Mit dem Pfund wuchern

Mit dem Pfund wuchern

Jenseits von Abwrackprämie und Lotter-Euro steht das britische Pfund Sterling trutzig im Wind der Wechselkurse. Je mehr Seeherrschaft, koloniales Empire und rote Telefonzellen verschwanden, umso bedeutender wurde das nationale Symbol des GBP, das noch heute nach Dollar und Euro als drittwichtigste Reservewährung gilt – mit steigender Tendenz.

Fallend dagegen präsentiert sich die britische Währung derzeit im Verhältnis zum Euro. Für 94 Eurocent ist das Pfund Sterling offiziell erhältlich – und damit werden auch in Großbritannien angebotene automobile Klassiker zu einem günstigen Kauf. „Plötzlich“ sind 10.000 Pfund nicht mehr 12.000 Euro, sondern nur noch 9.400. Das geht. In Erinnerung rufen muss man sich den Gegenwert eines britischen Pfunds vor Umstellung auf das Dezimalsystem im Jahre 1971: Rund zwölf bis 14 D-Mark, heute also immerhin noch rund sechs bis sieben Euro, war das Pfund schwer. Merry old England, where have you been going to...?

Dass die Briten nun schon seit geraumer Zeit auch ihr automobiles Erbe an jeden verschleudern, der es zu bezahlen gewillt ist, erscheint zwar bedauerlich, soll uns deutschen Micheln jedoch nur Recht sein. Tipp: Doppelt profitieren! Günstig erwerben, H-Kennzeichen montieren und als Geschäftswagen fahren. Der Staat selbst sagt ja immer, man müsse sparen. Und wenn man schon hierzulande dank Prämie keine anständigen Gebrauchten mehr auf dem Markt bekommt, muss man halt ausweichen. Zum Beispiel auf die Insel. Längst scheinen wir reif für sie.

Lange Zeit waren Autos ab einem Alter von 25 Jahren in Großbritannien von der Kfz-Steuer befreit. Mit der nachvollziehbaren Begründung, dass die Halter nach dieser Zeitspanne ja nun wirklich genug in das Staatssäckel eingezahlt hätten. Leider muss ein deutscher Finanzbeamter den Insulanern Nachilfe gegeben haben: Seit Tony Blair gilt diese Befreiung nur noch für Autos, die vor dem 1. Januar 1973 zugelassen wurden. Da haben selbst wir in Deutschland es besser und können nicht meckern – oder?