Motorrad Oldtimer: Deutsche Innovatoren

Motorrad Oldtimer: Deutsche Innovatoren

Die Geschichte der Motorrad Oldtimer in Deutschland hat viele Fassetten. „Eigentlich denkt man an die großen Namen BMW, DKW, Horex, MZ, NSU und Zündapp. Dass aber oft gerade kleinere Hersteller den Fortschritt beförderten, und genau das bauten, was ihre Kunden wollten, merkt man umso mehr, je tiefer man in die Materie einsteigt“

So Martin Grundmeyer vom Veteranen Fahrzeug Verband (VFV). Eine Sammlung dieser seltenen Motorrad Oldtimer ist demnächst auf der Bremen Klassik Motorshow 2011 zu sehen. Die Motorrad Hersteller solcher individueller Zweiräder wurden auch Konfektionäre (lat. confectio - Vollendung) genannt. Die Konfektionäre von damals verbauten zugelieferte Motoren in eingens hergestellte individuelle Fahrgestelle. Einer der bekanntesten Hersteller derartiger Motorräder ist die Marke Hercules.

Nicht nur, dass Hercules im Motorradsport über viele Jahre eine große Rolle spielte, die Franken stellten auch in bestimmten Segmenten den Marktführer, so bei den 100ern und den 50er Mopeds und Kleinkrafträdern. Andere Konfektionäre wiederum erfüllten Wünsche, bei denen die Großserienhersteller passen mussten. Zum Beispiel Friedel Münch, der um einen NSU-Wagenmotor das deutsche Superbike der Neuzeit schuf. „Auch vor dem Krieg fand der anspruchsvolle Enthusiast im Kreis der Konfektionäre Gehör und bekam mit Maschinen wie der weißen Mars, der 1000er Tornax oder Bayernland große Wünsche erfüllt", erläutert Grundmeyer. Der Siegeszug der "Motorrad Oldtimer" war nicht mehr aufzuhalten.

Urania der Urania-Fahrrad-Werke Paul Tanner o.H.G. Cottbus, Bj. 1938 mit Motor von Fichtel & Sachs

Aber auch in den kleinen Klassen zeigten Konfektionäre Profil und brachten Fortschritt an den Kunden: So die Kölner Allright aus der Kaiserzeit mit ihrer sauber federnden Truffault – Vordergabel. In den 20er Jahren setzten die hochwertigen Standard-Motorräder von Wilhelm Gutbrod Maßstäbe. Ardie gab mit der „Silberpfeil“ und ihrem Rahmen aus Duraluminium Fingerzeige für die Zukunft. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs zeigte die kleine Phänomen Ahoi mit ihrer Allradfederung, dass selbst die legendäre RT 125 des Branchenriesen DKW ihre Mankos hatte. 

Auch und gerade in der Frühzeit der Bundesrepublik erblühten die Konfektionäre erneut. Waren es vor 1940 mächtige Viertakter von JAP, Küchen, MAG oder Bark gewesen, die deutsche Konfektionsmaschinen antrieben, lieferten nun Sachs und Ilo robuste Zweitakter für den Alltag, die das Volk auf die Räder brachten. Und genau wie zuvor standen die Konfektionäre nicht nur für solide, bezahlbare Maschinen mit dem gewissen Etwas, sondern brachten auch den Fahrwerksfortschritt jener Jahre früher an die Kunden als die Marktriesen. Eine repräsentative Auswahl dieser Oldtimer Motorräder wird während der Bremen Classic Motorshow 2011 die Herzen der Fans höher schlagen lassen.