Matratze gerührt

Matratze gerührt


Matratze gerührt

Frauen und Autos sind schon ein Thema für sich. Aber wenn Frauen, Männer und Oldtimer aufeinander treffen, entsteht ein neues Paralleluniversum. Wiebke Brauer macht sich auf in die unendlichen Weiten der Youngtimer.

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich dachte, ich gehe einfach mal in ein Oldtimer-Forum und frage, ob jemand einen alten Mercedes SL zu verkaufen hat. Weil mein 230 CE sehr schön ist, aber eben ein bisschen langsam. Eine Stunde später war ich klüger.
Denn ich fahre nicht einfach ein Auto. Auch nicht mal eben so einen Youngtimer. Kann schon sein, dass es sich um einen Mercedes-Benz 123er Coupé, Baujahr 81 in der Farbe moosbraun handelt – aber eigentlich ist das Nebensache. Ich fahre eine Matratze gerührt, oder anders gesagt: Einen Wagen mit Stoffsitzen und Handschaltung.
Außerdem suche ich nicht schlicht einen SL. Erst einmal sollte ich auf folgendes achten, wie mir freedom69 und seine Buddies im Forum erklären: Hatte der Wagen schon mal einen Knaller? Und suche ich etwas mit Ludenchrom und Gummiwurst auf Heckdeckel? Oder gar einen Futon geschüttelt? Sicher ist nur eins: Die Suche nach dem perfekten Dritten in meiner Garage macht mich klüger. Ich treffe auf Menschen wie DerKlaus und DrBonz in den Foren, die alles besser wissen und mir etwas über europäisierte Modelle mit Nanolackierung erzählen. Auch bei Probefahrten treffe auf den Typ männlicher Checker, wie bei dem 280 SL letzte Woche. Wir gaben uns zur Begrüßung die Hand, über seinem Kopf ploppte eine Gedankenblase auf: „Ach, nee, eine Frau. Das ist ja süß.“ Dann fing er an: Beim Wagen natürlich alles original, eigentlich nie gefahren und auch nur deswegen zu verkaufen, weil gerade ein Kind unterwegs ist. Er schmiss mit Begriffen um sich, zeigte mir stolz die Barockfelgen. Dann kam der eine Satz: „Der hatte nie was. Ich habe nur einmal mit einem Freund zusammen den Schweller gespachtelt.“ Ach so! Ich lernte schnell: Männer verstehen grundsätzlich totaaal viel von Autos. Und die Erde ist eine Scheibe.
Trotzdem habe ich das beste Hobby der Welt. Ich treffe auf Typen, die genau so eine Schelle haben wie ich, auf Anwälte, Musiker, Mustangbesitzer und schläfrige Kampfhunde, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Lincoln Continental aufweisen. Ein Kessel Buntes mit einer Gemeinsamkeit. Sie alle lieben komische Autos.


Gerade habe ich telefoniert. Nächste Woche schaue ich mir wieder einen Wagen an. Natürlich keine Matratze gerührt. Die habe ich ja schon.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 20.06.2008