K.O. für Karmann?

K.O. für Karmann?


Karmann

Offen gestanden hätte ich an dieser Stelle lieber über den legendären Karmann Ghia oder auch das Golf 1 Cabriolet berichtet. Denn dies sind zwei der vielen Highlights, mit denen uns der Osnabrücker Automobilhersteller Karmann in der Vergangenheit "beschenkt" hat. Ich schreibe bewusst Vergangenheit, denn sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft sehen derzeit wenig rosig aus. Im Klartext: die Sparte Fahrzeugbau soll komplett dicht gemacht werden, was nicht nur das Ende einer seit 1901 andauernden Ära sondern auch den Verlust von 3.600 Arbeitsplätzen (davon 1.600 am Standort Osnabrück) bedeutet.

Das berichtet unter anderem Impulse.de wo wir zudem erfahren, dass die Produktion kompletter Fahrzeuge bereits seit einiger Zeit kränkelt. Derzeit werden noch Audi A4 Cabriolets sowie der Mercedes Benz CLK in den Werken Rheine und Osnabrück gefertigt, doch damit ist bis Mitte 2009 Schluss:

Wie viele Mitbewerber in Europa leidet das Traditions-Unternehmen darunter, dass die Automobilhersteller mittlerweile auch Nischenmodelle auf eigenen Produktionsbändern fertigen und nicht mehr extern vergeben.

Die Firma Karmann wird uns natürlich weiter erhalten bleiben, doch versteht sich das Unternehmen bald nur noch als Zulieferer, beispielsweise für Dachsysteme (wie bei der 1er Reihe von BMW).

Als Nostalgiker erinnern wir uns gerne noch einmal an die glorreichen Zeiten zurück. Im Jahr 1955 erblickte der Karmann Ghia das Licht der automobilen Welt und trat seines Siegeszug an. Genau genommen müssen wir hier zwischen dem Typ 14 und dem etwas größeren und deutlich selteneren Typ 34 unterscheiden.

Ersterer basierte auf dem VW Käfer, während der 34er auf dem VW Typ 3, also dem 1500 und 1600 aufbaute. 

Doch bleiben wir beim kleinen Ghia, der in den Jahren 1955 bis 1974 im Auftrag von VW gebaut wurde: 443.000 Modelle verließen das Werk, davon 81.000 Cabriolets. Die technischen Daten waren übrigens mit denen des Käfers identisch.

Und wenn wir schon einmal bei den Klassikern aus dem Hause Karmann sind: auch der Golf I Cabriolet, der unter anderem in den TV-Serien "Schwarzwaldklinik" und "Remington Steel" zu Ruhm und Ehre kam, ist genau genommen ein Osnabrücker. 

Zunächst lieblos "Erdbeerkörbchen" genannt, wurde dieses Modell zwischen 1979 und 1993 388.522 mal gebaut. Damit war der Wagen zu "Lebzeiten" das am besten verkaufteste Cabriolet der Welt. 

Ich könnte an dieser Stelle noch weitermachen und mehr Kapitel aus der Karmann-Erfolgsgeschichte nacherzählen. Doch möchte ich mit einem Nachruf warten, bis die Schließung endgültig besiegelt ist.

Bis dahin besteht zumindest noch ein Fünkchen Hoffnung.