Kreischverkehr – 12 Milliarden für die Zone

Gesellschaft

Paradiesische Zustände: Früher bekam man in der Zone ein saftiges Ticket, wenn man zu schnell fuhr. Heute hingegen darf man schon zahlen, wenn man die Zone mit dem falschen Ticket befährt. Irre!

Ich bin wirklich Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. Ich leiste auch nach wie vor meine Beiträge für die Bürgerinitiative gegen das Atommüllendlager Morsleben e.V. Mittlerweile jedoch fühle ich mich genötigt, einen Verein gegen die hirnlosen Umwelt-Populisten Deutschlands zu gründen. Etwas Gemeinnütziges sollte es ja schon sein.

Nehmen wir Berlin. Endlich hat es wieder eine Zone! Eigentlich genau so eine, wie zwischen 1963 und 1989. Nur dass die jetzige Zone eine noch größere ist. Zum Glück ist die, wie die alte Zone, noch nicht überall.

So ein riesiges Areal muss einem ganz schön was wert sein. Und lieb und teuer. Alles zusammen gerechnet und mit einem saftig-grünen ökologischen Feigenblatt kaschiert ergibt: die Umwelt-Zone. Eine Zone voller Umwelt. Ständig und überall ist sie um uns herum. Wir können ihr nicht entkommen. Argh!

So etwas kostet. Zum einen das Grundrecht auf Mobilität. Zum anderen 12 Milliarden Euro. Das jedenfalls errechnete das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen – nachzulesen in der WELT. Unterstellt, dass nur zwei Drittel aller betroffenen Fahrzeughalter eine Umweltplakette erworben haben, seien allein 79 Millionen Euro für die gelben, roten und grünen Pickerl ausgegeben worden. 

Auf 10,6 Millionen Euro beziffert CAR den Verwaltungsaufwand für Bürgerinformationen und –beratung, die Beschilderung der Umweltzonen, das Ausstellen von bis zu 600 Euro teuren Ausnahmegenehmigungen und für zusätzliches Verwaltungspersonal. Ja, und dann die Bußgelder derer, die unerlaubt die Zonengrenze verletzten und zur Kasse gebeten wurden. Allein 350.000 Euro „mussten“ die Berliner Ordnungshüter seit Einführung der hauptstädtischen Umweltzone für derartige Verstöße kassieren. Immerhin fahren ja noch genug Guerilla-Fahrzeuge ohne Katalysator in Berlin herum. Nämlich rund 27.000 Stück, laut WELT-Autor Hans W. Mayer.

Das Blöde ist nur: Durch die Verbannung der Stinker hat sich die Luftqualität innerhalb der Umweltzone nicht messbar und nachweisbar verändert. Es scheint kein relevantes Verbesserungspotenzial in "gereinigten" Fahrzeugen zu liegen. Selbst Umweltzonen-Verliebte (und der ADAC) schätzen, dass die Qualität der Luft um höchstens fünf Prozent steige. Unter diesen Umständen könnten die Verantwortlichen doch auch den 27.000 Altfahrzeugen die Einfahrt in die Zone gestatten – es würde sie nichts kosten. Denn entweder, es passiert nix. Dann könnte man argumentieren, dank der Vielzahl abgasgereinigter Autos wären die 27.000 nicht ins Gewicht gerfallen. Oder die Luft verschlechtert sich plötzlich rapide. Dann hätte man doch wenigstens den Abgashauch eines Beweises für die Gültigkeit der eigenen These von der Wirksamkeit der Altauto-Apartheids-Zone.

Ich bin dennoch verwirrt. Soll ich jetzt mit meinem alten Saugdiesel-VW-Bulli, den ich für Frau, vier Kinder sowie Wochenend-Gepäck benötige, einen riesigen Bogen auf der A 10 rund um Berlin machen, um mich irgendwie irgendwo an den Rand der Umweltzone zu pirschen? Dorthin, wo ich gerade noch so fahren und parken darf und mit allem und allen nur 3,8 Kilometer zur Wohnung unserer Freunde zu latschen, die innerhalb besagter Zone liegt?

Und überhaupt: Was ist, wenn innerhalb der Umwelt-Zone zwar Umwelt ist, die laut Beschilderung geschützt werden muss – außerhalb aber gestänkert werden darf, was der Endtopf hält? Ist also dort, außerhalb der Umweltzone, etwa doch keine Umwelt?

Und sind die beiden Herren mit der weißen Weste, die sich mir gerade nähern, nun Politiker des Umwelt- oder Finanzministeriums oder doch wohlmeinende Pfleger? Nicht doch! Was so ein Klinikaufenthalt wieder kostet ...