Ich dekoriere, also bin ich

Ich dekoriere, also bin ich


Ich dekoriere, also bin ich

Deko oder nicht Deko, das ist hier die Frage, denkt sich Wiebke Brauer. Soll man sich Würfel an den Rückspiegel hängen? Einen total witzigen Aufkleber gönnen? Andererseits: Schlimmer geht immer.

Ja, ich habe es getan. Ich habe einmal ein Kissen in meinen Ford Taunus 17MP3 gelegt. Auf der Motorhaube meines verhassten Polos klebte ein riesiges „W“ – wie ein Superman-Zeichen, aber eben ein „W“ . Aber ganz ehrlich? Das musste auch sein, weil ich den Polo morgens in der Reihe der parkenden Autos nie wiederfand. Golf, Polo, Ford Fiesta? In meinen Augen sahen alle neueren Modelle gleich aus. Rettung brachte erst das selbstgebastelte „Super-W“ in blau, rot und gelb. Meine erste Ente gilt nicht, die hatten meine Mitbewohnerin und ich einfach mit Acrylfarben bemalt. Das wäre schon in den 70er Jahren peinlich gewesen, aber in den 80ern ging es eigentlich gar nicht.
Ja, ich habe Autos dekoriert – und tue es noch. Heute hängt an meinem Rückspiegel im Mercedes immer irgendein Gebimsel. Meistens ein silberner Würfel mit Strassbesatz von Dior. Ist ein Lipgloss drin. Und bei mir zuhause hängen ein Paar Plüschwürfel aus Las Vegas, die noch auf den richtigen Wagen warten. Hier gilt: Erst die Deko, dann das Auto.
Frauenfimmel? Kann schon sein. Aber ganz ehrlich? Männer sind viel schlimmer, auch wenn sie es nie zugeben würden: Was bitte sollen diese Sonnenschutzdinger in Pandakopfform? Und wie bitte soll ich den Aufkleber „Helldriver“ auf der 123er-Limousine heute morgen verstehen? Okay, der Wagen war sowieso popelgrün, aber muss man Scheußlichkeit forcieren? Ich habe ja schon als Kind nicht begriffen, warum man sich Wackeldackel auf die Hutablage stellt. Und warum die verhäkelten Klorollen? Verstehe ich immer noch nicht. Die Nummer mit dem Pioneer-Aufkleber in den 80ern habe ich noch halbwegs erfasst. Wenn ich mich nicht täusche, ging es irgendwie darum zu sagen, dass man voll die dicke Anlage im Escort hat. Dabei ließ sich das auch schon an den rythmisch vibrierenden Autoscheiben feststellen. Im günstigsten Fall. Hatte man Pech, waren die Fenster offen, und aus dem Inneren entströmte Musik, die man im günstigsten Fall noch „vegetativ“ nennen könnte. Das nennt sich dann akustisch-optische Doppelkeule. Könnte man fast vermissen, denn heute schaffen das nur noch Quads. Die muss man nur mit sich selbst dekorieren, um sich zu blamieren. Und da soll noch einmal jemand sagen, Dior-Würfel am Rückspiegel seien peinlich.