Mercedes-Benz Strich-Achter Coupé

Mercedes-Benz Strich-Achter Coupé

Bereits im Oktober 1968 – im ersten Jahr des Erscheinens der neuen Mercedes-Mittelklasse – stellen die Stuttgarter den viertürigen Limousinen eine Coupè-Version als exklusive Variante zur Seite. Aufgrund ihres Erscheinungsjahrs werden alle Modelle der neuen Baureihe W 114/115 „Strich-Acht“ genannt.

Auch die Mercedes-Benz Strich Achter Coupés verfügen über die bewährten Qualitäten der Limousinen: Sie sind sachlich gestaltet, langlebig und solide aufgebaut, dank der neuen Schräglenkerachse fahrstabil und verfügen über eine wirksame Sicherheitszelle. Stilistisch haben sich die Coupé-Designer stark an den Limousinen orientiert. Weder Radstand noch Gesamtlänge änderten sich. Front und Heck wurden übernommen, lediglich der nun fünf Zentimeter niedrigere Dachbereich und die Seitenteile erhielten eine Neugestaltung. Dennoch ist es gelungen, dem neuen Coupé eine ebenso elegante wie markante Form mit auf den Weg zu geben. Zum ersten Mal ist damit auch in der oberen Mittelklasse der Marke mit dem Stern eine Coupé-Version verfügbar. Aus diesem Grund erhalten die Zweitürer ausschließlich Sechszylinder-Motoren – darunter auch der erste verbaute Motor mit elektronisch gesteuerter Kraftstoff-Einspritzanlage im Typ 250 CE.

Zunächst runden die beiden Zweitürer 250 C und 250 CE mit 130 und 150 PS das Programm des neuen Mercedes nach oben ab. Im April 1972 ergänzen die Typen 280 C und 280 CE mit dem neukonstruierten Doppelnockenwellen-Motor M 110 mit 160 und 185 PS die Modellpalette. Der verbleibende 250 C erhält einen auf 2,8 Liter vergrößerten M 130-Motor mit 130 PS, der aus der S-Klasse-Baureihe W 108 bekannt ist. Ein Jahr später erhalten die Coupés ein auffälliges Facelift. Die vordere Doppelstoßstange entfällt, der Kühlergrill wächst in die Breite und im Inneren sorgt ein Lenkrad mit großer Prallfläche für mehr Sicherheit. Auffallend in der Heckansicht sind auch die profilierten, verschmutzungsarmen Rückleuchten. Leider wurden einige geplante Varianten nicht bis zur Serienreife weiterentwickelt, etwa ein sportliches 280 CE Coupé mit mindestens 200 PS oder ein Spitzenmodell mit 4,5 Liter V8-Motor. In den Augen der Mercdes-Produktentwickler machten die 107er SLC-Modelle weitere Strich-Acht-Top-Motorisierungen überflüssig.

Mercedes-Benz Strich-Achter Coupe, 280 C Bj. 1975

Mercedes-Benz Strich-Achter Coupé kaufen

Gut erhaltene Strich-Acht-Coupés sind heute nur noch selten anzutreffen. Die meisten sind einfach so weggerostet. Zunächst blühte es an den Türunterkanten, dann wurden die Schweller zerfressen. Schließlich gammelten die Coupés am hinteren Seitenteil – nicht etwa am unteren Rand, nein, mitten drauf. Das passierte bereits in den 80er oder 90er Jahren. Die Stricher wurden dann meist mit Spachtel zurechtgeflickt oder landeten direkt in der Presse.

Wer sich für ein Mercedes Benz interessiert, der hat drei Möglichkeiten. Erstens: Er kann sich eines der vielen zusammengespachtelten Gefährte kaufen und es in Form einer Rolling Restauration am Leben halten. Doch damit handelt er sich längere Aufenthalte unterhalb der Bodenbleche ein und verliert unter Umständen jede Menge Kohle. Zweitens: Er erwirbt ein aufwändig restauriertes Exemplar und zahlt dafür fünfstellig. Doch diese Entscheidung könnte schwer uncool machen: Bei Regen wird nicht gefahren, ab drei Mitfahrern leiden die Velourpolster und wehe, es setzt sich einer auf die Haube. Bleibt Variante drei: Auch in die USA wurde der Stricher als Two Door geliefert.  Aufgrund der strengen Abgasgesetze leisten die Motoren meist etwas weniger, und die späten Modelle beleidigen den europäischen Geschmack mit fetten Sicherheitsstoßstangen und runden Glubsch-Scheinwerfern. Andererseits sind die US-Autos fast immer opulent ausgestattet und vor allem rosten sie im milden Klima der Westküste weit weniger.

Mercedes-Benz Strich-Achter Coupe, 280 C Bj. 1975

US-Import Mercedes-Benz Strich-Achter Coupé

So landete auch dieser 280 C von 1975 vor zwei Jahren in Deutschland. Rost am Unterboden oder Gammel an den typischen Stellen sucht man an dem California-Car vergebens. Selbst der Innenraum mit rattenscharfer roter MB-Tex-Ausstattung wurde von der Sonne verschont. Zudem kommt das Coupé mit Klimaanlage, vier E-Hebern, Tempomat, elektrischem Schiebedach und der obligatorischen Automatik. Der Doppelnocken 2,8 Liter-Motor verfügt als „Reaktorversion“ über einen riesigen Solex 4A1-Vierfachvergaser, über eine Nachverbrennungsanlage mit Luftpumpe und ungeregeltem Katalysator, niedrigere Verdichtung für den Einsatz mit Normalbenzin und zahmere Nockenwellen als in der Europa-Version. Er leistet nur noch 130 PS anstatt der 160 PS in der heimischen Vergaser-Ausführung. Den Leistungsunterschied merkt man allerdings nur bei höheren Drehzahlen. Alle Bilder und noch mehr Infos zum Mercedes-Benz Strich-Achter Coupé gibt es im Motor Maniacs Magazin. 

Text/Fotos: Dirk Mangartz