Magnolien aus Stahl

Magnolien aus Stahl

Streng genommen gibt es keinen vernünftigen Grund, sich ein altes Auto zu kaufen. Sie saufen, sie rauchen – und sie nehmen Dich aus. Na und? Wiebke Brauer hat sich frisch und hemmungslos in einen gut bekannten Klassiker verknallt.

Gulp. Ein echter Delorean. Natürlich bin ich ein Kind meiner Zeit und durch den Film „Zurück in die Zukunft“ geprägt, ich weiß, was ein Flux-Kompensator ist und dass der Wagen auch mit Bananenschalen und Bier betrieben werden kann. Aber das ist es nicht.

Es ist zum einen die Karosserie, Edelstahl auf Glasfaser. Es ist die Idee eines Durchgeknallten. Ein Sportwagen mit Flügeltüren, den keiner haben wollte und der aussieht, als hätte man einen Golf gebügelt. (Ja, die Autorin weiß, dass der Designer Giorgetto Giugiaro heißt und den Golf entworfen hat. Auch wenn man es ihr nicht zutraut und sie sich dieses Wissen natürlich erst vor drei Stunden aneignete.)

Bei dem Durchgeknallten handelt es sich um John Zachary De Lorean, amerikanischer Top-Manager rumänischer Abstammung, ein Mann, der sich die Haare färbte und seine Seidenhemden bis zum Bauchnabel aufknöpfte, Vizepräsident und Vorstandsmitglied von General Motors mit Affären mit Ursula Andress und Raquel Welch. Nach seiner Kündigung bei GM gründete er die De Lorean Motor Company, um seinen Traum von einem sicheren, ökologisch korrekten Superauto zu verwirklichen. Und was kam dabei heraus? Ungefähr 9000 Deloreans, was an sich schon einmal komisch ist. Leider setzte sich der Wagen nicht durch, zu teuer, zu schwach motorisiert und zu wenig 911er. Als es mit DMC den Bach runterging, versuchte De Lorean seine Firma durch einen Drogendeal zu retten. Er wurde mit Unmengen von Koks erwischt und kam frei, weil die Nummer von einem Undercover-Agenten des FBI eingefädelt worden war.

Das „Wall Street Journal“ schrieb nach De Loreans Tod: „Sein Leben beweist, dass es in der Regel die Verrückten sind, die die interessantesten Dinge zuwege bringen.“ Allein diese Lebensgeschichte berührt mich so, dass ich der Meinung bin, allein deswegen müsste man einen solchen Wagen besitzen. Selbst wenn er mit seinen nur 170 Pferdestärken nicht aus den Hufen kommt. Andererseits heißt es, dass der Delorean sehr gut verarbeitet sei – zudem verfügt er über Extras wie Zentralverriegelung, Stereo-Kassettenradio und verstellbares Lenkrad. Und eine Digitaluhr, ein extrem fortschrittliches Ausstattungsmerkmal für seine Zeit. Und hey: Er verbraucht nur 15 Liter – das ist nichts! Alles in allem ein Auto, was danach schreit, gekauft werden zu müssen!

Autorin steht auf: „Ja, mein Name ist Wiebke Brauer, und ich bin seit zwei Wochen in einen Delorean verknallt.“ (Autorin setzt sich wieder.) Und ja, mein Verliebtsein könnte etwas damit zu tun haben, dass ich seit Monaten nachts aufwache, weil ich mal wieder von Wechselkennzeichen geträumt habe. Ende Mai ging die Meldung durch die Presse, dass die Kennzeichen auch in Deutschland eingeführt werden und man drei Fahrzeuge mit einem Nummernschild fahren dürfe. Und seit Mai durchflattern die Kennzeichen meine Träume, tragen meine Initialen und lassen sich wie Schmetterlinge auf den prächtigsten Autos nieder – die ich dann alle fahren darf. Die schillerndste Silberblume auf der automobilen Wiese meiner Träume: ein Delorean, die Magnolie aus Stahl. Ich werde sie pflücken.


Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 16.08.2010