London-Brighton-Run revisited

London-Brighton-Run revisited


London-Brighton-Run

Wer von London ins britische Seebad Brighton möchte, braucht mit dem Zug oder einem Auto maximal eine Stunde. Doch beim London-Brighton-Run ist vieles anders. So wird die Strecke bei diesem traditionellen Oldtimer-Event mit maximal Tempo 22,5 km/h zurückgelegt, was eine Fahrzeit von knappen fünf Stunden bedeutet.

Für die heutige Zeit ist das natürlich ungemein langsam, doch als im Jahr 1896 der erste "Run" stattfand, handelte es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine "Raserei". Bis zu diesem Zeitpunkt lag die erlaubte Höchstgeschwindigkeit nämlich gerade einmal bei umgerechnet 6,5 km/h und als das britische Parlament das "Leicht-Lokomotiven-Gesetz“ und damit die Erhöhung der V-Max beschlossen hatte, fand spontan eine Ausfahrt nach Brighton statt. Schließlich musst die neu gewonnene Freiheit gefeiert werden.

112 Jahre später: auch in diesem Jahr findet der London-Brighton-Run statt, bei dem traditionell nur Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 1905 teilnehmen dürfen. Sage und schreibe 480 Fahrzeuge nahmen in diesem Jahr teil, von denen immerhin 420 das Ziel erreichten.

Das berichtet die Zeitung "Die Welt" und wartet dann auch mit einer besonderen Geschichte auf. So fuhr in diesem Jahr ein Mercedes Simplex (Baujahr 1902) mit, der dummerweise bereits beim Start auszufallen drohte. 

Doch nach zahlreichen Versuchen und dem freipusten der Benzinleitung ging es dann mit Verspätung los. Doch halt: vorher brach noch der Schalthebel ab und musste durch einen verlängerten Schraubenschlüssel ersetzt werden - mit unvorhergesehen Folgen:

[Fahrer] Michael Plag, der bis auf Weiteres das Steuer mit den Fäusten packt, weiß, dass er das alte Auto eigentlich zart und freundlich behandeln sollte. Stattdessen muss er sich vor jedem Gangwechsel von seiner Beifahrerin einen Hammer reichen lassen und in voller Fahrt auf den provisorischen Schalthebel rechts von ihm einprügeln, während die geübte Rennfahrerin von der Seite her lenkt.

Leider hat die Kupplung auf der Strecke dann völlig ihren Geist aufgegeben und Brighton wurde nur mit dem Abschleppwagen erreicht. Doch bei einem solch betagten Automobil kann man getrost und ohne Scham das olympische Motto "dabeisein ist alles" hochhalten.