aus seiner Schrottkiste steige und nur noch das H-Kennzeichen in meinen Augen glitzert. Ich sehe es ihnen an, dass sie denken: „Ist die blöd, vielleicht sollte ich ihr noch meinen Passat andrehen.“ Aber einen Tag später folgt die Ernüchterung. Für mich – und den Verkäufer.

Gestern beschlich mich auch ein ganz neuer Gedanke. Ich bin es nicht, die den Wagen aussucht. Der Wagen sucht mich aus. Wahrscheinlich ist es wie mit Haustieren. Du gehst in die Zoohandlung oder ins Tierheim, um dir endlich einen Golden Retriever zu kaufen, weil du schon immer einen haben wolltest. Und dann findest du alle Hamster total süß und wartest darauf, welcher zuerst auf dich zuläuft. Oder so ähnlich. Und mit Autos ist es genau dasselbe. Seitdem habe ich ein bisschen Angst. Ich habe Angst, mit einem VW Käfer nach Hause zu kommen. Weil sich der Käfer für mich entschieden hat.