Ich nehme euch alle!

Ich nehme euch alle!

Was ist der Unterschied zwischen Schuhen, Handtaschen und Oldtimern? Es gibt keinen! Jedenfalls nicht für Wiebke Brauer, die kriegt nämlich den Hals nicht voll. Mit gewissen Ausnahmen.

Okay, das mit den Handtaschen war gelogen. Aber es schrieb sich so schön. Doch horche ich in mein Schuh-Herz, dann sagt es: „Gib mir Puschen. Pumps Peep-Toes. Ich will mehr.“ Und mein Auto-Herz ist noch hungriger: „Gib mir Pagoden! Peugeots 504 und Panameras!“ Und das Schlimme: Ich bin total wahllos, zumindest auf den ersten Blick. Sehe ich einen Kadett A, wie neulich, verfalle ich in Hechel-Atmung. Der steht mir! Ich will ihn! Freundliche Menschen müssen mich dann entweder an den Haaren aus dem Auto zerren oder einen Pfad aus Autobildern legen, dem ich dann wie ein verzücktes Nagetier folge. Dabei wollte ich nie wieder einen Wagen aus den 60ern. Und auf Opel stehe ich sowieso nicht. Aber gestern blätterte ich durch eine Autozeitschrift und erblickte einen Opel Admiral B. Ein Prachtstück. Was für geile Kanten. Den nehme ich auch! Opel darf nicht sterben!
Und schon stellt man sich die Frage: Was ist ein hässliches Auto? Ich weiß, diese Frage kommt gleich nach dem Sinn des Lebens, aber trotzdem. Mache ich jetzt einen auf Dalai Lama und sage: „Jedes Auto in diesem Universum hat die gleiche Berechtigung und jemand, der ihn liebt…“ Och nö. Andererseits: Vor einiger Zeit traf ich jemanden, der ein Erdbeerkörbchen fuhr. Und er war so verknallt in diese hässliche Kiste, dass ich nur sagen konnte: „Cool. Ein Golf. Finde ich toll.“
Hallo?! McFly? Jemand zuhause?! Nichts würde ich lieber tun, als nachts mal mit einer Axt durch die Straßen zu gehen, um Gölfe zu holzen. Aber er fand ihn so super, und echte Begeisterung ist so ansteckend wie Schweinegrippe – macht aber mehr Spaß. (Übrigens fiele dann bei meiner nächtlichen Tour auch aus Versehen ein neuer Fiesta dem Axtblatt zum Opfer. Oder ein Kangoo. Oops, tut mir leid, da bin ich wohl hängen geblieben).
Zugegebenermaßen habe ich einen völlig abartigen Geschmack. Neuerdings erwische ich mich dabei, dass ich S-Klassen aus den 90ern sehr attraktiv finde. Und Audi 100. Und den 924 hielt ich schon immer für eine herrliche Porno-Kiste, am liebsten in diesem fiesen Lila, von Porsche kurz „violett-chrom-flair-metallic“ genannt. Aber wenn ich das laut sage, heißt es gleich: „Die? Was hast du denn für Luftfilter geraucht? Die gehen gar nicht.“ Spätestens dann verkneife ich mir den Zusatz, dass ich mattschwarz als Lackierung gerade unfassbar lässig finde.
Ah, in Bezug auf Geschmacksverirrung. Es gibt einen Wagen, der sowohl alt als auch hässlich ist. In meinen Augen. Ich mag diese verkugelten unproportionierten Dinger nicht. Mieses Design, schlechter Sound, organische Niedlichkeit. Außerdem sehen deren Fahrer immer aus wie der Nachrichtensprecher Jan Hofer. Sammelt der nicht auch Oldtimer? Egal. Es geht hier übrigens nicht um den ersten TT. Ich rede vom Käfer. Ich hasse Käfer.
Ja, schon klar, was ich in meinem nächsten Leben zur Strafe werde. Ein Käfer in Tibet-Orange mit einer angestaubten und leicht klebrigen Plastikrose in der Vase und einem Kissen mit Troddeln auf dem Rücksitz. Oder ich werde Jan Hofer.
Grusel.