Herbies Erben: Die Boxer des Marco Gangl

Herbies Erben: Die Boxer des Marco Gangl


Portrait

Was will man machen, wenn einem das fröhliche Orgeln eines VW-Boxers von Kind an begleitet? Käferfahren natürlich!

Als Grundschüler, Mitte der Achtziger, saß Marco Gangl vor dem Fernseher und guckte die n-te Wiederholung von Herbie - ein toller Käfer im Nachmittagsprogramm. Marco verfolgte die Abenteuer des kleinen Käfers mit glühenden Ohren. Das Glühen ist geblieben, wenngleich längst nicht mehr nur in den Ohren.

Marco (LK) spürt es besonders deutlich, wenn hinter ihm der Boxermotor brallt und orgelt wie es nur dieser Boxer kann. Oder wenn der Käfer einen verschneiten Anstieg hochschnürt, dank schmaler Reifen und viel Last auf der Antriebsachse, während rundum die Leute ihre Mercedes aus den Straßengräben schaufeln. Oder wenn Marco morgens vor die Haustür tritt und der Käfer dasteht als einziges Auto in der ganzen Straße, das eigenen Charakter hat - da durchzuckts ihn für eine Sekunde.

Das Glühen ist sogar auf seine Freundin Nadine Steinfatt übergesprungen. Die fand es ziemlich klasse, als Marco mit einem Käfer aufkreuzte. Seit Marco ein bisschen Geld übrig hatte und zufällig auch noch ein passendes Auto wusste, fährt Nadine auch Käfer: "Es ist ein relativ neuer, Baujahr 1964", sagt Marco. Alter ist eben nur eine Frage der Perspektive. Er würde auch ein Vorkriegsauto fahren, leider muss man ziemlich tief in die Tasche greifen für eines. Macht aber nichts, sein Auto stand in dieser Gestalt 1938 zum ersten Mal auf den Rädern, das kommt der Sache schon ziemlich nah.

Anfangs wusste Marco nichts von Käfern. Sein Onkel trieb ihm ein passendes erstes Auto auf, als Marco frisch den Führerschein hatte: ein 84er Mexiko-Käfer. Der Mexiko fiel diversen Jugendsünden zum Opfer, wie man sie eben als Anfänger begeht: verfehlte Wartung, gefolgt von murksigen Reparaturen, die Suche nach mehr PS. Trotzdem hielt er 100.000 km lang; sein Ende kam, als ihm jemand in die Seite fuhr.

Die Riesenoperation 

Mittlerweile weiß Marco so ziemlich alles über Käfer. Nadines 1964er musste er komplett neu aufbauen, da hatten diverse Winter und manche Pfuschbrater ein übles Werk verrichtet. Und so steht Marco jetzt in der Werkstatt und lässt auf einem kahlen Plattformrahmen langsam wieder ein Auto wachsen, Rundung um Rundung. Er findet das gar nicht so beachtlich. Es ist Teil seiner persönlichen Entwicklung, außerdem verlangts die schlichte Notwendigkeit: "Der Käfer wäre dieses Frühjahr nicht über den TÜV gekommen. Eigentlich wollte ich mir so eine Riesenoperation nicht antun, aber Nadine hätte mir einen Riesenstress gemacht. Also musste ich ran. Jetzt fährt er endlich richtig gut."

Er selbst hat inzwischen seltsamerweise keinen Käfer mehr. Nach dem Mexiko fuhr er einen blauen 61er Käfer - den gab er 2004 weg, mit 400.000 km auf dem Tacho, zwei Drittel davon selbst gefahren. Warum gab er ihn weg? "Ich hatte einen Scheunenfund gemacht, einen 59er mit absolut jungfräulicher Innenausstattung. Da hab ich zum ersten Mal gesehen, wie es sich in einem neuen Käfer sitzt, wenn der Sessel straff federt und der Hintern nicht erst eine Handbreit in die Polster sinkt. Eine völlig neue Erfahrung. Für den 59er musste ich den anderen abgeben ..."

Später tat es ihm leid. Erstens weil der 61er in die Hände eines herzlosen Gesellen fiel (der ihn verkommen ließ), zweitens weil Marco die wunderbaren Sitze des 59ers nicht verschleißen wollte. So gab er ihn schweren Herzens ab. Jetzt hat er ein neues Projekt: ein Kübelwagen Typ 181. Denn er kann machen was er will: Das Glühen lässt nicht nach.

Autor: Till Schauen

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