Ich glotz TV

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Fernsehen macht doof? Und die Kinder macht der Papst. Denn ohne die Serie „Die Profis“ hätte Wiebke Brauer nie ihre Liebe zum Auto entdeckt. Und nicht nur sie.

Bodie stieg in einen Ford Capri, und ich war verliebt. Was man dazu wissen muss: Ich muss ungefähr sieben Jahre alt gewesen sein, bei Bodie handelte es sich um den Schauspieler Lewis Collins in der englischen Serie „Die Profis“. Und ich war nicht in Bodie verliebt, sondern in den Ford Capri in Silbermetallic. Was man alles mit dem machen konnte! Durch die Luft fliegen, mit angezogener Handbremse eine Kehrtwendung machen – oder einfach cool aussehen. In diesem Moment war klar: Ein Grundstein für eine lebenslange Liebe war gelegt. Von nun an standen Automobile an erster Stelle in meinem Leben, dann kam erstmal nichts – und dann Männer (die wiederum Autos fuhren, aber das hatten wir ja schon). Heute würde ich heute sagen – das Fernsehen war schuld. Denn erstens guckte ich alles im Fernsehen, was bunt war und sich bewegte, zweitens begriff ich: Es kann nicht nur einen geben: Durch die Profis lernte ich den Granada und den Escort kennen, ich klebte am Fernseher, wenn Dallas lief, weil Jock einen Mercedes SL fuhr. Als ich gestern Abend mit Freunden zusammen saß, meinte ich so nebenbei, dass ich Fernsehserien in Hinblick auf Autos für meinungsbildend halte und die Serie „Stingray“ für mich ein Gottesgeschenk war. Plötzlich kam wie aus der Pistole geschossen: „Und was ist mit Magnum und dem Ferrari? Und der SL tauchte auch bei „Hart aber herzlich“ auf und war gelb. Total wichtig ist auch der Gran Torino aus „Starsky & Hutch“. Und was ist überhaupt mit dem Peugeot, den Columbo immer fuhr…" In diesem Moment dachte ich nur: „Okay, eigentlich wusste ich schon immer, dass ich komische Leute kenne. Sorgen machen müsste ich mir jetzt nur, wenn sie mit Herbie oder K.I.T.T. anfingen. Denn das war nicht meinungsbildend, sondern verstörend, weil extrem uncool. Schließlich muss man sich David Hasselhoff heute nur einmal ansehen, und man weiß Bescheid. Sprechende Autos, das kann ja nicht gut gehen.
Inzwischen war die traute Runde beim Thema James Bond und der Sammler-Edition angelangt. Ich sage nur – erwachsene Männer und kleine Lotus Esprits in Plexiglaskästen. Da kann man mal wieder sehen, wie viele Spinner in der Welt herumlaufen, die genauso ticken wie ich. Irgendwie beruhigend.

Dieser Artikel erschien am 01.08.2008

Übrigens: Seit dem 20. Dezember 2009 erscheinen Wiebkes Artikel alle zwei Wochen neu im Carsablanca Magazin.