Ich bin eine rechte Sau!

Ich bin eine rechte Sau!

Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen existiert ein Zusammenhang zwischen Automarke und Wahlverhalten. Die Folgerungen daraus sind erschreckend. Wiebke Brauer musste ihre politische Gesinnung komplett überdenken.

Studien sind eine feine Sache. Sie machen nicht nur klüger, sondern die Welt auch gleich viel übersichtlicher, was wir in diesen hysterischen Zeiten ja besonders gern haben. Außerdem hat man nach der Lektüre der Umfrage-Ergebnisse immer etwas Kurioses weiterzuerzählen. In diesem speziellen Fall führte eine Erhebung allerdings dazu, dass ich mein persönliches Weltbild komplett revidieren musste. Eine Umfrage des Instituts panelbiz bei über 1000 Autofahrern untersuchte nämlich, wie Deutschlands Wagenbesitzer wählen würden, wenn Sie schon jetzt den neuen Bundestag bestimmen könnten. „Och, das ist ja spannend“, murmelte ich in meinen Rotwein. „Mal schauen, was die so herausgefunden haben.“ Entspannt schlug ich die Schlappen übereinander und hub an zu lesen. Demnach ergab die Umfrage, dass Audi-Fahrer eine sehr hohe Präferenz für die FDP aufweisen, aber auch für die CDU/CSU – während BMW-Fahrer auch durchaus mal ihr Kreuz bei den Grünen machen. Wobei die Grünen vorwiegend von VW-Besitzern gewählt werden. Fand ich jetzt mittelmäßig interessant. Aber dann kam es: „Mercedes-Fahrer präferieren sehr stark die CDU/CSU – und zwar mit weit über 35 Prozent.“ Dufte, da hatten wir es ja wieder. Kaum fährt man einen Wagen mit Stern, wird man als strengkonservativ eingestuft. Ich schlürfte meinen Rotwein zur Gänze aus und dachte nach. Wie verhielt es sich eigentlich mit einer Person, die nicht nur einen Mercedes fährt – sondern sogar zwei? Selbst wenn Minus und Minus Plus ergibt, konnte das nicht bedeuten, dass sich ein 230 CE und ein 380 SL gegenseitig aufheben und ich deswegen die Bienenpartei wähle. In meiner alkoholgeschwängerten Laune machte sich ein Gedanke breit: Mein Doppelstern konnte nur eins bedeuten. Wer zwei Bonzen besitzt, ist eine rechte Sau, wählt NPD und liest zum Einschlafen „Mein Kampf“. Ich schenkte mein Glas wieder voll und war recht schockiert ob meiner ganz neuen politischen Ausrichtung.
Dabei fiel mir die Nummer mit der Automarke und dem Musikgeschmack wieder ein. Eine Studie aus dem letzten Jahr hatte untersucht, was wir beim Fahren hören – und danach lauschten BMW-Fahrer am liebsten Heavy Metal, während Mercedesfahrer Klassik favorisierten. Was heißt hier Klassik. Der Mercedesfahrer mit dem Herz am rechten Fleck hört Wagner. Und ich in meiner Herrenmarke rausche natürlich über die Volksautobahn, während der Ring der Nibelungen erschallt – und ich mich vom Geschnetz auf der linken Spur etwas belästigt fühle. Und mein SS, äh, SL ist natürlich schwarz mit roten Sitzen. Dazu trage ich gerne etwas schlicht weißes, zum Beispiel mein Kraft-durch-Freude-Dress. Und welche Farbe hat der 123er? Naaaaa? Der ist BRAUN!
Völlig erschüttert sank ich in meinem Sessel zurück. Ich Eva Braun ich. Das hatte ich nun davon, dass ich immer diese Umfragen las und dazu Rotwein süffelte. Das musste aufhören. Also das mit dem Lesen natürlich. Denn kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung. Sehr zum Wohle.