Lilian, auf dem Weg zum Weltrekord

Lilian, auf dem Weg zum Weltrekord

Nun ist er da, der April. 6 schier endlos triste Monate habe ich darauf gewartet, wieder den Oldie zu wecken. Aber was ist los? Wo ist die Sonne? Wo riecht es nach Frühling? Meine Rosen hatten diesen Winter gut überstanden, der starke Frost im März hat sie dann aber doch gekillt und meine abgrundtief miese Stimmung ist -auch deshalb- kaum zu toppen. Wäre da nicht dieser Artikel bei Carsablanca, Weltrekordversuch in Hockenheim…

Wäre ja schon irgendwie cool, mit dem eigenen Käfer dabei zu sein? Aber alleine da ganz runter? Bei dem eiskalten Wetter? Vielleicht so als Saisonauftakt? Sooo viele Schätzchen auf ein mal? Aber er hat ja gar keinen TÜV und Ölwechsel muss auch sein und außerdem schläft er ja noch, aber andererseits…

Während sich Engelchen und Teufelchen lautstark in meinem Kopf streiten, postet Renault17, dass sie runterfahren und wir uns Stillhorn treffen könnten. 1:0 für`s Engelchen. Jetzt keine faulen Ausreden. Lassen wir den Käfer und die Werkstatt entscheiden: springt er an und gibt es noch 2 Tage vorher einen Termin, buche ich. Käfer springt sofort an, Ölwechsel ja, TÜV nein. Da kommt das Engelchen-Gewissen leicht in Schwierigkeiten, dafür hat das Teufelchen seinen Spaß. Engelchen und Teufelchen vereint = 100% Lilian, die Laune ist mit einmal gigantisch und die Vorfreude macht mich zum Duracell-Häschen. Juhu! Am Samstag um 5 Uhr aufstehen und wahrscheinlich 8 Stunden Autofahren? Na und?

Wie vereinbart, stehen die Jungs in ihrem gelben Renault 17 TS an der Raststätte Stillhorn, ein kurzes „Hallo“ und schon sind wir unterwegs gen Süden, noch 580km vor uns. Die angekündigten Oster-Rückreisestaus liegen wohl an beiden Tagen nicht auf unserer Strecke. Das Radio bleibt aus, ich genieße das lang ersehnte Geknatter, kauere mich tiefer in meine Daunenjacke, versuche die - trotz Handschuhe -klammen Finger und meinen deutlich sichtbaren Atem zu ignorieren.

Nach 3 Tankstopps und freier Bahn kommen wir gegen halb Eins an und entscheiden uns, kurz einzuchecken, um gepäcklos zum Ring zu fahren.

Auf einer Wiese parken wir zwischen den ganzen anderen Schönheiten. Neugierig gucken wir auf die bereits verklebten Startnummern und der Ehrgeiz packt uns. Sogar die Nummer 951 –schaffen wir etwa den Rekord zu brechen? Wir stellen uns am Container-Häuschen an, bekommen unsere Nummer und den Passierschein zum Ring. Andere Fahrer lassen ihr Fahrzeug erst jetzt registrieren und fotografieren. Alles geht auch vor Ort. Die Spannung steigt. Ein paar Fahrzeuge stehen schon in Schlange und 20-30 fahren etwa halbstündig schon gen Ring, die anderen rücken auf. Wir gehen zwischenzeitlich noch mal zur Rennstrecke und gucken ein Rennen. Gen 16 Uhr soll´s losgehen, bis 18 Uhr dann alle am Ring sein. Wir sind skeptisch. Die Stimmung ist gespannt, manche sind etwas maulig, weil`s mal wieder nicht schnell genug geht. Wir schauen uns in Ruhe die Schätze an, genießen den Sound und freuen uns, dass es durchaus anerkannt wird, dass wir „extra für den Rekordversuch aus Hamburg angereist“ sind. Auf einmal wird es hektisch. Diesmal wird nach 30 Fahrzeugen nicht gestoppt, sondern es folgt der Rest. Wir springen in unsere Autos, jetzt geht es fix. Mist, das Verdeck ist geschlossen, aber auf den Ring will ich unbedingt offen fahren. Rechts, links, zwei Unterführungen, stopp -jetzt oder nie- ich springe bei laufenden Motor aus dem Auto, öffne das Verdeck und –wenn schon denn schon- knöpfe ich auch die Persenning fest. Im Gegensatz zum normalen Straßenverkehr, ernte ich aber vom Fahrer hinter mir ein sehr verständnisvolles, breites Grinsen.

Hier versteht man sich, hier haben alle Spaß und Begeisterung, hier gibt es keinen Sozialneid, sondern nur pure Leidenschaft. Was jetzt folgt ist emotional überwältigend.

814 Oldtimer –wie wir einen Tag später erfahren- rollen über den Ring. Nur glückliche, fröhliche Menschen. Wir winken, wir hupen, wir fotografieren und filmen. Kleine Jungs dürfen auf Papas Schoß den Oldie über den Ring lenken.

Das Licht der langsam sinkenden Sonne leuchtet mystisch unter den dicken Wolken hervor.

Ich bin erfüllt von einer Symphonie aus dem satten Blubbern der V8, dem Knattern der Luftgekühlten, dem Dröhnen und Röhren der anderen.

Man denkt nicht, man fühlt. Mit allen Sinnen. Das soll bitte nie enden!

3 Runden wird mir dieser Wunsch erfüllt. Dann werden wir von Ring abgeleitet -voller Emotionen und einem unbeschreiblichen Glücksgefühl.

Ich gehe später mit ungewaschenen Haaren ins Bett.  Denn mit dem Geruch von Benzin-Ölgemisch und der Erinnerung an ein unbeschreibliches Erlebnis schlafe ich selig ein.

Und nächstes Jahr knacken wir dann auch den Rekord. Denn dann werden wir aus dem Norden noch etwas zahlreicher vertreten sein, oder?

Wir danken Lilian für den stimmungsvollen Bericht und die vielen Bilder!