Hamburg, meine Perle – Rallye HH-Berlin I

Hamburg, meine Perle – Rallye HH-Berlin I


Carsablanca auf der Rallye Hamburg-Berlin

Rennen ist leben. Alles davor oder danach ist nur Warten. Weise Worte aus dem Mund von Michael Delaney, die wir uns zum Vorbild nehmen: Nur wenige Tage nach der Sachsen Classic starten wir erneut auf die Piste, dieses Mal führt uns das Roadbook von der schönsten Stadt Deutschlands in die Hauptstadt – und damit von Hamburg nach Berlin. Steigen Sie zu, zumindest im Geiste!

Sie meinen, Sie kennen Hamburg. Und dann kommt dieses Roadbook. Nie wieder werden Sie Gelegenheit haben, den Startort der 1. Rallye Hamburg – Berlin so zu erleben: Im automobilen Klassiker über sonst gesperrte Wege, Brücken und sonstige Elbquerungen, durch Sonderzonen im Freihafen, auf dem Gelände der größten deutschen Werft Blohm & Voss. Die Organisation macht es möglich. Es ist ein Erlebnis. Nicht nur für Nicht-Hamburger.

Ovali, treue Seele: Ohne Murren durch die erste Etappe.

Impala und Corvair beim Check-In, Fischauktionshalle.

Im Groben war dies der erste von drei spannenden und vor allem einducksstarken Rallyetagen. Obwohl im strengen Sinn keinesfalls ein Rennen auf Zeit, hat die Erstauflage der Hamburg – Berlin eindeutig ihre atmosphärischen Qualitäten. Und die sind es vor allem, die zählen – weil man noch lange von ihnen er-zählen wird: Das Gemisch aus Sound und ehrlichen Abgasen im Parc Fermé an der Hamburger Fischauktionshalle, die Passage durch das wirklich staunen machende Museum der Arbeit mit seinen alten Schwimm- und Ladekränen, der historischen und ähnlich schön wie die Cap San Diego gezeichneten MS Bleichen, dazu Schuppen und restaurierte Güterwaggons, danach in den luftigen Höhen der Köhlbrandbrücke und anschließend in den Niederungen des Auto-Exports nach Afrika am Oswaldkai. Und dazwischen immer wieder abwechselnd verschlafene Deichhöfe, pulsierender Containerterminal, verlassene Schwerindustrie, geleckte Musical-Location. So ist Hamburg halt: eine Perle mit vielen unterschiedlichen Schattierungen.

Muskulöser Rücken vor buckligen Kränen: Museum der Arbeit, Hamburg. 

Nicht minder bunt ist das automobile Teilnehmerfeld der Hamburg – Berlin: Aus Berlin bollert ein Tatra 603 heran, ein Fossil mit luftgekühltem V8 im Walfisch-Heck, die Opel Classic hält einen im Prinzip unzähmbar gemachtes Commodore B-Coupé bereit, dessen Zuchtmeister im letzten Augenblick aus gesundheitlichen Gründen absagen muss – Walter Röhrl. Dazwischen Maserati Indy, Chevrolet Impala und Corvair, ein brachialer AMG-W 108 in Kriegsbemalung aus dem Hause Daimler, Buckelvolvo, sonnenbebrillte Schnösel mit Föhnwelle im 300 SL (Klischees sind so wunderbar, wenn man sie leibhaftig erleben darf ...), rängtängtängende Wartburg, deren gebogene Dachfensterchen aus dem Westen importiert wurden (was seinerzeit tunlichst verschwiegen wurde).

Gewölbt wie eine Erzgebirgs-Moräne: Tatra 603. 

Und schließlich unser persönlicher Sympathieträger, den wir chauffieren: Ein Ovali-Käfer mit lauschigem Faltdach, grade verzahntem ersten Gang ("wuuuuääääähhh...!") und absoluter Export-Luxusausstattung. Mein Fahrer Thomas, ähnlich zierlich gebaut wie ich selbst, wird sich morgen den rechten Unteram rasieren müssen: Immer, wenn er schaltet, kratzt es mich am linken Oberarm. So ist das mit selbst gewählten Männerfreundschaften im VW Käfer.

Dürfte gerade so ins Blohm & Voss-Dock passen: Laaanger CX Prestige, Ex-DDR

Führt Neptun's Dreizack im Schilde: Maserati Indy. 

Noch ist nicht viel los auf der Strecke, die nachmittags an einem Werktag von 159 Autoklassikern infiltriert wird. Spätestens morgen, auf der Etappe über Schwerin nach waren an der Müritz, wird sich dies ändern. Dann werden wir durch ländliche Gefilde reisen, wo der Pulk mehr auffallen wird, als er das im sowieso Oldtimer-affinen Hamburg tut. Bisher sind 15 Ausfälle zu verzeichnen – zum Glück nicht einer aufgrund eines Unfalls. Betrüblich genug allemal für die Betroffenen, die ihre knapp 1.000 Euro Startgebühr entrichtet haben, um nun eventuell die Reise Richtung Heimat und Werkstatt anzutreten.

Flosse vor Elbe. 

Ein Pony-Car vom Immenhof?

Immerhin – sie werden es sich nicht haben nehmen lassen, am Begrüßungsabend in der alten Fischauktionshalle teil zu nehmen. Steinbeißerfilet, Büsumer Krabbentoast und Hamburger Rote Grütze mit Vanille-Eis sollten wenigstens etwas zum Versüßen dieses ersten Tages beigetragen haben. Wie uns der Tag morgen schmeckt – das lesen Sie morgen. Steigen Sie wieder zu!

Der zweite Tag – echt hart!

Tag Nummer Drei: Die Sieger der Herzen.