Lincoln Continental Mark IV

Lincoln Continental Mark IV

Als Lincoln im Jahr 1939 ein erstes Modell unter dem Namen „Continental“ auf den Markt brachte, sollte es in die Automobilgeschichte eingehen. Der Begriff „Continental“ stand fortan dafür, dass hier alles geboten wurde, und von allem jeweils das Beste.

Der Lincoln Continental zog so gut, dass der Mutter-Konzern Ford neben seinem Luxus-Label Lincoln eine zeitlang sogar ein weiteres Label unter dem Namen „Continental“ führte. Das war Ende der 50er Jahre, und weil diese Continentals obendrein als „Mark“-Baureihen liefen, stiftete das einige Verwirrung in der Bezeichung der echten „Mark“ Continentals. Denn tatsächlich bezeichnet der Begriff „Continental“ bei Lincoln vor allem die Reserverad-Ausbuchtung, die für alle echten Continentals stilprägend wurden. Sie waren allesamt Luxus-Coupés, die Amis bezeichneten sie als „Personal Luxury Car“. Dem ersten Continental folgte ein zweiter in den 50er Jahren, ganz logisch hieß er „Mark II“. Neben der Reserverad-Ausbuchtung prägte bereits eine elend lange Motorhaube sein Erscheinungsbild. Und mit dem Continental „Mark III“ im Jahr 1969 hatte Lincoln die Linie für das kommende Jahrzehnt gefunden. Da sollte selbst die Motorhaube als längstes serienmäßiges Frontend in die Geschichte eingehen.

Lincoln Continental Mark IV

Foto: Carsten Heil/Nele Der Mark IV war bereits ein Vorbote der ersten Umwelt- und Energiekrisen. Sein Motor leistete nicht mehr die 300 PS des Vorgängers. Deutlich über 200 PS waren aber noch immer eine Menge Holz. Die siebeneinhalb Liter Hubraum wurden nur noch von einigen wenigen Cadillac-Modellen überboten. Und mit 5,80 Metern Länge war er wieder gewachsen. Der Mark V zum Ende der 70er wies zwar noch die gleichen Außenmaße auf, aber mit sechseinhalb Litern Hubraum und deutlich unter 200 PS begannen die mageren Jahre. So kündigte sich äußerlich unbemerkt das „Down-Sizing“ an. Die folgenden Modelle wurden immer kleiner. Beim Mark VI verschwand sogar die Reserverad-Ausbuchtung, und er wurde zum familienfreundlichen Viertürer. Das machte den ursprünglichen Charme des Personal Luxury Cars kaputt. Der Mark VII hatte wieder das markante Heck, war aber auf die Maße eines erbärmlichen europäischen Mittelklasse-Coupés zusammengeschrumpft.

Lincoln Continental Mark IV

Foto: Carsten Heil/Nele

Wenigstens alle klassischen hatten damit zwei Enden, vor denen ihre Anhänger niederknien: Ein Kühler vom Format eines griechischen Tempels und dieses einmalige Heck, das natürlich längst eine Attrappe geworden war. Es verbrauchte viel Metall und nahm dem eigentlichen Kofferraum nur Platz weg. Ein Reserverad passte sowieso nicht hinein. Das war mithin echter amerikanischer Stil: Eine Menge Blech und eine Menge Blendwerk.

Halt. Hinter den gesteigerten Maßen des Mark IV steckte auch schon Plastik. Ein 1973 eingeführtes Gesetz forderte Stoßstangen, mit denen ein Aufprall von 8 km/h ohne weiteren Schaden am eigentlichen Fahrzeug überstanden werden musste. Beim Mark IV erledigten weiter herausragende Stoßstangen, und deren Verblendungen bestanden aus gummiartigem Kunststoff.

Lincoln Continental Mark IV

Foto: Carsten Heil/Nele

Der Mark IV blieb trotzdem der typischste Vertreter der Continentals. Hier wurde aus dem Vollen geschöpft. Das erstmalig angebrachte „Opera Window“ in der unsäglich breiten C-Säule machte ihn über jeden Verdacht erhaben, irgendwie doch nur ein Muscle-Car zu sein. Dieses kleine Fensterchen steht für den eigentlichen Charakter dieses Modells: Es hat den Hüftprothesen-Faktor. Damit fahren keine Halbstarken. Aber Horst Tappert fuhr tatsächlich einen. An dieses Format kommt kein Halbstarker ran. Noch mehr Bilder und Infos zum Lincoln Continental Mark IV gibt es in der aktuellen Ausgabe des Motor Maniacs Magazin


Text: Michael Ahlsdorf
Fotos: Carsten Heil/Nele