Jetzt gibt’s was auf die Ohren!

Jetzt gibt’s was auf die Ohren!

Seit langem tüfteln Sound-Designer an künstlichen Motorgeräuschen für erschreckend leise Elektro-Fahrzeuge. Wiebke Brauer dachte, sie hört nicht richtig.

Wir sprachen gestern über Sounds für elektrische Autos. Mitten in der Diskussion klingelt ein Mobiltelefon, natürlich wieder mit dem „Old Phone“-Ton. Was ich inzwischen relativ albern finde. Ich liebte die Serie „Detektiv Rockford –Anruf genügt“ sehr, aber ich muss mein modernes Telefon nicht mit einem Retro-Sound ausstatten. Vielleicht ist der „Old Phone“-Ton so beliebt, weil die Leute bei modernen Geräuschen nicht schnallen, dass ihr Telefon schellt. Aber das nur nebenbei.

Wir sprachen darüber, dass (ausgerechnet) die Firma Lotus schon vor Längerem ein System konstruierte, das Elektro- oder Hybridautos durch künstliche Fahrgeräusche besser wahrnehmbar macht. Ich meinte dann, dass ich neulich gehört (haha) habe, dass in den USA jetzt Blindenvereine gegen Elektro-Autofirmen klagen, weil regelmäßig Blinde von Hybridautos oder dem Tesla Roadster umgenietet werden.

Prompt kam natürlich der Einwand mit dem heißen Kaffee und dem Pudel in der Mikrowelle, und dass die Amis ja gegen alles klagten. Und dann erzählte einer aus der Runde, dass der Tuningexperte Brabus einen „Space Sound Generator“ entwickelt hätte – mit vier verschiedenen Motorgeräuschen. „Dann steigst du also in einen E-Smart und suchst dir einen Klang aus. Entweder macht der dann einen satten V8-Sound – oder er klingt wie ein Rennwagen.“ Und dann gäbe es noch zwei Raumschiff-Enterprise-Klänge, die hießen Beam und Warp. Je schneller der Wagen, desto lauter das Warp. „Das ist ja total albern“, meinte ich entgeistert.

Ich dachte nach. Vielleicht kann man dann auch Geräusche für sein Fahrzeug selbst aufnehmen. Dann würde ich einfach ganz laut „NÄÄÄM NÄÄÄÄÄÄM“ machen, das digital festhalten und mit der „NÄM“-Soundschleife durch die Straßen fahren. Wahrscheinlich müsste ich wegen „Groben Unfugs“ einfahren, aber zumindest wäre jeder Sehbehinderte vor mir sicher. Oder ich kaufe mir einen Horch 930 V Phaeton und nenne es Ironie des Schicksals.

Ich las dann heute noch einmal nach, was der Lotus-Chef Mike Kimberley zu seinem tollen Sound-System gesagt hat: „Unsere fortschrittliche Soundtechnologie verbessert die Fußgängersicherheit und erhält die Umweltvorteile. Wir hoffen, dass der Gesetzgeber ein Minimalgeräusch für Fahrzeuge einführt.” Na, immerhin, dachte ich. Meine Kisten mögen bald wegen maximalem Benzinverbrauch, CO2-Ausstoß in Kilo und Ölpest-Gefahr von der Straße komplimentiert werden. Aber sie liegen dann über der Minimalgeräuschgrenze des Gesetzgebers. Und der Sound kommt nicht von Band und klingt nicht nach Renngeknister oder Raumschiff, das übrigens eh lautlos im All schwebt. Herrjeh, ich muss sofort runter und den V8 zünden.

Verrückte Welt, dachte ich im Stillen.