Laterne, Laterne, den Schutzmann ham wir gerne

Laterne, Laterne, den Schutzmann ham wir gerne

Der Polizist ist unser Freund und Helfer. Und manchmal auch einfach der böse Mann. Wiebke Brauer über den richtigen Umgang mit den Ordnungshütern.

„Ausweis und Papiere, bitte!“ Och nö. Nicht schon wieder. Dann geht er wieder in Schneckengeschwindigkeit um den Wagen rum, dann geht das Rücklicht wieder nicht, dann kannst du deinen Wagen wieder in drei Tagen vorführen. Und warum der ganze Stress? Weil man einen Strich-Achter fährt. Das ist eine gaaaanz gefährliche Baureihe von Mercedes. Die fuhr nämlich die RAF in den 70er Jahren vorzugsweise, die Bonzenkutschen des Klassenfeinds. Und den BMW 2002 natürlich. Jeder von uns weiß instinktiv, welchen Wagen Andreas Baader fuhr. Porsche. Bei der Entführung von Hans-Martin Schleyer war ein Strich-Achter im Spiel – aber nicht nur da. Die Tatortfotos von einst haben sich in jedes Gedächtnis gebrannt. Mitsamt den Autos. Auch bei der Polizei. Und deswegen hält jeder Wachtmeister bis heute vorzugsweise diese Autos an. Mit Taschenlampe ins Gesicht halten und allem drum und dran.
Früher, als es noch Grenzkontrollen gab, konnte man auch sicher sein, mit seinem halbwegs ungepflegten Oldtimer – ob Käfer oder Renault - subito aus der Spur gezogen zu werden. Das riecht doch zehn Meter gegen den Wind nach Drogen! Das sind doch alles Kiffer! Subversive Elemente! Ich wurde immer gefilzt. Die Jungs durchwühlten Unterwäsche und Badebüdel, Koffer und Kisten. Irgendwo musste der Stoff ja sein. Schicksalergeben stand ich daneben und wünschte mir einen neuen Passat. Naja, aber auch nur fast.
Aber ich will nicht unfair sein. Ich kann mich gut daran erinnern, als ein Schutzmann mich vor fünf Jahren in dem Taunus Baujahr 60 anhielt und mir einen sehr langen Vortrag darüber hielt, dass man im Auto nicht mit einem Mobiltelefon telefonieren dürfe, laberrabarber. Mit Plüschaugen blickte ich zu ihm hoch. „Netter Polizist“, schickte ich ihm telepathisch unter die Mütze. Ich würde nicht versuchen, mit ihm zu flirten. Die Nummer hatte ich schonmal probiert. Es endete mit einer Strafanzeige wegen Fahrens ohne Führerschein und TÜV, aber das nur nebenbei. Also kein Flirten. Nur Dackelblick.
Und dann kam seine Antwort. „Na, die Freisprechanlage war ja noch nicht serienmäßig zu der Zeit, nicht? Ha ha ha ha. Dann fahren sie mal weiter.“ Die Sonne ging auf. Und was war vor drei Wochen? Da stand ich mit dem 123er im absoluten – äh – Nirgendwo auf dem Bürgersteig. Plötzlich schlenderte ein Herr in Uniform und mit Knarre im Holster heran. Dumdidum. Ich setzte schonmal den Teckelblick auf. Und was sagt er?
„Mit dem Wagen dürfen sie überall stehen“. Na bitte. Geht doch.